Stimmungen eines späten Sommerabends

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 25. Juli 2018

Klassik

Sommerliche Chormusik vom Barock bis zur Gegenwart sang die Junge Kantorei Freiburg in der Evangelischen Kirche Wollbach.

Von der Empore klingen Stimmen herab, die sich immer mehr zu einem Klanggeflecht verdichten und sich zu einem schwebenden Klanggebilde übereinander schichten. Mit diesem "Alleluia Super-Round" des amerikanischen Komponisten William Albright eröffnete die Junge Kantorei Freiburg ihr Konzert "Sommernachtsklänge" in der sehr gut gefüllten Evangelischen Kirche Wollbach.

Der studentisch geprägte Chor unter Leitung des Kirchenmusikstudenten Seraphim Schirrmacher führte A-Cappella-Werke vom Barock bis zur Gegenwart auf, in denen sich auf verschiedenartige Weise die Stimmungen eines späten Sommerabends spiegeln: jene Atmosphäre, wenn sich in der Dämmerung und zunehmenden Dunkelheit Ruhe und ein Hauch von Melancholie breit machen. So wie im schwedischen "Gammal fäbodpsalm", der von den jungen Sängerinnen und Sängern wunderbar schlicht, sanft und atmosphärisch stimmungsvoll vorgetragen wurde. Ähnlich schwang auch im "Sommarpslam" des Schweden Waldemar Ahlen, der in volkstümlichem Ton die Schönheit des Sommers beschwört, eine leise Wehmut mit. Eine meditative und verinnerlichte Wirkung hatte der Gesang in Arvo Pärts "Da pacem Domine", in dem der Chor durch Klangschichtungen einen schwerelos entrückten Höreindruck vermittelte. Auch in Psalmvertonungen beeindruckte die Junge Kantorei durch die Klarheit, Intonationssicherheit und Transparenz des Chorgesangs, fein nuancierte Dynamik und eine hervorragende Durchzeichnung der Stimmen. Besonders eindrücklich geriet die Interpretation des 130. Psalms des etwas in Vergessenheit geratenen Komponisten Heinrich Kaminski, der vom Hochrhein stammt. Mit kraftvollem Klang, tiefgründigem Ausdrucksgehalt und gesteigerter Intensität sang der Chor dieses flehentliche "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir". In Mendelssohns 100. Psalm "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" erklangen die Chorstimmen in jubilierender Strahlkraft und lichtvollem Aufschwung. Auch Weltliches des großen Romantikers Mendelssohn hatte die Junge Kantorei im Programm.

In den Marienhymnen "Salve Regina" und "Ave Maris Stella" von Josef Rheinberger erhoben sich die solistischen Sopranstimmen klar und glockenrein von der Empore herab: ein gefühlvoller, andächtiger Mariengesang, von dezenten Orgelklängen begleitet. Der Organist Casimir Schäfer bereicherte den Abend zusätzlich mit einem motorisch voller Elan gespielten Präludium und Fuge von Bach. Das komplexeste und stimmtechnisch schwierigste Chorwerk hatte sich die Junge Kantorei für den Schluss aufgehoben: Bachs Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden" BWV 230, vorzüglich gesungen in der Durchzeichnung des polyphonen Stimmengeflechts, mit einem prächtigen "Hallelujah".