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23. August 2013 16:19 Uhr

Der Nonnenmattweiher lockt viele Besucher

Still ruht dieser See nicht

Der Nonnenmattweiher gilt als eine der schönsten Naturattraktionen im Südschwarzwald und lockt viele Besucher. Die Beliebtheit des Sees hat aber auch seine Schattenseiten

  1. Familien wandern gern im Naturschutzgebiet rund um den Nonnenmattweiher Foto: Dirk Sattelberger

  2. Eine Fülle von Pflanzen charakterisiert die Landschaft Foto: Dirk Sattelberger

  3. Das Baden im See ist erlaubt Foto: Dirk Sattelberger

  4. Herrlicher Blick in die Landschaft Foto: Dirk Sattelberger

  5. Die Badebucht im Nonnenmattweiher ist ausgewiesen. Foto: Dirk Sattelberger

  6. Die Kehrseite der vielen Besucher: Achtlos weggeworfener Müll, wie diese Windel im Gras Foto: Dirk Sattelberger

  7. Weggeworfenes Plastik Foto: Dirk Sattelberger

  8. Zerstörte Bank an der Grillstelle Foto: Dirk Sattelberger

  9. Beliebt: Die Gaststätte in der Nähe des Nonnenmattweihers. Foto: Dirk Sattelberger

  10. Rosi Eichin von der Fischerhütte freut sich immer, wenn viel Betrieb herrscht Foto: Dirk Sattelberger

NEUENWEG/HEUBRONN. Der Nonnenmattweiher ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes: Er gilt als eine der schönsten Naturattraktionen im Südschwarzwald, er ist das vermutlich einzige Naturschutzgebiet im Ländle, in dem gebadet werden darf, und Biologen finden hier eine schwimmende Insel aus Torf, in der geschützte Arten ihre Wurzeln schlagen.

Die 24 Minuten lange Anfahrt aus Schopfheim hat sich gelohnt. Kaum aus dem Auto, steigt einem der verlockende Duft von Heu aus dem Tal und trockenem Nadelwald in die Nase. Die Sonne kitzelt auf der Haut, ist hier oben auf 915 Metern Höhe aber nicht so heiß wie in der Stadt. Noch wenige Schritte, und die Fischerhütte erquickt mit kalten Getränken, Kaffee und geräucherten Forellen, letzteres gilt als eine Spezialität der Fischerhütte von Wirt Werner Schwald. Die Einkehr heben sich viele Leute für den Schluss auf, nachdem sie am Nonnenmattweiher waren. Dort gehen sie spazieren. Oder baden. Oder angeln. Andere wandern weiter. Familien picknicken. Andere werfen den öffentlichen Grill oberhalb der Badebucht an. Manche führen ihren Hund am Seeufer und am Waldrand Gassi.

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Der See hat viele reizvolle Seiten und bietet jenen, die ihn kennen, eine eindrucksvolle Kulisse. Endlich in der Natur. Doch die Beliebtheit bei Erholungssuchenden hat auch ihre Schattenseiten. Sie werden sichtbar, wenn man sich etwas näher umsieht. Drei massive Holzbänke an der einzigen Grillstelle sind mit Gewalt aus ihrer Verankerung gerissen und machen die Benutzung unmöglich. Hier und da sieht man Abfälle, Plastikfolienreste oder eine halboffene Windel im Gras.

Der Naturschutzwart
Hartmut Heise ist alle paar Tage oben im Naturschutzgebiet Nonnenmattweiher, und das schon seit 15 Jahren. Er kennt jeden Baum und jeden Felsbrocken. Und die Ergebnisse der Wasserproben. "Bei der letzten Probe war die Wasserqualität mangelhaft", berichtet er. Den Grund sieht er neben dem dünnen Zufluss an Frischwasser an der Eutrophierung, also einer Überdüngung des Sees. Schuld könnten die Fäkalien der Menschen sein. Mehrere Hundert Menschen kommen an heißen Wochenenden zum Nonnenmattweiher; als Toilette dient der Wald.

"Der Waldrand ist voll mit Haufen", sagt Hartmut Heise. Aber wo sollen die Menschen auch hin? Die Fischerhütte gewährt allen Zutritt zu ihrem gepflegten Klo, doch von der Badebucht bis zur Fischerhütte läuft man schon mal 10 Minuten. Das ist vielen zu weit. "Man bräuchte hier eine Toilette, die sich in die Landschaft einschmiegt, und ans Abwassernetz angeschlossen ist", überlegt Heise. Vermutlich wird er dies dem Regierungspräsidium, in dessen Auftrag er am See nach dem Rechten sieht, empfehlen. Und der Vandalismus, dem die Holzbänke vor wenigen Tagen zum Opfer fielen? "Da müsste die Gemeinde schauen und die Bänke und Tische in Ordnung halten. Oder man baut sie ersatzlos ab", sagt Heise. "Wie sieht das denn aus, wenn hier Gäste kommen", fragt er rhetorisch.

Der Angler
Bei einem Rundgang treffen der Naturschutzwart und der Journalist auf einen Vater und seinen Sohn, die lässig am Nordufer ihre Angeln in den See geworfen haben. Es sind Wolfgang Kuttler und sein Sohn Björn aus Elbenschwand. Bis zu fünf Angler dürfen mit einer Tageskarte gleichzeitig angeln, alles ist also in Ordnung. Es entwickelt sich ein Gespräch über die Veränderungen am Nonnenmattweiher. Kuttler kommt seit fast 20 Jahren zum Angeln hierher. "Es werden von Jahr zu Jahr mehr Leute", sagt Kuttler zu Hartmut Heise. Der bestätigt den Eindruck des Anglers. Da zappelt etwas an der Angelschnur – ein Rotauge hat angebissen. Björn dreht an der Angelrolle und zieht den Fisch an Land. Trotz der vielen Besucher will Wolfgang Kuttler auch weiterhin hier angeln und entspannen. Seit der Umgestaltung vor zehn Jahren, als durch Baumfällungen der ursprüngliche Zustand des eiszeitlichen Sees hergestellt wurde, sei es hier oben noch schöner, findet der Angler.

Die Wirtin
Rosi Eichin ist seit drei Jahren in der Fischerhütte und bewirtet an der Seite von Werner Schwald die Gäste. Heute sind die beiden ganz schön auf Trab, vor der SB-Ausgabestelle hat sich eine Schlange von fünf Leuten gebildet. Sie wollen Kaffee, Kuchen, Bier, Limo, und zwei Forellen gehen auch weg. Heute floriert das Geschäft, doch den verregneten Mai und Juni, da ist sich Rosi Eichin sicher, holen sie umsatzmäßig trotzdem nicht mehr rein. Reich werden kann man hier sowieso nicht. Umso ärgerlicher ist es für die Gaststättenbetreiber, wenn die Naturschutzbehörden ihnen Steine in den Weg legen. Im Augenblick wird über einen Dachübersprung am Nebengebäude gestritten, der 1,5 Meter zu groß geraten sei. "Wir brauchen ihn aber für das Holz, das wir für den Winter lagern müssen. Das sind zehn Ster Holz, wo sollen die denn hin?", fragt Rosi Eichin. Sie findet den Naturschutz gut und geht zwei- bis dreimal die Woche am See entlang, um Unrat der Spaziergänger und Picknicker aufzusammeln. So bleibt die Landschaft schön. "Aber wenn man so behandelt wird, hat man darauf keine Lust mehr", sagt Rosi Eichin. Auch von der Gemeindeverwaltung fühlt sie sich vernachlässigt: Seit zwei Jahren warten sie und Schwald auf einen Wasseranschluss: "Alles liegt bereit, aber die Pumpe wird einfach nicht eingebaut", schimpft Rosi Eichin bei einer Tasse Kaffee im Freisitz. Im Augenblick gibt es nur Quellwasser, und das fließt so spärlich, dass unmöglich alle Menschen am See ihr Geschäft dort verrichten könnten. Die Schlange vor der Getränkeausgabe wird länger, sie eilt zurück in die Fischerhütte.

Die Hundebesitzer
Bei seinem Rundgang um den See stößt Hartmut Heise auf ein Paar Mitte 50, das seinen Hund zum Baden ins Wasser schickt. Das ist nun klar gegen die Regeln. Heise spricht das Paar an und sagt, dass dies nicht gehe. Er nimmt sich auch die Zeit, mit den Beiden auf die Gründe des Hundebadeverbots einzugehen. "Sie waren jetzt einsichtig", sagt Heise später über das Paar mit dem nassen Hund. Offenbar gibt es auch Uneinsichtige, die sich vom Naturschutzwart nichts sagen lassen. Und erst recht jene Leute, die nachts an den See fahren, Party machen und Gegenstände zerstören. Wenn man fragt, wer so etwas mache, heißt es: Bestimmt niemand von hier. Es ist schwer bis unmöglich, in der abgelegenen Gegend die Täter zu erwischen.

Wie geht es weiter?
Naturschutzwart Hartmut Heise möchte die Besucherströme besser an die Badebucht lenken und von den geschützten Stellen fernhalten. Und sie sollen dort ein WC vorfinden. Das und noch einiges mehr wird Heise an die oberen Naturschutzbehörden schreiben. Falls die Vorschläge umgesetzt werden, sollen die Interessen von Erholungssuchenden, Naturschützern und Gastwirten besser als heute unter einen Hut passen. "Der Nonnenmattweiher ist ein Juwel, das wir unseren Nachkommen erhalten sollen", sagt Heise. Wer wollte da widersprechen?

Autor: Dirk Sattelberger