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24. Mai 2011 21:48 Uhr

Echtwald-Initiative

Ein Wald soll werden, wie er war

An der Burgruine Wiesneck hat die Berliner Echtwald GmbH ein zehn Hektar großes Areal gekauft. Hier soll ein Wald entstehen zu lassen, wir er einmal war. Hat die Initiative das Potential, sich über ganz Europa auszubreiten?

  1. Ein zehn Hektar großes Waldareal rund um die Ruine Wiesneck in Buchenbach will die Berliner Echtwald GmbH so umwandeln, dass die ursprüngliche Baumgesellschaft wieder entsteht. Foto: Silvia Faller

Ermutigend ist: Das Projekt, für das s die GmbH das zehn Hektar große Waldareal rund um den Burgberg von Nikolaus von Gayling aus Ebnet gekauft hat, wurde gleich mit einem Preis ausgezeichnet. Wegweisend sei dieses Vorhaben, meinten die Juroren der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" und zeichneten die Aktion aus, als ein Beispiel der "365 Orte im Land der Ideen". Den Auftakt für das Projekt "Echtwald Schwarzwald" und die Preisverleihung fanden im Hof der Wiesnecker Vorburg statt. Die Initiatoren sind Thomas Grässlin, Spross der Feintechnikunternehmer- und Kunstsammlerfamilie Grässlin aus St. Georgen im Schwarzwald, und seine Ehefrau Nanette Hagstotz, die sich als Kulturwissenschaftlerin ebenfalls der Kunst verschrieben hat. Wissenschaftlich begleitet vom Waldzentrum der Westfälischen Universität, sollen örtliche Förster Entwicklungskonzepte umsetzen, um einen "echten, naturnahen Wald", so Grässlin, zu erhalten.

Mit der Seilbahn ins Baumhaus ?

In Buchenbach wird der Förster Hubert Stehle von der Gaylingschen Forstverwaltung die Betreuung übernehmen. Denn sein Dienstherr Nikolaus von Gayling hat den Wald rund um die Wiesneck-Ruine und eine weitere Fläche im Buchenbacher Gewann "Frauensteig" an die Echtwald GmbH verkauft. "Direkt an der Wiesneck-Burg wird nicht viel zu tun sein", meint Stehle. Auf dem Granit-Verwitterungsboden bestehe schon ein naturnaher Bergmischwald, vor allem aus Buchen, Eichen, Linden und Ahorn, die zweifelsohne auch schon im Mittelalter im Schwarzwald vorgekommen seien. Am "Frauensteig" aber dominieren derzeit Fichten.

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Natürlich werde der Nadelwald dort nicht auf einmal und komplett gerodet, was den Grundsätzen der nachhaltigen Forstwirtschaft widersprechen würde, vielmehr sollen über Jahre hinweg die aus historischer Sicht standortfremden Bäume herausgenommen werden. Dazu gehören auch die amerikanische Schwarznuss und die ebenfalls aus Nordamerika eingeführte Roteiche, die ihres wertvollen Holzes wegen da und dort angepflanzt wurden.

Nikolaus von Gayling fördert das Vorhaben der Echtwald GmbH gern, denn ihm gefallen Idee und Konzept. Abgesehen von der Umwandlung in den Ursprungswald sollten Künstler in den Echtwald-Wäldern Einrichtungen aufstellen, die Besuchern, Wanderern und Erholungssuchenden Naturerlebnisse ermöglichen oder auch Teil einer Infrastruktur für Seminare rund um den Wald und die Natur sind.

Zehn Objekte haben Thomas Grässlin und Nanette Hagstotz schon im Blick. So kann sich der Däne Tue Greenfort ein Baumhaus vorstellen, das mit einer Seilbahn erschlossen wird; der Bildhauer Tobias Rehberger, Prorektor der Frankfurter Städelschule, schlägt ein mehrfach gegliedertes Zelt vor und Jan Timme, Fotograf und Objektkünstler aus Hamburg, eine baumhohe Wendeltreppe mit Stufen aus Holz. Einen Skulpturenpark streben Grässlin und Hagstotz allerdings nicht an, denn die Kunstobjekte sollen nicht nur betrachtet und bestaunt, sondern auch benutzt werden.

So wäre es denkbar, dass Hütten Jugendgruppen oder Familien Platz bieten, um Ferien zu machen, oder Kursteilnehmer beherbergen könnten. Aus der Vermietung und Nutzung solcher "Funktionseinheiten", so Thomas Grässlin, könnte die Gesellschaft dann auch Einnahmen erwirtschaften. Und natürlich aus dem Holzverkauf oder auch durch die Vermarktung von Produkten, die in Echtwald-Wäldern gewonnen wurden. Ende des Jahres soll es eine gleichnamige Aktiengesellschaft geben, an der sich auch Privatanleger beteiligen können.

Buchenbach ist "ausgewählter Ort 2011"

Investoren sollen sich aber im Klaren darüber sein, dass sie ihr Geld zunächst ein rein ideelles Vorhaben anlegen. Thomas Grässlin und Nanette Hagstotz geht es nicht um Profit. Thomas Grässlin leitete für einige Jahre das 1956 von seinem Vater Dieter Grässlin gegründete Werk für Zeitschaltuhren, das 2000 an den US-Konzern General Electric verkauft wurde.

Zusammen mit seinen drei Geschwistern hat er auch die Kunstsammlung seiner Eltern weiter entwickelt, dabei das ganze Städtchen zum Ausstellungsort gemacht und 2002 den "Kunstraum Grässlin" eingerichtet. 2010 wurde die Familie Grässlin für ihre Verdienste um die Vermittlung moderner Kunst mit dem Preis Art Cologne ausgezeichnet.

Thomas Grässlin und Nanette Hagstotz schweben Echtwald-Wälder mit einer Ausdehnung von jeweils rund 1000 Hektar vor, so dass die historisierende Umwandlung auch Sinn macht. Gemessen an diesem Ziel wirken ihre ersten Schritte im Dreisamtal bescheiden.

Die aber haben die Juroren der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" so sehr beeindruckt, dass sie die Echtwald GmbH und Buchenbach zum "ausgewählten Ort 2011" ausgerufen haben. Laudator Rainer Grähling, Leiter der Region Stuttgart der Deutschen Bank AG, sprach von einer "mutigen und außergewöhnlichen Idee".

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Autor: Silvia Faller