Argerich/Babayan

KLASSIK: Unübertreffliche Einheit

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 14. April 2018

Klassik

Das Klavier ist, salopp gesagt, der Schäferhund unter den Instrumenten – es hat die vielseitigsten Begabungen. Wenn man den ersten Takten von Serge Babayans zwölfsätziger "Romeo und Julia"-Suite nach Sergej Prokofjew für zwei Klaviere lauscht, glaubt man, es mit einem dämonischen Schlaginstrument zu tun zu haben. Jedenfalls in der phänomenalen Einspielung des aus Armenien stammenden US-Pianisten zusammen mit Martha Argerich, etwa im Prolog, der Tybalts Tod vorwegnimmt. In die Akkorde legen die beiden Interpreten eine beispielhafte, fast bösartig zu nennende Brutalität. Die beiden Pianisten verschmelzen an zwei Flügeln zu unübertrefflicher Einheit. Und das gilt für alle Facetten von Prokofjews so farbiger Musik. In der Gavotte, die Babayan der Symphonie classique entlehnt hat, bestechen sie mit klassizistischer Koketterie, im Morgenständchen mit liebevoller Zärtlichkeit, da werden die Klaviere zu Streich(el)instrumenten. Das Duo Argerich-Babayan ist ein Glücksfall an künstlerischer Übereinstimmung und Ergänzung, das unterstreichen auch die übrigen Piècen, wie die elegante Polonaise aus dem Film "Pique Dame" oder der melancholische cis-Moll-Walzer. Superb.

Prokoviev for two: Martha Argerich, Sergei Babayan (DG). Albert-Konzert mit Martha Argerich, heute, Samstag, 14.4., 20 Uhr, Konzerthaus Freiburg.