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26. Januar 2011

Einige Grundübel vermiesen die Bilanz

Was im Öffentlichen Nahverkehr der Region besser geworden, was noch ärgerlich ist: Das Urteil des Fahrgastbeirates.

  1. Bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet: die Rheintalstrecke bei Bad Krozingen Foto: Siegfried Gollrad

  2. Sitzplatzkapazität reicht in der Hauptverkehrszeit auf der Strecke zwischen Freiburg und Himmelreich nicht: die Höllentalbahn Foto: Markus Donner

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD (dan). "Nichts ist so gut, dass man es nicht noch besser machen könnte – gerade im ÖPNV". Dies ist der tragende Grundsatz, nach dem der Fahrgastbeirat im Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) die Leistungen der Verkehrsanbieter im öffentlichen Nahverkehr begleitet. Da gibt es durchaus mal ein Lob, aber natürlich ist Tadel nicht zu vermeiden, sei es, weil der Service der Bahn zu dürftig ist, sei es, weil Fahrpläne nicht aufeinander abgestimmt sind, sei es, weil – der Klassiker – Züge zu oft Verspätung haben.

Manches hat sich verbessert, viele Missstände bestehen aber auch fort, sagt Wolfgang Heinz aus Bad Krozingen, Sprecher des Gesamtfahrgastbeirates im RVF. Einige der "uralten Klagen" über die Bahn bestünden fort. Dazu gehörten die "chronischen Verspätungen", der Verzicht auf Zugbegleiter in manchen Zügen und auch die mangelnde Wartung des Materials. Die Bahn habe "zu viel an der falschen Stelle gespart", sagt Heinz. Die Rheintalstrecke sei "heillos überfordert, eigentlich brauchen wir das dritte und vierte Gleis sofort".

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Lob zollt Heinz den Leuten vor Ort von DB Regio Südbaden, die gäben sich große Mühe. Und auch eine Verbesserung "der Tonlage der Prüfer" bei der Bahn hat Heinz registriert. Die sei kundenfreundlicher geworden.

Mit Rücksicht auf den unerwartet harten Wintereinbruch hat der Fahrgastbeirat seine Kommentare zum Fahrplanwechsel am 12.Dezember erst in seiner Januarsitzung zusammengestellt, "weil alle Beteiligten zunächst Dringlicheres zu tun hatten", wie die Sprecher Wolfgang Heinz, Georg Link (Hinterzarten) und Harald Negenborn (Bötzingen) übereinstimmend betonen. "Wir kommentieren auf der Grundlage eigener Beobachtungen und Erfahrungen sowie vieler Hinweise und Beschwerden anderer Reisenden".

Ein großes Lob zollt der Fahrgastbeirat sowohl DB Regio Südbaden als auch der SWEG: Nachdem endlich alle Regional-Express-Züge der Rheintalbahn tagsüber mit fünf Doppelstockwagen verkehrten, reiche das Sitzplatzangebot endlich aus. Heinz: "Wir wissen, wie schwer es war, zusätzliche Waggons herbeizuschaffen – bravo! Auch auf der Münstertalbahn entspricht das verdoppelte werktägliche Sitzplatzangebot nun dem Bedarf – danke!" Negenborn freut sich, dass der abendliche "Kulturzug" Freiburg-Offenburg wieder fährt; aber warum, rätselt er, "nur an wenigen statt an allen Tagen?"

Pendler müssen aufs Auto umsteigen

Zur bevorstehenden Fahrplankonferenz für 2012 appelliert der Fahrgastbeirat an die Nahverkehrsgesellschaft des Landes (NVBW) sowie an RVF und DB Regio, den Fahrplan der Rheintal- und der Höllentalbahn auch in den Tagesrandzeiten und an Wochenenden wieder bedarfsgerecht zu verdichten. So müssten Schicht-Pendler von Freiburg nach Basel auf den PKW umsteigen, nachdem schon in früheren Jahren wichtige Spätzüge des Nahverkehrs gestrichen wurden und nun auch die ersatzweise genutzten ICE entfallen sind. Der Frühzug Freiburg-Himmelreich-Freiburg sei jetzt zwar bis Titisee verlängert, aber die dringend notwendige Anbindung nach und ab Neustadt fehle immer noch, und in den Hauptverkehrszeiten reiche die Sitzplatzkapazität der Höllentalbahn im Abschnitt Freiburg-Himmelreich weiterhin nicht aus.

Unzufrieden ist der Fahrgastbeirat mit dem Service der Deutschen Bahn: Die Installierung des seit Anfang 2007 geforderten zusätzlichen Fahrkartenautomaten in Bad Krozingen beseitige endlich einen völlig unnötigen Missstand. Aber alle drei Sprecher beklagen: "In Müllheim, Buggingen, Ebringen, Himmelreich, Gundelfingen, Kollmarsreute und Teningen fehlen diese zusätzlichen Automaten immer noch. Auch die Besetzung der Reisezentren in Müllheim, Bad Krozingen und Emmendingen sei nicht dem Bedarf angepasst, sondern noch weiter ausgedünnt worden. Die Versorgung der Kunden mit Fahrplänen finden die Beiräte "heuer sehr mangelhaft".

Laut Negenborn "beklagen immer mehr Fahrgäste den Verzicht von DB Regio auf Zugbegleiter vor allem in den Abendstunden und an Wochenenden und berichten von schier unerträglichen Zuständen puncto Sauberkeit und Sicherheit." Unter Verweis auf die vom Fahrgastbeirat im Frühjahr der NVBW vorgelegten Ausschreibungskriterien betont Link: "Da wir von DB Regio schnelle Abhilfe nicht erwarten, wird das Verkehrsministerium zur nächsten Ausschreibung des Verkehrsvertrages sehr darauf achten müssen, dass Zugbegleiter und Fahrkartenverkauf im Zug endlich wieder Standard werden. Anderseits anerkennen wir, dass die Zwischenreinigung in den Zügen der Höllental- und der Rheintalbahn gut funktioniert."

Auch im Bus-Netz stehe "vielen Verbesserungen im Norden in 2009 noch erheblicher Nachbesserungsbedarf im Süden und Osten gegenüber". Auch hier nennen Link und Heinz konkrete Beispiele: Viele Fahrgäste aus dem Bereich Dreisamtal/Hochschwarzwald beklagten die schlechte Taktverknüpfung an Werktagen zwischen St. Märgen und Hinterzarten sowie unvollständige oder unterlassene Haltestellen-Ansagen in den Linienbussen; der integrierte Belchen-Wander-Fahrplan (für die Linien Schönau-Wiedenereck-Belchen, Münstertal-Wiedenereck-Belchen, Müllheim-Badenweiler-Haldenhof, Schopfheim-Haldenhof) und die Aufnahme des Abschnittes Wiedener-eck-Belchenbahn in den RVF-Tarif seien immer noch nicht verwirklicht.

Abschließend kommentieren die Sprecher die "Zugverspätungen, die es auch nach dem Fahrplanwechsel in Fülle gibt". Zum großen Teil seien sie der bis zur Kapazitätsgrenze reichenden Auslastung der Rheintalbahn im Mischverkehr aus Güter-, Personenfern- und Personennahverkehrszügen geschuldet. Viele Pannen zulasten der Fahrgäste gingen allerdings auch auf schlechtes Netz- und Notfall-Management sowie auf Kommunikationsmängel zwischen den beteiligten Tochterunternehmen der DB zurück. Der Konzern bleibe "dringend aufgefordert, diese Schwächen nachhaltig zu beheben."

Die Mitglieder des Fahrgastbeirates führten Buch über die Verspätungen ihrer Züge; "Rekordhalter" sei ein Kollege, der auf der südlichen Rheintalbahn pendelt und öfter auch Dienstreisen in Nachbarverbünde unternehmen muss: sein Verspätungskonto betrage im Jahr 2010 fast 55 Stunden. Allein schon daraus könne man leicht die Schäden ermessen, die den Reisenden ganz persönlich und der ganzen Volkswirtschaft aus Verspätungen entstehen.

Autor: dan