Die sanfte Soulstimme für den Blues unserer Tage

Heiner Fabry

Von Heiner Fabry

Di, 08. Dezember 2009

Kleines Wiesental

Der US-amerikanische Sänger Big Daddy Wilson präsentiert bei seinem Auftritt in Wies den Blues in einem neuen Gewand

WIES. "Ausverkauft – kein Platz mehr frei", so tönte es schon vor dem Beginn des Blues-Konzerts von Big Daddy Wilson im Gasthaus zur Krone in Wies. Mit der Idee, hochwertige Konzerte in Verbindung mit einem Abend-Menü anzubieten haben die Wirtsleute Elisabeth und Henry Jelen eine neue Attraktion im Kleinen Wiesental geschaffen.

Spannungsvolle Erwartung herrschte in der Krone am Samstagabend. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Big Daddy Wilson alias Wilson Blount fesselte sein Publikum vom ersten Song an, riss die Zuhörer dann mit in seine Klangwelt des Südstaaten-Blues. Die Grenzen zwischen Akteuren und Zuhörern waren spätestens dann gebrochen, als Gäste spontan die Bühne enterten und in einer gewaltigen Jam-Session den Blues nach Wies holten.

Dass der Blues nichts mit Baumwollpflücker-Sentimentalität zu tun haben muss, stellte Wilson Blount von Beginn an klar. In seinen eigenen Kompositionen trägt er den Blues in die Gegenwart, und dabei wurde allen deutlich, dass die Grundstimmung des Blues zeitlos gültig ist. Mit einer sanften, souligen Stimme, die auch einmal jazzig röhren oder freudig jubeln kann, erzählte Blount vom Blues unserer Tage. Die Stimmung des Blues-Man, der ständig unterwegs ist und in die Heimat zurückgekehrt, diese Heimat nicht wieder erkennt oder von alten Bekannten nicht wieder erkannt wird (Stranger in my own Home Town), war ein Paradestück dieser Balladen. Und der Worksong aus seiner Frühzeit "Hard Days Work" aus der Arbeit im Bergwerk, als ein keuchender, erschöpfter Big Daddy Wilson den Refrain "I’m so tired" kaum mehr hervorbrachte, griff ans Herz. Bei schnelleren Titeln, wie dem "Texas Boogie Woogie" oder dem "Intercity Train" – "jeder Bluesman schreibt ein Stück über Züge", bekannte Wilson Blount – tanzten einige Zuhörer begeistert mit. Ist Wilson Blount selbst schon ein Erlebnis, so dürfen seine Begleitmusiker nicht unerwähnt bleiben. Jochen Bens und Michael van Merveky sorgten mit ihren Gitarren-Soli, mal gepicked, mal in Slide-Technik vorgetragen, eins ums andere Mal für tosenden Szenen-Applaus. Im zweiten Teil des Programms, zu vorgerückter Stunde, gab es dann auch für die Zuhörer kein Halten mehr. Malte Rösner ergänzte Big Daddy Wilsons Percussion kongenial auf dem Cajon, und Manuela Hartmann trug als Sängerin zu einem Blues-Abend der absoluten Extraklasse bei.

Elisabeth und Henry Jelen waren mindestens ebenso begeistert wie ihre Gäste. "Es war ein rundum gigantischer Erfolg", so Henry Jelen. Ein Erfolg, der die beiden ermutigt, aus dieser Premiere eine stehende Einrichtung zu machen. "Nach dem Start ist klar, wir machen mit dieser Konzertreihe weiter", bestätigt Henry Jelen. Weitere Formationen haben sich schon spontan gemeldet, um in Wies auftreten zu können.