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18. Juli 2016

Kritik in Kürze

Saleem Ashkars Klaviermatinee beim ZMF 2016

Saleem Ashkars Klaviermatinee

Die Klassik hat es nicht leicht beim Zeltmusikfestival. Da kommt der Weltklassepianist Saleem Ashkar mit einer Beethovenmatinee ins Spiegelzelt, aber der Zuschauerzuspruch ist gering. Wer dabei war, erlebte ein atmosphärisch dichtes, musikalisch reiches Klavierrezital, das trotz mancher Nebengeräusche wie Kindergeschrei oder Hundekläffen vom ersten bis zum letzten Takt der vier Beethoven-Klaviersonaten größte Intensität entfaltete. Das Adagio con molto espressione aus der Sonate in B-Dur op. 22 ist ein Legatotraum. In der bekannten "Waldstein"-Sonate op. 53 zeigt sich der Pianist als technisch beschlagener Interpret, der die großen Zusammenhänge aufzeigt. Wie Ashkar nach dem selbstbewusst-brillanten Kopfsatz, in dem er die Bässe hämmert, im zweifelnden Adagio den Boden unter den Füßen wegzieht, ehe er das Rondo nach und nach wieder an Sicherheit und Dramatik gewinnen lässt – das ist pianistische Meisterschaft. In der Sonate in G-Dur op. 31/1 macht der palästinensische Israeli, der mit Dirigenten wie Daniel Barenboim und Zubin Mehta spielt, Triller zu Bedeutungsträgern. In Beethovens letzter Sonate op. 111 verbindet Ashkar rhythmische Präzision mit einer enormen dynamischen Bandbreite. Zerklüftet der Kopfsatz, vielschichtig die Arietta: von entrückt bis ekstatisch! Die Spannung nach dem letzten Themenzitat in den Schlusstakten wird auch durch ein Hubschrauberbrummen nicht gefährdet, ehe stürmischer Applaus aufbrandet.

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Autor: Georg Rudiger