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16. August 2010

Tagesspiegel

Pakistan: Ein Gebot der Menschlichkeit

Hilfsbereitschaft kann man nicht verordnen. Sie ist Angelegenheit des Herzens oder des Bauches. Und letzterer scheint im Fall Pakistan bei vielen zu grummeln. Die Lust zu spenden ist beschämend gering und das hat nicht nur etwas mit der Urlaubszeit zu tun. Auch nicht allein damit, dass man derzeit gefühlt der halben Welt helfen müsste. Viele fragen sich offenbar: Soll man ein Land unterstützen, das von korrupten Eliten regiert wird und in dem Islamisten und Terroristen immer mehr an Einfluss gewinnen? Man muss. Denn man hilft nicht dem Land oder seiner Regierung, sondern den Menschen. Viele Millionen Pakistani sind derzeit ohne Dach über dem Kopf, ohne Nahrung und ohne medizinische Betreuung einem Hochwasser ausgesetzt, gegenüber dem die hier bekannten Fluten Rinnsale sind. Die ersten Kinder sind verhungert, Seuchen breiten sich aus. Die Lage ist so dramatisch, dass sich taktische Überlegungen schlicht verbieten. Maßstab kann nur die Menschlichkeit sein. Die internationalen Hilfsorganisationen sind zudem so professionell und erfahren, dass sie mit schwierigsten Situationen fertig werden können. Auch Haiti, das den Deutschen viele Spendenmillionen wert war, ist ein zutiefst korruptes Land mit einem nur mäßig funktionierenden Staat. Schließlich, wenn man rational entscheidet, muss man Pakistan erst recht helfen. Je tiefer das Land im Elend versinkt, desto leichter wird es eine Beute für die Taliban. Es spricht also alles dafür, Pakistan rasch und großzügig zu unterstützen.

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Autor: Thomas Hauser