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19. Februar 2009
Landmaschinenring als Jobbörse
Über die Vermittlung als Saisonarbeitskraft findet mancher Arbeitslose wieder eine feste Arbeitsstelle.
LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. "Der Maschinenring ist das Rückgrat der landwirtschaftlichen Betriebe", sagt Friedbert Schill, Vorsitzender des Kreisverbandes Freiburg im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV). Im Rahmen der BLHV-Kreisversammlung hielt auch der Maschinenring Breisgau mit Sitz in Sexau seine Jahresversammlung ab. Ein wachsendes Geschäftsfeld ist die Vermittlung von Saisonarbeitskräften, auch von deutschen, einst arbeitslosen Frauen und Männern.
Es ist noch nicht lange her, da haben sich die Meldungen überschlagen, wie schwierig, ja nahezu unmöglich es sei, einheimische Arbeitslose auf Landwirtschaftsbetrieben zu beschäftigen. Die Arbeitsgemeinschaften (Arge) Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen haben einen Weg gefunden, Frauen und Männer auf Bauernhöfe zu vermitteln. Sie kooperieren seit 2006 mit dem Maschinenring Breisgau. Die Leute werden vom Maschinenring angestellt und von dessen Mitgliedsbetrieben abgerufen.Einer der Beschäftigten ist Jürgen Moosmann aus Breisach. Seit drei Jahren arbeitet er auf Höfen und ist "rundum zufrieden". Das ist nicht übertrieben, denn nach mehrjähriger Arbeitslosigkeit habe er etwas gefunden, was ihm liegt. Am liebsten arbeitet der 42-Jährige in den Reben; er hofft auf eine Festanstellung in einem Weingut. Das allerdings ist nicht einfach. "Nur wenige Betriebe schaffen es, das ganze Jahr über eine Arbeitsstelle komplett, also auch mit Sozialversicherungsbeiträgen, zu finanzieren. Denn im Vergleich zu Industrieunternehmen ist die Wertschöpfung in der Landwirtschaft relativ gering", erklärt Christoph Wasser vom Maschinenring.
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Nur die Inhaber sehr großer Betriebe könnten sich diese Ausgaben leisten, und die würden eher qualifizierte Winzer einstellen, denen sie auch fachlich herausfordernde Arbeiten wie den Pflanzenschutz übertragen können. Die Beschäftigung über den Maschinenring wird über verschiedene Programme von der Arbeitsagentur mitfinanziert. Ein weiterer Vorteil für die Betriebe ist: Sie können die Mitarbeiter tage- oder wochenweise in Anspruch nehmen. "Das ist enorm wichtig, um Arbeitsspitzen abzudecken, besonders für Familienbetriebe und für ältere Landwirte oder Winzer, die keine Nachfolger haben", erklärt Christoph Wasser. Bei Otto Birmelin aus Königschaffhausen ist das der Fall; er bearbeitet zusammen mit seiner Frau noch 3,5 Hektar Obst- und Rebanlagen. Er hat bislang nur gute Erfahrungen mit den Maschinenring-Leuten gemacht, auch mit den deutschen. "Die Leute werden ja vorbereitet und wissen, was auf sie zukommt. Und wenn es doch Schwierigkeiten gibt, werde ich unterstützt", erzählt er.
Weil im Verlauf des frostreichen Winters vonseiten der Weinbaubetriebe wenig Nachfrage war, arbeitet Jürgen Moosmann seit drei Monaten auf dem Hartenbachhof in Umkirch. Dort mistet er Pferdeboxen aus. Seine Chefin ist Martina Klott. Sie hat den Betrieb mit 45 Plätzen für Pensionspferde vor drei Jahren übernommen und hat von Anfang an auf Mitarbeiter des Maschinenrings zurückgegriffen. Die Organisationsform sei ideal, findet sie. "Ich bekomme eine Rechnung über die Arbeitszeit, die ich in Anspruch genommen habe. Mit dem ganzen Verwaltungsaufwand, den eine Beschäftigung nach sich zieht, habe ich nichts zu tun", erzählt sie.
Derzeit sind zehn einst Arbeitslose beim Maschinenring beschäftigt. Jüngst haben Christoph Wasser und seine Kollegen wieder bei einer Informationsveranstaltung in der Freiburger Agentur für Arbeit die Tätigkeitsfelder in der Landwirtschaft im Breisgau vorgestellt. Denn sobald es wärmer wird, suchen die Betriebe wieder vermehrt Leute für das Reben- oder Obstbaumschneiden.
Im Verlauf des Jahres 2008 waren es insgesamt 37, im Jahr davor 45 Menschen, die vermittelt wurden. Vier bis fünf Mitarbeitern gelingt im Schnitt der Übergang in eine Festanstellung. Der Maschinenring vermittelt an seine Mitglieder auch Arbeitskräfte aus Rumänien und Polen, im Verlauf des Jahres 2008 waren es knapp 300. Der Anteil der deutschen Saison-Arbeitskräfte am Mitarbeiterpool beträgt demnach gerade mal zwölf Prozent, was dem Bundesdurchschnitt entspricht.
Maschinenring Breisgau
Der 1985 gegründete Maschinenring Breisgau mit Sitz in Sexau zählt mit derzeit knapp 1600 Mitgliedern und einem Jahresumsatz von vier Millionen Euro zu den größten Maschinenringen in Baden-Württemberg. Die Mitglieder bewirtschaften Betriebe im Gebiet zwischen Herbolzheim und Ehrenkirchen. Für einen Jahresbeitrag von 70 Euro können sie sich den Einsatz von Maschinen und Spezialgeräten sichern. Neben die Maschinenvermittlung sind in den vergangenen Jahren weitere Geschäftsfelder getreten. Der Maschinenring beschäftigt Betriebshelfer, Hauswirtschafterinnen, Dorfhelferinnen und Familienpflegerinnen, die einspringen, wenn der Betriebsleiter oder seine Ehefrau krank sind. Auch nimmt der Maschinenring Anfragen von Kommunen entgegen, die Landwirte mit Winterdienst oder Landschafts- oder Grünflächenpflege beauftragen wollen. Die Mitgliedsbetriebe können auch Arbeitskräfte für einzelne Tage oder Arbeitsabschnitte buchen. Der Maschinenring organisiert auch den gemeinschaftlichen Einkauf von Betriebsmitteln, was Kosten spart.
Autor: sf
Autor: Silvia Faller
