Langer Weg zum inklusiven Landkreis

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Mi, 18. Oktober 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Ein Jahr nach Amtsantritt berichtet die Behindertenbeauftragte über ihre Arbeit – viel wurde angestoßen, zu tun gibt es weiterhin genug.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich die Behindertenbeauftragte des Landkreises vorgestellt. Jetzt war die Zeit für eine erste Bilanz von Anke Dallmann. Neben vielen Beratungen hat sie vor allem das Thema des barrierefreien Tourismus vorangebracht. Das Projekt der kommunalen Inklusionsvermittler liegt ihr besonders am Herzen. Hier sieht sie in vielen Gemeinden des Kreises noch Nachholbedarf.

Viel Gesprächsbedarf
Anke Dallmann hat im vergangenen Jahr viele Gespräche geführt. Sie will die Bedeutung von Inklusion in die Köpfe von Entscheidern und Multiplikatoren bringen. Neben Gesprächen innerhalb des Landratsamtes mit Mitarbeitern verschiedener Fachbereichen fand außerdem ein Austausch mit Bürgermeistern und Vertretern von Gemeinden statt. Daneben gab es Beratungen von Betroffenen. Dabei ging es oft um Themen wie barrierefreier Wohnraum, Wohnformen für Menschen mit Behinderung, Freizeitangebote der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Besonders beim Bauen ohne Hindernisse gebe es noch viel zu tun. Dallmann will auch Planer und Architekten auf das Thema aufmerksam machen.



Veranstaltungen und Öffentlichkeit
Wichtiger Bestandteil von Dallmanns Arbeit waren Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit, um viele Menschen zu erreichen. Dazu zählten Treffen mit Themen wie "Inklusion in den Kommunen" oder "Wirtschaftsfaktor Barrierefreiheit – Reisen für alle", die in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Kreises organisiert wurden. Dallmanns Projekte stießen auch in der Berichterstattung auf viel Resonanz. Neben Beiträgen auf lokalen und kreisweit erscheinenden BZ-Seiten wurde etwa in dem Blatt Die Gemeinde über die Inklusionsarbeit im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald berichtet. Die Publikation des Gemeindetages Baden-Württemberg schreibt über Entwicklungen im kommunalen Bereich.

Inklusionsvermittler
"Die Inklusionsvermittler sind meine Satelliten in den Gemeinden", sagte Dallmann. In 13 der 50 Gemeinden des Landkreises gibt es inzwischen Menschen, die die Rolle des kommunalen Inklusionsvermittlers übernehmen. Sie sollen sich vor Ort für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzen. Einige der Vermittler arbeiten ehrenamtlich, andere auf 450-Euro-Basis. Dallmann will dafür werben, dass es bald mehr Inklusionsvermittler gibt. "In einigen Verwaltungen habe ich bei meinen Besuchen aber gemerkt, dass es nicht so ganz barrierefrei zugeht", sagte Dallmann. Sie sicherte Gemeinden die Unterstützung bei dem Projekt zu.

Rückhalt der Kreisräte
Die Resonanz auf Dallmanns Arbeit im Sozial- und Krankenhausausschuss war durchgehend positiv. Gemeinderäte aller Fraktionen unterstützten die Arbeit Dallmanns mit Worten – und mit ihrem Abstimmungsverhalten. Für das Projekt der Inklusionsvermittler wurden 12 000 Euro in den Entwurf des Haushaltsplans eingestellt.

Hintergrund
Bei ihrer Vorstellung vor einem Jahr sagte Dallmann, im Landkreis würden etwa 22 000 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung leben. Der Kreis derer, für die Barrierefreiheit eine Rolle spielt, sei in einer vom demografischen Wandel geprägten Gesellschaft aber größer. Die Behindertenbeauftragte definierte sich als Ansprechpartnerin, Beraterin und Fürsprecherin für die Menschen mit Behinderung, vor allem aber als Begleiterin auf dem Weg zum inklusiven Landkreis. Sie will Akteure vernetzen, die Öffentlichkeit sensibilisieren und Menschen beraten.