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20. Mai 2011

Unterm Strich

Sexparty in Budapest: Belohnung für die Spitzenleute

Wie es bei der Hamburg-Mannheimer mal so richtig krachte / Von Niklas Arnegger.

Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer ist nach 35 Dienstjahren ja nun auch in Rente. Freigesetzt – sein Arbeitgeber ist inzwischen in der Ergo-Gruppe aufgegangen. Bis dahin spielte Herr Kaiser in den Werbespots die Vertrauensperson der Hamburg-Mannheimer: "Einer meiner 25 000 Kollegen ist immer für sie da." Von diesen 25 000 Kollegen durften im Sommer 2007 nur einige Dutzend mit nach Budapest. Die Versicherung hatte dort Vorstände und Spitzenvertreter in die Gellert-Therme eingeladen, welche aus diesem Anlass in ein Bordell verwandelt wurde. Das Handelsblatt, prinzipiell so trocken wie seine Kurstabellen, hat jetzt darüber detailliert berichtet. Die Damen trugen Bändchen, und die mit den weißen waren "reserviert für die Vorstände und die Besten der Besten aus der Vertriebsgruppe, intern die ,Top-Five-Mitglieder‘ genannt." Rechts und links standen blickgeschützt Himmelbetten, die spitzen Vertreter standen Schlange, und die Damen hätten danach jeweils einen Stempel auf den Arm bekommen. Ergo hat – scham- und, wollen wir hoffen, auch zornesrot – das meiste bestätigt.

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In den Internetforen sind dazu nun hochqualifizierte Beiträge zu lesen ("paar Verklemmte regen sich jetzt wieder auf", "machen doch alle"). Bei Ergo aber sind sie wenigstens die Sorge los, dass diese Versicherung bisher kein Mensch kannte. Aber eine Sorge, die Vorstandschef Torsten Oletzky neulich äußerte, hat sie immer noch an der Backe: "Versicherer haben als Branche ein schwieriges Image." Gut beobachtet. Aber warum wohl?

Vielleicht, weil die ganzen verzweifelten Bemühungen des Gewerbes samt die Herrn Kaisers um Vertrauen und Seriosität eitel sind und ein Haschen nach Wind, wie es in der Bibel heißt? Immerhin trägt die Geschichte zur Aufklärung der Öffentlichkeit bei: Die Kunden wissen nun genauer, warum Frauen in manchen Spitzenpositionen eine rare Spezies sind. Und warum die Überschussbeteiligungen in den vergangenen Jahren eher bescheiden ausfielen. So hat halt alles sein Gutes.

Autor: arn