Eine "ganz große Erfolgsgeschichte"

Heiner Fabry

Von Heiner Fabry

Sa, 18. November 2017

Kleines Wiesental

In Tegernau wurde das Nahwärmenetz feierlich eingeweiht / Zwei weitere Netze sollen in naher Zukunft folgen.

KLEINES WIESENTAL. Ganz Tegernau hat am Donnerstag die feierliche Einweihung des Nahwärmenetzes gefeiert. Mit musikalischer Umrahmung durch den Musikverein Tegernau, Bewirtung durch die Freiwillige Feuerwehr und starker Beteiligung durch die Bürger des Dorfes wurde das auf lokalen Holzhackschnitzeln basierende neue Heizsystem gebührend eingeweiht und gefeiert.

"Was hier auf Bürgerinitiative und mit großem Bürgerengagement geschaffen wurde, haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet", erklärte Daniel Weiß von der EWS Energie GmbH in seiner Ansprache. "Es ist eine ganz große Erfolgsgeschichte, auf die die Bürger Tegernaus stolz sein können und mit der Tegernau in der Region zu Recht als Beispiel angesehen werden kann."

Nach dem Projektstart im Jahr 2013, der auf Anregung von zwei Bürgern zustande kam, konnte dann im vergangenen Jahr das Nahwärmenetz, das von der Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH realisiert wurde, in Betrieb genommen werden, schilderte Bürgermeister Gerd Schönbett in der Beschreibung des Projektverlaufs. "Anfangs hatten wir gewisse Zweifel, ob ein solches Projekt überhaupt auf Interesse bei den Bürgern stößt, ob wir dieses Projekt finanzieren können und ob wir für ein Nahwärmenetz in Tegernau einen Investor finden", berichtete Gerd Schönbett. "Aber unsere Bürger haben uns mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem Weitblick überrascht. Ebenso wie unsere Partner im Kraftwerk und die optimale Kooperation mit dem Zweckverband Breitband des Landkreises und mit den beteiligten Bauunternehmen. Es ist ein rundum tolles Projekt geworden, das eine enorme Strahlkraft in der Gemeinde entwickelt hat", betonte Gerd Schönbett.

"Im Augenblick bereiten wir mit der EWS Energie GmbH zwei weitere Nahwärmenetze in der Gemeinde vor – in Wies und in Neuenweg – die im kommenden Jahr realisiert werden. Auch dort sind die Vorbereitungen wesentlich von engagierten Bürgern getragen und im Zusammenhang mit der Breitbandverlegung ermöglicht worden."

In seiner kurzen Andacht räumte Pfarrer Christian Rave zwar ein, dass es in der Bibel zwar nichts über Nahwärmenetze gebe, "aber es geht grundsätzlich um den Schöpfungsauftrag zum Bebauen und Bewahren der Erde", führte Pfarrer Rave aus. "Das Nahwärmenetz ist ein Beitrag dazu, nachhaltiger zu leben, die Ressourcen zu schonen und zu versuchen, dem zerstörerischen Klimawandel entgegenzuwirken. Die Bibel fordert uns auf zur Gemeinschaft. Veränderungen wie die mit dem Nahwärmenetz gelingen nur, wenn sich Menschen zusammentun und eine Aufgabe miteinander lösen." In einem Segensgebet bat Pfarrer Rave den Schöpfer: "Segne, was hier mit dem neuen Nahwärmenetz geschaffen wurde, damit es dem Wohl der Menschen in diesem Dorf dient und zur Bewahrung deiner Schöpfung beiträgt."

Daniel Weiß von der EWS Energie GmbH knüpfte in seiner Ansprache an die Ausführungen des Bürgermeisters an. "Als die Projektidee zuerst an mich herangetragen wurde, war ich sehr skeptisch. Aber die Mitglieder des Vereins Erneuerbare Energien Kleines Wiesental – allen voran Werner Schleith und Gerhard Pfeifer – haben den entscheidenden Anstoß gegeben." Waren zuerst die Eigentümer von rund 25 Häusern an einem Anschluss an das Netz interessiert, so sind nun 41 Häuser angeschlossen, von denen mehr als zwanzig jetzt schon Wärme beziehen. "An eine solche Erfolgsgeschichte haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht gedacht", so Daniel Weiß. "Und ohne den vorbildlichen Einsatz von Werner und Gerhard, die zu den Bürgern in Tegernau gegangen sind und Motivationsarbeit geleistet haben, hätte dieser Erfolg nicht erreicht werden können." Und Daniel Weiß überreichte für die Aktiven des "Energie-Vereins" ein Anerkennungspräsent.

Martin Halm, Geschäftsführer der Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH, erinnerte daran, was seit Gründung der Kraftwerk GmbH hat erreicht werden können. "Wir haben das Kraftwerk, das 2019 sein hundertjähriges Bestehen feiert, neu aufgestellt, haben ein neues größeres Druckrohr eingebaut und im vergangenen Jahr einen Überschuss von 90 000 Euro erwirtschaften können", führte Martin Halm aus. Und jetzt haben wir auch ein Nahwärmenetz bauen können", fuhr der Geschäftsführer fort und bedankte sich bei den Bürgern, die geduldig alle die Belastungen durch die Bauarbeiten ertragen hatten.