Keine Schmähe gegen Schwaben

Valentin Gensch

Von Valentin Gensch

Fr, 12. Juli 2013

Kollektive

Fahnen Staeb stellt neben Flaggen auch badische Fanartikel her.

FREIBURG. Bei der Beantwortung der Frage, was schön sei an Baden, gerät Guido Staeb ins Schwärmen: "Es ist ein wunderschönes Land mit vielen Sehenswürdigkeiten, was politisch schon immer sehr fortschrittlich war und einen hohen Freizeitwert hat." Der 70-jährige Geschäftsmann ist ein waschechter Badener und kann auf einen Stammbaum blicken, an dessen Äste zahlreiche badische Vorfahren stehen. Kein Wunder, dass sich bei der Liebe zum Ländle auch beruflich einiges um den südwestlichen Landesteil Baden-Württembergs dreht.

"Angefangen hat damals alles 1986 in meiner Wohnung, als ich eine Handelsvertretung für Fahnen
übernahm",
erzählt Staeb.
Fahnen seien schon immer sein Hobby gewesen, weshalb er bald damit begann, zusammen mit einer Näherin selbst Fahnen zu produzieren. In Freiburg soll es damals einen Mitbewerber gegeben haben, der sich aber eher auf kirchliche Fahnen spezialisiert habe, sagt Staeb. Zudem seien Fahnen immer häufiger für Werbezwecke eingesetzt worden. Gründe, weshalb das Geschäft stetig wuchs.

Wenn Bundes- oder Staatspräsidenten in Südbaden zu Gast sind, internationale Sportveranstaltungen in der Region statt finden oder große Fernsehsendungen in Freiburg aufgezeichnet werden, wird auf das Fahnensortiment von
Staebs Firma zurückgegriffen. "Das Fahnengeschäft macht etwa 80 bis 90 Prozent des Umsatzes aus", klärt der Inhaber des Geschäfts auf. 10 bis 20 Prozent setze das Geschäft mit seinem zweiten Steckenpferd um: Badischen Fanartikeln.

Die Schaufenster des Ladengeschäfts in der Freiburger Elsässerstraße sind voll mit gelb-rot-gelben Artikeln. Neben Fahnen und Wimpeln sind Trinkgefäße, Feuerzeuge oder Hosenträger ausgestellt. Auf fast allen Produkten prangt in großen Lettern Baden, im Hintergrund das Landeswappen. Auf T-Shirts sind Sprüche wie "Badisch isch s’ Högscht wa mer werre ka" oder "Mit mir kammer badisch schwätze" zu lesen. Bis in die USA hat das Geschäft seine Fanartikel schon geschickt, der Großteil der Kunden komme aber aus der Region.

Wenn man Staeb auf Schwaben anspricht, zuckt er mit keiner Wimper. Lange habe er für eine schwäbische Firma gearbeitet, viele seiner Freunde kommen aus dem Nachbarland. Diplomatisch sagt er: "Badener haben eigentlich nichts gegen Schwaben. Probleme macht nur manchmal die Politik, wenn beispielsweise Institutionen in Stuttgart zentralisiert werden." Trotz aller Diplomatie lässt sich Staeb dann doch zu einem kleinen Seitenhieb hinreißen. Im Sortiment hat das Geschäft eine Landkarte, auf der die historischen Grenzen Badens eingezeichnet sind. "Damit auch die Schwaben wissen, wo die Grenze ist", gibt Staeb mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu. Trotzdem – beleidigende Sprüche kommen dem Inhaber nicht auf seine Fanartikel. Die Grenze dürfte der Spruch sein: "Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt."

Einige wenige schwäbische Artikel hat Fahnen Staeb im Sortiment. Es wären wohl mehr, doch die Nachfrage sei gering: "Schwaben tragen ihren Stolz weniger nach außen, sondern mehr nach innen." Anders als die Badener. Staeb ist das beste Beispiel. Sogar auf seinem weißen Polohemd prangt ein badisches Wappen.