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13. Oktober 2009

Ein Leben wie auf der Achterbahn

Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen – die gemeindepsychiatrischen Dienste im Landkreis versuchen zu helfen.

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD/FREIBURG. Viele psychisch kranke Menschen sind gleich doppelt belastet. Neben ihrer Beeinträchtigung durch die Krankheit, müssen sie auch gegen viele Vorurteile aus der Bevölkerung kämpfen. Um die Leiden von Menschen mit schweren Depressionen und Persönlichkeitsstörungen zu informieren, veranstalteten die gemeindepsychiatrischen Dienste des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald nun einen Info-Tag anlässlich des alljährlich stattfindenden Welttages für die seelische Gesundheit.

Für Bettina Rehmann (Name geändert) ist das morgendliche Aufstehen eine Qual. Seit 2006 leidet sie an den Auswirkungen einer schweren depressiven Störung, die sich ständig mit euphorischen, manisch genannten, Phasen abwechselt. Ein Leben wie auf der Achterbahn.

Dass sie dennoch ein fast normales Leben führen kann, verdankt sie auch den gemeindepsychiatrischen Diensten von Diakonie und Caritas. Denn seit einiger Zeit lebt sie nun in einer von ihnen betreutet Wohngemeinschaft und fährt täglich in eine Tagesstätte nach Hinterzarten. "Ich hab mich da anfangs schon sehr gesträubt, aber hab dann auch gemerkt, dass es mir hilft", erklärt sie. Denn dort sei sie unter Menschen und habe eine feste Tagesstruktur. Sechs Stunden am Tag verbringt sie mit gemeinsamen Spielen, Kochen oder Singen. Und da es auch ein Sofa gibt, könne man auch einfach einmal ausspannen.

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"Wir wollen, dass die Menschen so selbstständig wie möglich leben können", betont Ulrich Rapp von der Caritas. Mit Dienststellen in Kirchzarten, Bad Krozingen, Hinterzarten, Neustadt und Müllheim sind die gemeindepsychiatrischen Dienste im Freiburger Umland aufgestellt und bieten verschiedene Hilfsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen an.

Neben den Tagesstätten und dem betreuten Wohnen gibt es auch die Beratungsstellen, an die die Betroffenen sich wenden können. Dabei gehe es aber nicht in erster Linie um eine Therapie. Es sind keine Ärzte oder Psychologen, die in den gemeindepsychiatrischen Diensten beschäftigt sind, sondern Sozialarbeiter und Diplompädagogen.

Mit den Ärzten sei man aber in Kontakt, betont Martina Klein von der Diakonie. "Wir wollen die Patienten möglichst engmaschig betreuen". Denn oft kommen mit den psychischen Erkrankungen noch andere Probleme einher: Arbeitslosigkeit, Suchtproblematiken, Probleme in einer Partnerschaft. Nur ein multipler Betreuungsansatz könne da erfolgreich sein, sagt sie.

Sogar mehrtägige Freizeiten am Mittelmeer gehören dazu. Ich bin immer ganz perplex, wenn ich die Augen der Menschen sehe, nachdem sie zum ersten mal in ihrem Leben im Meer gebadet haben", erklärt Klein. Doch auch hier in der Region gehören Sport und Bewegung zum Programm. Mit Nordic Walking habe man beispielsweise gute Erfahrungen gesammelt.

Die Anforderungen an die Dienste werden immer vielfältiger, was allein schon an der rapiden Zunahme psychischer Erkrankungen liegt. "In der Beratungsstelle in Bad Krozingen hat sich die Zahl der Patienten in zwei Jahren fast verdoppelt", erklärt Rapp. Insbesondere die Depressionen seien längst zur Volkskrankheit aufgestiegen. Dennoch seien sie in der Bevölkerung oft nicht anerkannt und viele Patienten würden als faul oder arbeitsunwillig dargestellt.

"Wir wollen mit diesem Info-Tag einfach auf dieses Stigma aufmerksam machen und dafür sorgen, dass psychische Krankheiten ganz normale Erkrankungen sind", betont Rapp. Nur durch Enttabuisierung und Aufklärung könne man gegen dieses negative Bild ankämpfen.

Autor: Michael Saurer