Engagement

Der Verein "Kinderherzen retten" engagiert sich für Kinder aus armen Ländern, die an der Uniklinik operiert werden

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Di, 12. Dezember 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Schüchtern lächelt Murtadha Salman in die Kamera – was kein Wunder ist für einen zwölfjährigen Jungen, der von mehreren resoluten Damen umringt wird, die aus ihrer Dankbarkeit keinen Hehl machen. Wäre nicht die Kanüle in Murtadhas rechter Hand und der Umstand, dass der Ort des Fototermins ein Spielzimmer in Uni-Kinderklinik Freiburg ist, käme ein Außenstehender kaum auf den Gedanken, dass der Junge aus dem Irak vor kurzem eine schwere Operation überstanden hat. Murtadha hat in Freiburg eine neue biologische Herzklappe bekommen.

Dieser Eingriff hat ihm das Leben gerettet. Murtadha Salman ist kein Einzelfall, und das ist dem Verein Kinderherzen retten zu verdanken, der dafür sorgt, dass Kindern aus Ländern, in denen die medizinische Versorgung noch nicht weit genug fortgeschritten ist, um angeborene Herzfehler zu behandeln, in Freiburg geholfen werden kann. 2002 wurde der heute rund 165 Mitglieder zählende Verein auf Initiative des Ärztlichen Direktors der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im Universitäts-Herzzentrum, Friedhelm Beyersdorf, gegründet. Treibende Kraft waren auch dankbare Eltern, deren Kinder mit einem angeborenen Herzfehler erfolgreich an der Uniklinik behandelt wurden. Solche Eingriffe – die in Deutschland in mit Personal und Technik ausgestatteten Herzzentren Standard sind – sollten auch jungen Patienten aus Ländern zugutekommen, wo derartige Voraussetzungen fehlen. Das ist der Leitgedanke von Kinderherzen retten.

Inzwischen sind mehr als 200 Kinder vom Säuglingsalter bis zu 17 Jahren mit Unterstützung des Vereins operiert worden. Sie kommen aus Afghanistan, der Mongolei, dem Irak, Syrien oder El Salvador, um nur einige Länder zu nennen. Anfragen kommen fast wöchentlich, berichtet Claudia Lackermaier, die im Sekretariat der Chirurgie der angeborenen Herzfehler arbeitet und für Kinderherzen retten die Administration übernimmt.

Die Auswahl der Patienten ist eine entscheidende und verantwortungsvolle Aufgabe. Damit Kinderherzen retten in Aktion tritt, müssen vor allem zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss der Herzfehler so schwer sein, dass er das Leben des Kindes gefährdet. Andererseits muss gewährleistet sein, dass er sich mit einer einzigen Operation erfolgreich korrigieren lässt und im Heimatland des Patienten keine aufwändige Nachbehandlung nötig ist. So hart, wie es zunächst klingt: Kindern die Unterstützung von Kinderherzen retten angedeihen zu lassen, ohne dass es eine günstige Prognose für das Weiterleben zu Hause gibt, würde die begrenzten Ressourcen des Vereins ohne nachhaltigen Effekt verbrauchen.

Mit den Kräften kehrt die Lebensfreude zurück

So aber macht die Hilfe wirklich Sinn: Denn so aufwändig und kompliziert die Operationen an den jungen Herzen sind, so schnell zeitigen sie dann aber auch – meist durchgreifende – Erfolge. Der durch den Herzfehler verursachte Sauerstoffmangel im Blut, der selbst kleinste Anstrengungen stark erschwert oder gar unmöglich macht, ist behoben. Die Patienten erholen sich sehr rasch, und mit den körperlichen Kräften kehrt auch die Lebensfreude zurück – bei den jungen Patienten selbst und in ihren Familien.

In der Regel sind nach einer gelungenen OP keine größeren Einschränkungen für die weiteren Jahre zu erwarten. "Unsere Patienten können ein ganz normales Leben führen", sagt Brigitte Stiller, Ärztliche Direktorin der Klinik für angeborene Herzfehler. Stiller kümmert sich gemeinsam mit Johannes Kroll, der auch Vizevorsitzender des Vereins Kinderherzen retten ist, um die medizinische Betreuung – was mit der Sichtung der ersten Unterlagen der Patienten beginnt und über die eigentliche OP bis zur Nachbetreuung führt. Die enge Verzahnung von Pädiatrischer Kardiologie und Kinderherzchirurgie sei maßgeblich für den Erfolg der Behandlungen, betont Stiller.

Die Kinder, meist in Begleitung ihrer Mütter, manchmal auch Großmütter, sind im Regelfall für vier Wochen in Deutschland – zwei davon in der Uniklinik, die restliche Zeit in Gastfamilien. Von denen könne man übrigens noch mehr gebrauchen, am besten solche, die die Sprache der Gäste sprechen, merkt Josephine Fuchs, seit 2007 Vereinsvorsitzende, an.

Die Seniorchefin des renommierten Hotels Spielweg in Münstertal hat Kinderherzen retten unübersehbar zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht. Engagiert und bestens vernetzt lässt Fuchs kaum jemanden aus den Fängen, den sie in den Dienst der guten Sache eingespannt hat. Unter ihrer Federführung werden Benefizkonzerte und andere Veranstaltungen wie eine Gala von Kochazubis organisiert. Die Vereins-Homepage listet eine stattliche Anzahl an Sponsoren. Spenden kommen häufig von Angehörigen deutscher Patienten, Privatleute sammeln bei Geburtstags-, Firmen bei Unternehmensfeiern, hin und wieder wird Kinderherzen retten in einem Testament bedacht.

Naturgemäß ist der Kostenaufwand dieses Engagements der besonderen Art beträchtlich. Genaue Zahlen wollen die Verantwortlichen nicht nennen. Doch bei allen Bemühungen, die Hilfe möglich effizient und günstig zu organisieren, ist eine höhere vierstellige, manchmal sogar fünfstellige Summe im Spiel. Unbezahlbar ist indes das Ergebnis dieses Einsatzes: Kinder wie Murtadha Salman, deren Leben ein zweites Mal beginnen kann.

Kinderherzen retten e.V., Kontakt über Claudia Lackermaier, Tel. 0761/27027710 , E-Mail: claudia.lackermaier@universitaets-herzzentrum.de. Infos im Internet unter http://www.kinderherzen-retten.de