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07. Oktober 2014

SPD-Bundestagsbageordneter

Johannes Fechner: Blitzkarriere eines Südbadeners

Der Emmendinger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner wird heute zum rechtspolitischen Sprecher der Fraktion gewählt.

  1. Johannes Fechner Foto: PRIVAT

Was für ein Start! Nach nur einem Jahr im Bundestag wird der Emmendinger Johannes Fechner am heutigen Dienstag zum rechtspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion gewählt. Er hat keine Gegenkandidaten, die Wahl gilt als sicher. Seine bisherige Vita wirkt eher bodenständig und deutete nicht darauf hin, dass er sich in Berlin so schnell durchsetzen würde. Grundschule in Emmendingen, Gymnasium in Emmendingen, Jurastudium in Freiburg, Referendariat in Offenburg, SPD-Stadtrat und -Kreisvorsitzender in Emmendingen.

Aber Fechner ist zielstrebig und hatte lange auf das Bundestags-Mandat hingearbeitet. 2004 hatte er mit der Partei vereinbart, dass er bereit ist, drei Mal im Wahlkreis für die SPD anzutreten, wenn die SPD ihm drei Mal die Chance gibt. Fechner konnte sich in dieser Zeit in der Landespartei einen Namen machen und bekam 2013 immerhin Platz 19 auf der Landesliste. Das reichte knapp für ein Mandat – 20 Abgeordnete entsendet die baden-württembergische SPD derzeit nach Berlin.

Es gibt zwar eine Anekdote, Fechner habe schon mit sieben Jahren erklärt, er wolle mal Bundeskanzler werden. "Als Kind habe ich mich aber mehr für Fußball interessiert als für Politik", stellt er nun klar. Konkret sprach er damals mit seinem Vater über das Endspiel der Fußball-EM 1980, das Deutschland gegen Belgien bestritt. Als der Vater sagte, man müsse schon Bundeskanzler sein, um jetzt noch kurzfristig Karten fürs Stadion zu bekommen, reagierte der kleine Johannes sofort und rief: "Dann will ich mal Bundeskanzler werden."

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Jetzt wird er immerhin schon mal rechtspolitischer Sprecher der Fraktion. Mit nur 41 Jahren. "Ich sehe das Angebot als Auszeichnung für gute Arbeit", sagt er selbstbewusst. Voraussetzung war allerdings eine Personalrochade in der SPD. Sein Vorgänger Burkhard Lischka wurde innenpolitischer Sprecher, nachdem Michael Hartmann sein Amt niederlegen musste – weil er mit der Modedroge Crystal Meth erwischt wurde.

Mit Justizminister Heiko Maas arbeitet Fechner gerne zusammen. "Ich schätze seine unaufgeregte, sachliche Art." Zwar hat er bei einem SPD-Minister als SPD-Sprecher weniger Profilierungsmöglichkeiten, aber dafür ist der Zugang zum Ministerium besser. "Ich kann so gut mitgestalten", freut sich Fechner.

Seine erste große Bewährungsprobe wird ein umstrittener Gesetzentwurf darstellen, den Maas nach der Nacktbilder-Affäre des SPD-Innenpolitikers Sebastian Edathy auf den Weg brachte. Mit bis zu zwei Jahren Haft sollen unbefugte Nacktbilder anderer Menschen bestraft werden. Ebenso Fotos, die geeignet sind, dem Ansehen der Abgebildeten erheblich zu schaden. Nächste Woche wird der Rechtsausschuss Experten dazu anhören. "Dann werden wir den Gesetzentwurf bei Bedarf so präzisieren, dass sich Eltern, die ihre Kinder im Planschbecken fotografieren, eindeutig nicht strafbar machen", erklärte Fechner. Auch Presse-Fotografen, die Politiker in verfänglichen Situationen ablichten, sollen keine Angst vor Strafe haben müssen.

Großes Interesse weckt bei Fechner auch das geplante Doping-Gesetz. Erstmals sollen Spitzensportler, die beim sportlichen Betrug erwischt werden, strafrechtlich sanktioniert werden. In den nächsten zwei Wochen will Maas einen Gesetzentwurf veröffentlichen. Fechner wird das Vorhaben intensiv begleiten, zumal in Freiburg die Doping-Problematik wegen der früheren Vorgänge in der Sportmedizin der Uni-Klinik von besonderem Interesse ist. Fechner findet es richtig, dass sich das Gesetz zunächst auf Spitzensportler beschränkt: "Das ist der richtige Einstieg und ein gutes Signal."

Fechner arbeitet neben seiner Abgeordnetentätigkeit immer noch etwas als Anwalt. "Das sichert meine Unabhängigkeit und den Kontakt zur Rechtswirklichkeit." Rund ein Fünftel seiner Arbeitszeit von wöchentlich 90 Stunden widme er dem alten Beruf. Trotzdem geht er nachmittags auch gerne mal mit den beiden Kindern (acht und elf Jahre alt) ins Hallenbad oder auf den Bolzplatz. Dafür muss er dann bis in die Nacht arbeiten. Verheiratet ist Fechner mit einer Ärztin. Die gute Betreuungssituation in Emmendingen und engagierte Großeltern ermöglichen dem jungen Paar die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Autor: Christian Rath