Schlappohr und Biomandarinen

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Di, 11. Dezember 2018

Klassik

Freiburg: Weihnachtsoratorium für Kinder in St. Peter und Paul.

"Jauchzet, frohlocket" – die erste Kantate aus Bachs Weihnachtsoratorium erklang mitreißend schwungvoll, fast überschwänglich fröhlich in der Freiburger Kirche St. Peter und Paul. Familien mit Kindern füllten die Kirchenbänke und Läufer zwischen den Bankblöcken, blickten gebannt auf das szenische Geschehen im Altarraum und ließen sich von der Freude, die Sänger und Orchester vermittelten, anstecken.

Die Vokalakademie Berlin und das Prometheus Ensemble Freiburg inszenierten unter Leitung von Frank Markowitsch die Weihnachtsgeschichte lebendig und sehr dynamisch aus ungewohnter Perspektive. Josef (Matthias Jahrmärker) erzählte das Geschehen rund um Jesu Geburt aus der Perspektive des stolzen Vaters und ließ es sich nicht nehmen, die Geschichte mitunter etwas auszuschmücken. Was die selbstbewusste Maria (Susanne Ellen Kirchesch) dann veranlasste, ihn auch mahnend an die Wahrheit zu erinnern.

Unterhaltsam für die Erwachsenen im Publikum, spannend für die Kinder, die zwar auch alle die Geschichte schon kennen, aber so dann doch noch nicht gehört hatten. Plüsch-Schafe zum Anfassen bei den Hirten, der imaginierte Esel Fridolin, der ein Steh- und ein Schlappohr hat (und auf dem das Jesuskind – laut Josefs kurzweiliger Erzählung – bereits kurz nach der Geburt das Reiten übte) und ein imposanter Engel, dessen Strahlen bei seinem ersten Auftritt auf der Empore die Unsicherheit der Hirten nachfühlbar machte – eine vielfältige und auf vielen Rezeptionsebenen wirkende Inszenierung.

Chor- und Orchester sorgten für festlich beschwingten Klang, kleine Unstimmigkeiten hinsichtlich der Tempi, die die unkonventionelle Choraufstellung und das szenische Bespielen des gesamten Kirchenraums durch die Sänger entstanden, fielen kaum auf. Unaufdringliche Bildprojektionen an der Kirchenwand hinter dem Geschehen halfen bei der Imagination von Stall und Esel. Licht als Stimmungsmittel, als Aufmerksamkeitslenker und als Sternenhimmel, der den Weg zum Stall weist – die Inszenierung (Regie: Sascha von Donat, Lichttechnik: Luis Vaillant) bot Eindrücke für alle Sinne. Sogar die etwas schrumpeligen Biomandarinen, mit denen eigentlich die Gier von Herodes besänftigt werden sollte, landeten in Kinderhänden. Die etwas über eine Stunde, die sich viel kürzer anfühlte: begeisterte Kinder und Eltern, die den Ensembles mit viel Applaus für die runde Inszenierung dankten.