Atomkraftwerk

Kommt nach Fessenheim ein deutsch-französischer Industriepark an den Rhein?

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Di, 13. März 2018 um 18:12 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Fessenheim soll schließen, im Elsass fallen tausende Arbeitsplätze weg. Die Pläne für die Post-Fessenheim-Phase werden konkreter. Jetzt wurden sie im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald vorgestellt.

Frankreich macht ernst mit der Schließung des Atomkraftwerks in Fessenheim. Der Meiler soll voraussichtlich 2019 vom Netz gehen. Und es gibt bereits sehr konkrete Pläne, wie die Zeit danach in Fessenheim aussehen könnte. Das Kraftwerk ist ein wichtiger Arbeitgeber in einer wirtschaftlich schwachen Region. Die Folgen der Stilllegung sollen unter anderem mit einem deutsch-französischen Industriegebiet aufgefangen werden. Doch die Ideen reichen weiter.

Das Gewerbegebiet
Hoher Besuch im Ausschuss für Grenzüberschreitende Zusammenarbeit des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald. Brigitte Klinkert, Präsidentin des Départements Haut-Rhin, stellte das Konzept vor, wie mit der Stilllegung des Atomkraftwerks umgegangen werden soll. Eine Kompensation wird es geben müssen, in dem Kraftwerk arbeiten 2000 Menschen, etwa 5000 Menschen wären von der Schließung betroffen, hieß es in der Präsentation Klinkerts. Ein Kern des Leitfadens für die "Post-Fessenheim-Phase" ist ein 200 Hektar großes deutsch-französisches Industriegebiet, das im Norden des Atomkraftwerks entstehen soll. Interessant sei auch die Nähe zum Gewerbepark Breisgau mit dem Flugplatz.

Gemeinsame Forschung
Laut dem Leitfaden könnte in dem Industriegebiet auch ein gemeinsamer trinationaler Forschungsstützpunkt bei Nambsheim entstehen. Schwerpunkte dort sollen Untersuchungen zu autonomer Fahrzeugtechnologie sein sowie das Thema Energie.

Erneuerbare Energien
Das Thema Energie spielt laut Klinkert eine wesentliche Rolle in den Gedanken für die Zeit nach Fessenheim. "Das Ziel ist, dass das Elsass als erste Region Frankreichs nur mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt wird", sagte Klinkert. Sie zeigte einen möglichen Energiemix aus Fotovoltaikanlagen, Wasserkraft, Windkraft, Erdwärme und verschiedenen Stromspeichertechniken.

Infrastruktur
Das Industriegebiet am Rhein soll gut zu erreichen sein. Herzstück der infrastrukturellen Aufwertung soll die direkte Zugverbindung zwischen Freiburg und Colmar sein. "Das soll auch ein Ausdruck der Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich sein", so Klinkert, die betonte, sich sehr stark für dieses Projekt einzusetzen. Auch die Straßenverbindungen könnten aufgewertet werden. Denkbar sei etwa ein Autobahnanschluss an die A 5 über die Brücke bei Hartheim, die Brücke könnte bei Bedarf vergrößert werden. Zudem könnten die Rheinhäfen ausgebaut werden.

Stand der Dinge in Frankreich
Die Pläne Klinkerts sind ein Leitfaden, wie die Region sich den Übergang vorstellen könnte. Klinkert betonte, dass es deutliche Signale aus Paris gebe, die diesen Plan unterstützten. So sei ein zuständiger Staatssekretär vor kurzem vor Ort gewesen, er teile die Ideen. Auch der Umweltminister und Staatspräsident Emanuel Macron würden den Plan befürworten, die Region zu stärken. Beschlossen sei aber noch nichts. "Wir müssen auch noch mit dem Finanzminister verhandeln", sagte Klinkert. Sie werde ihr volle "politische Kraft" einbringen. Die vorgestellten Ideen, davon ist Klinkert überzeugt, ließen sich nur gemeinsam stemmen. "Das Projekt wird ein deutsch-französisches sein, oder es wird nicht realisiert."

Die Reaktionen im Kreisrat
Alle Fraktionen waren sich einig, dass sich hier eine einmalige Gelegenheit auftut. Der Begriff des historischen Moments wurde mehrfach gebraucht. Man war sich einig, dass man alles dafür tun müsse, um diese Gelegenheit zu ergreifen. Dafür müsse das Thema auf die höchste politische Ebene. Landes- und Bundespolitiker sowie Minister und Staatssekretäre müssten damit vertraut gemacht werden.

Diplomatische Kritik
Die Fraktion der Grünen hatte einen Antrag gestellt, in sich der Ausschuss gegen die erneute Inbetriebnahme des Blocks 2 des Kraftwerks ausspricht. Um keine Misstöne im Annäherungsprozess mit den französischen Nachbarn aufkommen zu lassen, wurde der Antrag aber abgeändert. Landrätin Dorothea Störr-Ritter wird die Sorge über Block 2 in einem Brief an den Fessenheim-Betreiber EdF formulieren. Auf politischer Ebene soll es so keine Störfeuer zwischen Deutschland und Frankreich geben.