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04. Januar 2016 00:53 Uhr

Unterm Strich

Darf der Christdemokrat Peter Tauber einen Kritiker "Arschloch" nennen?

CDU-Politiker Peter Tauber – als Generalsekretär so etwas wie die rechte Hand der Kanzlerin – hat einen 62-Jährigen auf Facebook als Arschloch bezeichnet. Stefan Hupka fragt sich nun: Muss ein Christdemokrat das nicht beichten?

  1. Peter Tauber Foto: dpa

Reibungshitze erreichte vor allem jene segensreiche Erfindung namens Facebook, ohne die wir nach Weihnachten und Silvester gar nicht wüssten, wie uns wieder warm ums Herz werden soll.

Also: Darf der CDU-Politiker Peter Tauber (41) – als Generalsekretär so etwas wie die rechte Hand seiner Vorsitzenden – auf Facebook einen Kritiker "Arschloch" nennen? Dieser, ein 62-Jähriger, der dem Facebook-Teilnehmer Tauber schon länger unangenehm aufgefallen war, etwa durch Hetze gegen Muslime, hatte dem Parteimanager jetzt folgende Fragen gestellt: "Verfügen Sie über nähere Informationen, wie lange die Kanzlerin schon unter Geisteskrankheit leidet? Wenn ja, wie lange lässt man Merkel noch Politik gegen das deutsche Volk machen?" Taubers einzige Antwort, die er mit einem Smiley garnierte: "Sie sind ein Arschloch".

Das kann man in der Tat so sehen. Doch wirft es drei Fragen auf: Muss ein Christdemokrat das nicht beichten? Hat er sich strafbar gemacht? Und unterschreibt die Kanzlerin diesen Ton? Also: Das mit der Beichte ist Privatsache. Juristisch wird die Lage schwieriger. Taubers grüner Kollege Joschka Fischer wurde 1984 bloß des Saales verwiesen, als er im Bundestag rief: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!" Das war vergleichsweise, wie man zubilligen muss, von ausgesuchter Höflichkeit.

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Andererseits hat ein SPD-Kollege Taubers, NRW-Innenminister Ralf Jäger, seinerseits einen Pegida-Grantler für ein "Arschloch" angezeigt: 13 320 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung. Sich selbst darf jeder ungestraft so nennen, etwa Boris Becker, der einmal bekannte: "In diesem Familiendrama war ich das Arschloch." Oder Gerhard Mayer-Vorfelder, der gern aus einem Schulhofgespräch zitierte: "Der Kultusminister isch ein Arschloch."

Aber was hält nun, drittens, die Kanzlerin von der Wortwahl ihres Knappen? Keine Chance: Sie wäre ja geisteskrank, wenn sie uns das verraten würde.

Autor: Stefan Hupka