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06. November 2012

Unterm Strich

Sich bloß keinen Namen machen

In Berlin versuchen Polizeibeamte, ein Namensschild zu vermeiden / Von Katja Bauer.

Wenn es nach Berlins Polizisten ginge, dann könnte eigentlich immer Sommer sein. Dann nämlich können sie sich auf eine Ausnahmeregel berufen. Wer schwitzt, der trägt T-Shirt statt Einsatzjacke. Das hat nicht nur olfaktorische Vorteile. Das T-Shirt verfügt – anders als andere Uniformbestandteile – nicht über eine seit kurzem obligatorische, sogenannte Flauschfläche. Diese – klein, eckig und auf der linken Brustseite angebracht – dient dazu, ein Klett-Namens- oder Nummernschild auf dem Einsatzanzug zu befestigen. Seit vergangenem Jahr gilt für Berliner Ordnungshüter eine Kennzeichnungspflicht. Was in den meisten Ländern Europas üblich ist, führt in Deutschland seit Jahrzehnten zu Diskussionen. Berlin war Vorreiter mit seiner Regelung. Mittlerweile folgen andere Bundesländer. Viele Polizisten kritisieren das, wollen nicht erkennbar sein und fürchten die Gefährdung ihrer Familien. Dennoch: Nichttragen ist in Berlin ein Dienstvergehen.

Nun versuchen manche offenbar, das Schildchen durch die Ausnahmeregelungen zu vermeiden. Die Piratenfraktion dokumentierte in einer Fotoserie für den Innenausschuss, wie das aussehen kann. Bei einer NPD-Demonstration am Potsdamer Platz im Juni sind ausschließlich Beamte im T-Shirt zu sehen – neben ihren von der Kennzeichnungspflicht ausgenommenen Kollegen der Bundespolizei in regulärer Montur. Auch bei der Räumung eines besetzten Hauses ist ein Einsatzzug in Shirt und Weste, aber ohne Kennzeichnung unterwegs. Eine weitere Ausnahme gilt für Versorgungseinheiten – Polizisten, die am Rande stehen. Dass solche Einheiten bei Bedarf ins Geschehen eingreifen, ist aber üblich.

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Als Grund für die fehlende Flauschfläche auf T-Shirts gab die Innenverwaltung die Kosten an. Nun solle geprüft werden, inwieweit nachgerüstet werden könne. Dazu machte der Abgeordnete Christopher Lauer von der Piratenfraktion einen konstruktiven Vorschlag: "Wir können ja einen Experten zu der Frage einladen, wie man Dinge auf Dingen befestigt."

Autor: Katja Bauer