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09. Januar 2015

Komplimente und Lobeshymnen

Die in Basel lebende Pianistin Susanne Lang wurde bei ihrem Konzert in Ettenheim von den Musikfreunden gefeiert.

  1. Susanne Lang gastierte im Bürgersaal. Foto: olaf michel

ETTENHEIM. Die Musikfreunde Ettenheim sind dafür bekannt, dass sie gerne außergewöhnliche Konzerte in der Stadt organisieren. So war es auch am frühen Sonntagabend im Bürgersaal. Dort spielte die in Basel lebende Pianistin Susanne Lang.

"Phantastisch", "Unglaublich" und "Bravissimo" waren nur ein paar Komplimente und Lobeshymnen, die die 1986 in Speyer geborene Künstlerin während der Pause zu hören bekam. Begeisterten Applaus erhielt sie schon während ihrer Darbietung am Flügel, das Klatschen zum Schluss kann nur tosend genannt werden.

Dass sich da eine Ausnahmekünstlerin angekündigt hatte, war schon im Vorfeld des Konzerts klar. Viele Musikbegeisterte wollten sich dieses Musikereignis nicht entgehen lassen. Nur wenige Stühle waren im Bürgersaal freigeblieben, als Vorstandsmitglied Urte Lucht die Besucherinnen und Besucher begrüßte. Sie wurden über gut zwei Stunden von einem Klassikgenuss besonderer Art verwöhnt. Nicht umsonst wird Susanne Lang von Kritikern für ihre klar formulierte Klangsprache und die überwältigende Farbigkeit des Ausdrucks gerühmt, zu der eine brillante technische Fertigkeit hinzukommt. Wie unterschiedlich ihr Spiel ist, zeigte sich an der Auswahl der Komponisten. Der Einstieg war mit den "Vier Impromptus" von Franz Schubert, die dieser im Winter 1827 geschrieben hat. Was zähle, seien Stimmungen, Farben und melodische Einfälle, heißt es in einer Beschreibung. Daran hat sich Lang, die bereits etliche Preise einheimsen konnte, gehalten. Im freien Spiel schuf sie Stimmungsbilder, die von ernst-träumerisch, ruhig-melancholisch und heiter-vergnügt reichten. Einen Kontrast dazu brachte sie danach mit einer Sonate von Evgenij Ottowitsch Gunst, einem Zeitgenossen von Sergej Rachmaninow und Alexander Skrijabin. Gunsts Schaffen war lange Zeit vergessen, erst 2009 fanden sich seine Schätze im Musikarchiv der Universität Basel wieder. Leichthändig und elegant meisterte Susanne Lang Tonleitern und Dissonanzen des Stücks mit seinen dunklen und schwermütigen Anklängen, die von heftigen Gefühlsregungen zeugen.

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Ausdrucksstarkes und rasantes Spiel

Bei Liszts Rigoletto-Paraphrase begeisterte sie mit einem rasanten und ausdrucksstarken Spiel, bei dem die Finger nur so über die Tasten flogen. "Am Seegestade – eine Erinnerung an Schweden" lautet der Titel eines Werks von Bedrich Smetana. Ihm folgten die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski. Den Klavierzyklus komponierte er 1874. Auch hier brillierte Susanne Lang, die ihre Ausbildung an der Musikhochschule Mannheim und in der Meisterklasse von Rudolf Buchbinder an der Musikhochschule Basel absolvierte und mit Auszeichnung abschloss. Mit ihrem Spiel ließ sie Bilder von Spaziergängen, dem Anblick eines alten Schlosses, den Gang in Limoges über einen Markt mit seinen lebhaften Szenen und der Atmosphäre einer Totenstätte in den Katakomben entstehen.

Autor: Irene Bär