Ein Netzwerk, viele Nutzer

Sabine Model

Von Sabine Model

Mi, 11. März 2015

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Neues Bündnis im Landkreis nimmt Arbeitnehmer in den Fokus.

BAD KROZINGEN. Arbeitgeber entdecken zunehmend die Notwendigkeit, ihre Attraktivität zu steigern, um Fachkräftemangel auszugleichen und gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen langfristig zu binden. Vor diesem Hintergrund haben in der Region Südlicher Breisgau neun Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Gesundheit, Pflege, Bildung und Kirche das "Breisgauer Netzwerk – Mitarbeiter im Fokus" gegründet und den offiziellen Startschuss für die Zusammenarbeit gegeben. Es geht um lebensphasenorientierte Personalarbeit, flexible Arbeitszeit, Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle.

Seit 2007 bilden sich branchenübergreifende Bündnisse im Kreis und nutzen Synergieeffekte, schickte Annette Herlt von der Wirtschaftsförderung im Landratsamt voraus. Geschmiedet werden die Kooperationen in Werkstätten, die bedarfsorientierte Wünsche aufgreifen und Grundlagen für regionale Kooperationsprozesse schaffen. Im Markgräflerland entstand so der Verbund "Familienfreundliche Unternehmen", in Bad Krozingen die "Ferienbetreuung" sowie in Titisee-Neustadt "Berufsorientierung und Ferienbetreuung". Den Impuls für das neue Netzwerk lieferte 2014 die drängende Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege (die BZ berichtete). In vielen Firmen steht das Thema an, weshalb es als erstes mit Unterstützung des Arbeitskreises Elder care in verschiedenen Veranstaltungen behandelt werden soll.

Zusammengeschlossen haben sich dazu das Staufener Altenpflegeheim St. Margareten, die Firma Benninger Automation aus Zell im Wiesental, das Bildungshaus Kloster St. Ulrich, die Karl Dischinger Logistikdienstleister GmbH in Ehrenkirchen, die Sozialstationen Mittlerer und Südlicher Breisgau, die Städte Bad Krozingen und Staufen sowie das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Sie alle wollen von der partnerschaftlichen Vielfalt profitieren, Mehrwerte für Mitarbeiter generieren, ihren Bedürfnissen gerecht werden und den demografischen Herausforderungen angemessen begegnen.

Während man sich auf die Ankunft eines Kindes vorbereiten kann, treten Pflegesituationen meist von heute auf morgen ein – sie werden oft ganz schnell akut. Hinzu kommt, dass pflegebedürftige Angehörige immer noch ein Tabuthema in der Arbeitswelt sind. Das soll sich durch die Zusammenarbeit ändern und durch die Kooperationspartner nach außen strahlen. Die Veranstaltungsreihe wird am 21. April im Bildungshaus Kloster St. Ulrich mit Informationen zu Pflegebedürftigkeit und rechtlicher Vorsorge eröffnet. Allerdings, betonte Annette Herlt, gebe es nicht das Konzept schlechthin, sondern in jedem Betrieb individuelle Lösungen. Klare Aufgabenteilung innerhalb der Kooperation und selbstverpflichtende Strukturen sollen motivieren, eigene Konzepte zu erarbeiten. "Das lohnt sich", wie Herlt bei der Auftaktveranstaltung sagte. Immerhin weiß man, dass 80 Prozent der pflegenden Angehörigen berufstätig sind und 54 Prozent der Arbeitnehmer einen gleitenden Übergang in die Rente wünschen.

Kerstin Sacherer, Personalverantwortliche beim Logistikunternehmen Dischinger, ist erleichtert, sich mit Menschen anderer Branchen und Strukturen zu gleichen Themen und Herausforderungen auszutauschen zu können. Das schütze vor Betriebsblindheit, fördere zielorientierte Kreativität und gegenseitiges Lernen. Die Möglichkeit, Praxisbeispiele auszutauschen und umzusetzen, animierte die Stadt Bad Krozingen mitzumachen. Die Mitarbeiter als das kostbarste Vermögen, war für das Altenpflegeheim St. Margareten die Motivation. Innovative Impulse sowie Entlastung und Unterstützung in gemeinsamen Handlungsfeldern erwartet die Stadt Staufen von einer Beteiligung. Durch Synergien noch familienfreundlicher und zukunftsorientierter zu werden, erhoffte sich die Sozialstation Mittlerer Breisgau. "Unsere Mitarbeiter haben mehr als nur das Gewöhnliche verdient", betonte Waltraud Kannen von der Sozialstation Südlicher Breisgau. "Im Verbund hoffe ich auf Multiplikation statt Addition." Netzwerke sind Gold wert, so die Vertreterin der Benninger Automation GmbH: Durch sie ließen sich Aufgaben und Herausforderungen besser meistern. Als Bildungsbetrieb möchte das Kloster St. Ulrich Pflege und Beruf zum Wohle aller angemessen berücksichtigen. Der Erste Landesbeamte Martin Barth sah den Vorteil für das Landratsamt in Netzwerkstrukturen, die den eigenen Mitarbeitern nützen, aber auch Fachkräfte anlocken und so der Wirtschaftsförderung im Kreis dienen.

Gegen Betriebsblindheit,

für mehr Kreativität

Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung und der Aushändigung von Teilnahmezertifikaten, ließ sich Bad Krozingens Bürgermeister Volker Kieber zu dem Schlusswort hinreißen: "Dies ist ein historischer Moment in Sankt Bad Krozingen." Diese unfreiwillige Heiligsprechung des Kurortes wurde von Annette Herlt relativiert: "Der Anfang ist gemacht. Aber es gibt viel zu tun. Der Weg ist noch weit. Ich freue mich jedoch auf die Zusammenarbeit und danke für das Vertrauen." Als Leitmotiv schlug sie ein afrikanisches Sprichwort vor: "Wenn Du schnell gehen willst, geh’ allein. Wenn du weit gehen willst, geh’ mit anderen." Weitere Interessenten aus dem Landkreis sind aufgerufen, sich dem Netzwerk anzuschließen.

Info: Ansprechpartnerin für das "Breisgauer Netzwerk – MitarbeiterInnen im Fokus": Annette Herlt, Tel. 0761/2187-5361 oder annette.herlt@lkbh.de.