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04. Juni 2011

Griechische Schuldenkrise

Tagesspiegel: Europäische Odyssee

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Diese Stoßseufzer werden mit jeder Zuspitzung des Athener Schuldendramas lauter – in Griechenland und in der Europäischen Union. Dahinter verbirgt sich die Sehnsucht, aus der Tristesse des Alltages in eine Traumwelt zu entfliehen. Wobei man tunlichst ausblendet, dass dort ein Albtraum warten dürfte. Nein, Griechenland und die Europäische Union wurden durch eigene Verfehlungen auf eine moderne Odyssee gezwungen. Keiner weiß, wie lange die Irrfahrt dauert. Und es gibt keine Garantie, dass beide beim Versuch, die maroden griechischen Staatsfinanzen zu sanieren und den Euro zu retten, alle Herausforderungen siegreich bestehen werden. Aber, im Gegensatz zu den bislang diskutierten Alternativen, besteht immerhin eine Chance. Zu meistern ist dabei ein Balanceakt mit vielen Wackelkandidaten. Staat, Wirtschaft, Banken und Gesellschaft in Griechenland müssen durch eine Zerreißprobe, ohne sich im Chaos zu zerstören. Jedes Sparpaket erhöht die Gefahr. Die EZB hat Lasten zu schultern, an denen der Euro zerbrechen könnte. Und die Währungsunion muss sich gegen wachsende Zentrifugalkräfte stemmen, weil sich immer mehr Mitglieder aus der erzwungenen Solidarität in die vermeintliche Idylle des Nationalstaates zurücksehnen. Dagegen stehen das Prinzip Hoffnung und der gute Wille. Aber die können Berge versetzen. Zumal dann, wenn die Alternative das sichere Scheitern ist.

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Autor: Thomas Hauser