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22. September 2013 13:11 Uhr

Breisgau-Hochschwarzwald

Kirschessigfliege lässt bei Winzern die Ernte faulen

Im BZ-Interview über die Kirschessigfliege, die derzeit reife Trauben gefährdet, erklärt der Biologe Hanns-Heinz Kassemeyer vom Weinbauinstitut Freiburg, wie man dem Insekt Herr werden kann.

  1. Legt ihre Eier am liebsten in rote Früchte: die Kirschessigfliege. Foto: Staatliches Weinbauinstitut

Sie kommt aus Asien und schlitzt Weintrauben auf: Die Kirschessigfliege lässt bei manchen Winzern im Landkreis die Ernte faulen. Hanns-Heinz Kassemeyer vom Weinbauinstitut Freiburg sagt Max Schuler, wie man dem Insekt Fallen stellt, welche Trauben gefährdet sind und warum er vom Einsatz von Insektiziden abrät.

BZ:
Was ist die Kirschessigfliege für ein Insekt?
Kassemeyer: Die Kirschessigfliege ist verwandt mit der Fruchtfliege. Sie unterscheidet sich aber vor allem dadurch, dass sie einen Legestachel am Hinterleib hat, der aussieht wie eine gebogene Säge. Damit verletzt die Kirschessigfliege die Haut von Beerenfrüchten und legt ihre Eier in das Innere der gesunden Frucht. Die Larven entwickeln sich dann darin und es kommt zu einer schnellen Fäulnis der Beere. Fruchtfliegen legen ihre Eier dagegen von vornherein in faulendes Obst.

BZ: Besonders für reife Trauben ist die Kirschessigfliege also eine Gefahr?
Kassemeyer: Die Kirschessigfliege bevorzugt blaugefärbte Beeren, besonders Holunder. Bei Weintrauben sind besonders Spätburgundersorten durch sie gefährdet. Durch die dunkle Farbe der Früchte werden sie angelockt.

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BZ: Was bedeutet das für den Wein, wird er durch die Fliegeneier sauer?
Kassemeyer: Ja, durch die Öffnungen gelangen Essigbakterien in die Trauben. Es entsteht der gefürchtete Essigstich, der macht den Wein sauer.

BZ: Woher kommt die Fliege?
Kassemeyer: Sie stammt aus Asien. Sie ist mit Obst aus diesen Regionen eingeführt worden und erst seit wenigen Jahren in Europa. Man weiß zum Beispiel von Schäden in Italien. Seit vorletztem Jahr hat man sie auch in Südbaden beobachtet und seit letztem Jahr ist sie verstärkt bei uns anzutreffen.

BZ: Wo im Landkreis richtet die Fliege die größten Schäden an?
Kassemeyer: Wir haben Fallen für die Fliege aufgestellt, dadurch können wir feststellen, welche Gebiete gefährdet sind. Die Eiablage und die damit verbundenen Schäden sind bisher nur im südlichen Markgräflerland in den Spätburgunder- und Gutedelsorten aufgetreten. Dort wurde die Kirschessigfliege auch zuerst in größeren Mengen entdeckt. Aber auch am Kaiserstuhl kommt sie vor.

BZ: Wie fangen Sie die Fliegen?
Kassemeyer: Die Fallen sehen aus wie Getränkebecher mit einem kugelförmigen Deckel, in dem kleine Löcher sind. Innen drin ist eine Lösung aus Apfelessig und Wasser: Damit werden die Fliegen angelockt. Sie kriechen rein, fallen in die Lösung, ertrinken und wir können zählen, wie viele es sind und so die Population bestimmen.

BZ: Wie können Winzer ihre Reben vor dem Insekt schützen?
Kassemeyer: Es ist ganz schwierig, weil wir kurz vor der Ernte stehen. Die Fliege bevorzugt Trauben, die sich in einer feuchten Umgebung befinden. Darum helfen die Vorbeugemaßnahmen, die gegen Grauschimmel und Sauerfäule wirken. Die Trauben werden freigestellt, Blätter in der Traubenzone werden entfernt und dadurch hängen die Trauben locker da und trocknen schnell ab.

BZ: Das ist Vorbeugung. Doch kann man so kurz vor der Ernte noch Insektizide einsetzen?
Kassemeyer: Wir wollen keinen Insektizideinsatz so kurz vor der Ernte. Obwohl es Präparate gibt, die eine Wartezeit von 14 Tagen haben. Diese Wartezeiten müssen eingehalten werden, weil nur dann garantiert wird, dass keine Spuren auf der Traube zurückbleiben.

BZ: Also zwischen spritzen und ernten müssen zwei Wochen liegen.
Kassemeyer: Genau. Doch obwohl es ein Naturstoff ist, der in dem Präparat verwendet wird, empfehlen wir, es nicht einzusetzen. Wir suchen nach anderen biologischen Verfahren, nach Nützlingen, die dieses schädliche Insekt verzehren.

BZ: Das ist ihre Empfehlung. Wenn ein Winzer dennoch Insektizide einsetzen will, wann ist der spätestmögliche Zeitpunkt dafür?
Kassemeyer: Das kann man vorher nie genau bestimmen. Fakt ist: Die Lese steht vor der Tür. Wenn die Lese in der zweiten Oktoberwoche beginnt, dann ist nächste Woche endgültig Schluss, dann sollte man keine Insektizide mehr einsetzen.

BZ: Akzeptieren das die Winzer?
Kassemeyer: Die Winzer fürchten immer um die Qualität der Trauben. Aber man muss abwägen zwischen Verbraucherschutz und Produktqualität. Der Verbraucherschutz hat bei uns einen großen Stellenwert. Wir vom Weinbauinstitut versuchen, durch unsere Forschungsarbeiten beiden Seiten gerecht zu werden.

Autor: max