Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. März 2015

Kleine Maus stoppt großen Damm

Das geplante und umstrittene Hochwasserrückhaltebecken wird von Günterstal Richtung Horben verschoben.

  1. Unterhalb von Horben soll nun der Damm des Rückhaltebeckens gebaut werden. Rechts ist der Ortsteil Bohrer mit der Abzweigung der Passstraße zum Schauinsland zu erkennen. Foto:  Markus Dold / Bearbeitung: Garten- und Tiefbauamt

  2. Klein, aber mächtig: die Haselmaus Foto: DPA

Das umstrittene Hochwasserrückhaltebecken im Stadtteil Günterstal mit einem 15 Meter hohen Damm wird jetzt doch nicht gebaut. Stattdessen soll eine Anlage in der Gemeinde Horben entstehen, außerdem wird das bestehende Rückhaltebecken "Breitmatte" aufgerüstet. Damit wird auch eine Bebauung des neuen Stadtteils Dietenbach möglich. Die Gesamtkosten liegen mit 10 bis 15 Millionen Euro höher als bei der bisher geplanten Variante. Kurios: Nicht die massiven Proteste der Bürger haben zum Umdenken geführt, sondern die Haselmaus, die dort lebt, wo der 15 Meter hohe Damm hinkommen sollte.

Aufatmen in Günterstal: Seitdem die Pläne für das Hochwasserrückhaltebecken bekannt geworden waren, stand Freiburgs kleinster Stadtteil geschlossen auf den Beinen. Ein 15 Meter hoher Damm direkt hinter den letzten Häusern von Günterstal würde die dort lebenden Menschen und die Landschaft massiv beeinträchtigen, so die einhellige Meinung. Sogar die Straße hätte für das Becken verlegt werden müssen. Bei einer Infoveranstaltung Ende 2013 warfen die Bürger den Verantwortlichen sogar Mauscheleien vor. Kritik kam auch aus dem Horbener Gemeinderat: Horbens Bürgermeister Markus Riesterer habe sich im Alleingang gegen einen Standort auf Horbener Gemarkung entschieden.

Werbung


Tatsächlich habe er zu Beginn der Diskussionen ein Hochwasserrückhaltebecken in Horben abgelehnt, sagte Riesterer gestern bei einer Pressekonferenz. Nachdem konkretere Pläne für das Becken hinter Günterstal bekannt geworden seien, habe es in Horben jedoch ein Umdenken gegeben. Die Auswirkungen auf das Landschaftsbild wären zu groß, meinte Riesterer.

Diese waren jedoch gar nicht der Grund für den Kurswechsel der Stadt Freiburg – und auch nicht die massiven Proteste der Bürger. "Wenn die Haselmaus nicht dazwischen gekommen wäre, hätten wir am Standort hinter Günterstal festgehalten", sagte Frank Uekermann, Leiter des städtischen Garten- und Tiefbauamts, auf Nachfrage der BZ. Schließlich seien schon knapp 100 000 Euro in die Planungen für das Günterstäler Becken geflossen.

Über diese Aussage zeigte sich Gerd Nostadt vom Ortsverein Günterstal nach der Pressekonferenz verärgert. Es sei nicht verständlich, dass das "Schutzgut Mensch" im Rathaus augenscheinlich weniger zähle als ein kleines Tier. Trotz alledem sei er aber sehr erleichtert über die jetzt gefundene Lösung, so Nostadt. Der Großteil des Wassers soll jetzt bereits in Horben abgefangen werden. Zwar muss auch dort ein 13 Meter hoher Damm gebaut werden. Dieser liegt jedoch nicht höher als die Straße. Richtung Horben versperrt zudem ein Nadelwald die Sicht. In dem entstehenden Becken können bei Bedarf bis zu 190 000 Kubikmeter Wasser gestaut werden. Die Anlage hinter Günterstal hätte eine Kapazität von 230 000 Kubikmetern Wasser gehabt. Die fehlenden 40 000 Kubikmeter wird das bestehende Rückhaltebecken auf der Breitmatte zwischen Wiehre und Günterstal abfedern. Es soll durch einen zwei Meter höheren Damm eine größere Kapazität bekommen. Optisch schätzt dies die Stadtverwaltung als unproblematisch ein.

Was die jetzt gefundene Lösung kosten wird, ist derzeit noch unklar, das Rathaus rechnet mit zehn bis 15 Millionen Euro, von denen ein Teil das Land übernehmen soll. Für die Anlage in Günterstal waren einmal sieben Millionen Euro im Gespräch, diese Angabe habe jedoch nur auf groben Schätzungen beruht, betont die Stadtverwaltung. Bis die Becken gebaut sind, wird allerdings noch viel Wasser den Bach hinunterfließen. "Frühestens 2020", so Uerkermann, sei mit der Fertigstellung zu rechnen.

Durch die neuen Anlagen wird auch der geplante Stadtteil Dietenbach so weit vor Hochwasser geschützt, dass dort gebaut werden könnte. Aktuell wäre dies nicht möglich, weil die Fläche in einer Überschwemmungszone liegt (die BZ berichtete). Hintergrund ist seit Ende 2013 ein neues Wassergesetz im Land. Außerdem haben die beiden Becken Einfluss auf die Stadtteile Günterstal, Wiehre, Haslach und Weingarten.

Autor: Jelka Louise Beule