Schwingender Dreier

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mo, 20. November 2017

Klassik

Orchesterkonzert in der Freiburger Musikhochschule.

Ein Konzert der vielfach gebündelten Aufmerksamkeit bot das Orchester der Freiburger Musikhochschule mit Werken von Tschaikowsky und Schostakowitsch. Der große Klangkörper zeichnete sich durch wache Aufmerksamkeit gegenüber dem Solisten (am Flügel: Pietro Ceresini) und Dirigenten (Scott Sandmeier) aus, was in einen flexiblen, mal massig kräftigen, mal fein solistischen Klang mündete.

Tschaikowskys b-Moll-Konzert für Klavier und Orchester ist übervoll an musikalischen Ideen und kann sich dem Eindruck eines gewissen Eklektizismus nicht erwehren. Pietro Ceresinis Interpretation ließ den vielen unterschiedlichen Einflüssen und Ideen Raum, suchte nach Verbindungen und ließ die Motive dennoch bedeutungsvoll für sich selbst stehen. Im ersten Satz: ein majestätischer Beginn von den Bläsern, weich weitergeführte Motive von den Streichern und energische, kraftvolle Akkorde im Klavier. Im zweiten Satz schön die solistischen Momente bei Querflöte, Klavier und Oboe, die die komponierte Spiegelung einfühlsam hörbar machten. Der lange Triller des Klaviers wirkte fast ausweglos, doch dann löste Ceresini die Trillergefangenheit elegant. Drängend und unruhig wirkte der dritte Satz, das Klaviersolo lebhaft und prägnant.

Leise und unheilvoll fokussiert begann die Sinfonie Nr. 10 in e-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Warm und rund legte sich die solistische Klarinette über das Orchester und entwickelte ihr Thema sorgsam. Das Zuspiel im Orchester gelang klar, die Aufmerksamkeit gegenüber dem Dirigenten und den anderen Instrumentengruppen im Orchester war auch hier hoch und erzeugte trotz der großen Besetzung einen offenen und transparenten Klang. Die Schlagwerker setzten im zweiten Satz massive Akzente. Laut? Ja. Auf den Punkt und kraftvoll? Ja. Aber nie brutal. Der Walzer-Teil im dritten Satz wirkte wie ein Anti-Walzer, keine beschwingte Dreiviertel-Glückseligkeit, sondern auskomponiertes Unglücklichsein, Gefangensein in negativen Gefühlen.

Gut gemacht von Sandmeier, den schwingenden Dreier einerseits sorgsam herauszustellen und gleichzeitig unentrinnbar festzuhalten. Die Bläser im ganzen Konzert bewundernswert: ausnahmslos aufmerksam, klar, solistisch hervortretend, individuell interpretierend und sich dennoch harmonisch ins Orchester einfügend.