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15. November 2017

Für den Wald "an einem Strang ziehen"

Info-Veranstaltung der Forstbetriebsgemeinschaft Kleines Wiesental zeigt drei Zukunftsvarianten für die Waldbewirtschaftung.

  1. Die drei Forstbetriebsgemeinschaften des Landkreises wollen die Vermarktung in Zukunft eventuell bündeln. Foto: Archivfoto: Jung-Knoblich

KLEINES WIESENTAL. Vor allem der Sachstand in Sachen Kartellverfahren bei der Holzvermarktung dürfte die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) und andere interessierte Privatwaldbesitzer aus dem Raum Schopfheim bei der Info-Veranstaltung über die Holzmarktlage und zum Thema "Zukünftige Forstorganisation im Landkreis Lörrach" am Montagabend interessiert haben. Viel Neues erfuhren die Besucher allerdings vom Leiter der Lörracher Forstzentrale Thomas Unke in Niedertegernau nicht.

Wie Unke über das laufende Kartellverfahren in Sachen Holzvermarktung beziehungsweise forstbetriebliche Dienstleistungen berichtete, habe das Land Baden-Württemberg als Kläger den ersten Prozess in dieser Angelegenheit vor dem Oberlandesgericht gegen das beim Kartellamt "mit Pauken und Trompeten" verloren. Nun habe der Bundesgerichtshof das letzte Wort, wobei Thomas Unke wie sein Dienstherr, das Land, davon ausgeht, dass die Trauben auch dort ziemlich hoch hängen. Will heißen: "Auch vor dem BGH rechnet so gut wie jeder mit einer endgültigen Niederlage" im Streit um die Waldbewirtschaftung, die nicht länger konkurrenzlos von Amts wegen und damit begünstigt vom Land durchgeführt, sondern öffentlich ausgeschrieben werden soll. Konkret sei zwar noch nichts. Aber: Das Land habe Pläne, bis zum Frühjahr 2018 über einen Entwurf zu verfügen, der Fundament sein könnte für das neue Landeswaldgesetz. Und das, so Thomas Unke, sei Voraussetzung dafür, dass die Regelungen aus dem Kartellverfahren ab 1. Juli 2019 endgültig realisiert werden können.

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Aber auch beim Landkreis habe niemand die Hände in den Schoß gelegt. Mitarbeiter aus allen Forstdienststellen, aus den Kommunen und den FBGs griffen die Idee von Landrätin Marion Dammann auf, in einer "Arbeitsgemeinschaft Forstorganisation" eigene, für den Raum Lörrach praktikable und akzeptable Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die den Waldbesitzern die wohl unumgängliche Entscheidung für drei mögliche Wege in die Bewirtschaftungszukunft erleichtern sollen: Einmal die – nun aber – kostendeckende Betreuung nach bisherigem Muster aus einer Hand – dem Forst – mit dem Vorteil, dass alle bisherigen Forstreviere unverändert weiter bestehen. Zweitens eine auf der Einigung aller Kommunen basierende gemeinsame Ausschreibung aller öffentlich zu vergebenden Arbeiten mit der unteren Forstbehörde als Betreuungsdienstleister. Oder drittens – "wenn das rechtlich nicht möglich ist" – die Möglichkeit zur Selbstorganisation der Gemeinden, die in diesem Fall zwar eigene Forstbedienstete einstellen, aber gegen entsprechende Vergütungen auch auf das bisherige Personal des Landkreises zugreifen könnten.

Bis das alles soweit ist, wird noch eine Menge Wasser die Wiese hinunter fließen. "Es war interessant. Aber viele Fragen blieben doch weiter offen", verabschiedete der FBG-Vorsitzende Ernst Niefenthaler den Referenten. Sein Appell galt den Vertretern der Ortsteile und der Gemeinde, darauf hinzuwirken, dass die Waldbesitzer – ob privat, kommunal oder staatlich – am Ende "gemeinsam als schlagkräftige Organisation" an einem Strang ziehen für den Wald, der für die Menschen weit mehr sei als nur ein Holzlieferant. "Allein sind wir als Privatwaldbesitzer auf verlorenem Posten", befürchtet Niefenthaler.

Und zwar auch bei der Holzvermarktung, wie sich herausstellte, als Thomas Unke und FBG-Geschäftsführer Michael Meyer-Heisig deutlich zu machen versuchten, dass sich auch in den drei FBGs im Landkreis etwas bewegen müsse: "Wir empfehlen dringend, die drei Organisationen in Punkto Holzverkauf unter einem gemeinsamen Dach agieren zu lassen." Und zwar ohne an der Daseinsberechtigung der einzelnen FBG zu kratzen, die in ihrer sonstigen, traditionsbehafteten Arbeit keinesfalls behindert werden dürfe.

Autor: Hans-Jürgen Hege