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09. Dezember 2011

Links und rechts des Weges

Peter Gürth hat einen Wanderführer über die Höhenwege des Schwarzwaldes geschrieben.

  1. Peter Gürth und seine Frau Christine bei der Vorstellung ihres neuen Wanderführers. Foto: Michael Saurer

FREIBURG. Wanderführer über die unzähligen Routen durch den Schwarzwald gibt es viele. Das soeben erschienene Buch "Die Schwarzwälder Höhenwege. Kultur und Natur für Wissbegierige" von Peter Gürth hebt sich aber von der Masse ab und schlägt eine Brücke zwischen Wander- und Kulturreiseführer. Auf knapp 200 Seiten beschreibt der Autor weniger den genauen Verlauf der drei großen Höhenwege durch den Schwarzwald, als vielmehr das, was man am Rand und auch abseits der Wege sehen und erleben kann.

Westweg, Mittelweg, Ostweg heißen die drei großen Nord-Süd-Wanderwege, die von Pforzheim ausgehend den Nordschwarzwald mit dem Hochrhein und der Schweizer Grenze verbinden. Wie sie genau verlaufen, welche Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten man auf ihnen hat, ist durch eine Vielzahl von Wanderkarten und –führern bereits hinreichend bekannt. Peter Gürths Intention ist eine andere. Eine Beschreibung der Strecken wird nur holzschnittartig in wenigen Zeilen angerissen. Da für den gemütlichen Wanderer das Motto "Der Weg ist das Ziel" gelten sollte, lädt er an exponierten Stellen zum kurzzeitigen Verweilen ein und gibt dazu Informationen über das, was man in der Umgebung der Höhenwege zu sehen bekommen kann. Dazu gehören Informationen über Städte wie etwa Baden-Baden, wo Gürth kurze Informationen zur Stadtgeschichte gibt und einen Besuch des Casinos – "natürlich nur zum Schauen" – dringend empfiehlt, naturkundliche Hinweise, wie zum Beispiel über verschiedene Moore entlang der Wege oder kleine Anekdoten und Legenden von den Gipfeln und Tälern der Regionen. Beinahe im Plauderton versorgt er den Wanderer mit vielen nützlichen Hintergrundinformationen die man in herkömmlichen Führern nicht bekommt.

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Peter Gürth kennt sich im Schwarzwald bestens aus. Bis Ende der 70er-Jahre war der promovierte Forstwissenschaftler Professor für Waldbau und darüber hinaus noch 25 Jahre lang als Forstamtsleiter im Schwarzwald tätig. Die Verbindung von akademischem Wissen mit den Bedürfnissen und Einschränkungen, die man beim Wandern zwangsläufig erfährt, zeichnet dann auch das Buch aus. Komplizierte Darstellungen und umständliche Formulierungen sucht man darin vergebens.

Gürth wies im Rahmen der offiziellen Präsentation seines Buches auch explizit darauf hin, dass er für die Recherche keine Primärquellen studiert hat, sondern sich mit der Sekundärliteratur begnügte. Der gemeine Wanderer, der eine kurze, präzise und vor allem unterhaltsame Zusammenstellung der wichtigsten Fakten lesen möchte, wird ihm dies danken. "Es ist ihm gelungen, in Kurzform zu schreiben und trotzdem alle wichtigen Informationen zu vermitteln", meinte der Leitende Forstdirektor Helmut Volk, in seiner Laudatio.

Seit Jahren ist der heutige Ruheständler Peter Gürth zusammen mit seiner Frau Christine, die die Bilder zum Buch beigesteuert hat, praktisch das ganze Jahr hindurch im Schwarzwald unterwegs, den Notizblock immer an seiner Seite. So sammelte sich im Laufe der Jahre ein umfangreiches Wissen über das höchste deutsche Mittelgebirge an, das er dann immer mal wieder in Buchform an seine Leser weitergibt. Erst im März ist sein Buch "Streifzüge in der Regio: 52 Sonntagsausflüge für Wissbegierige" erschienen. Das nun erschienene Buch könnte aber sein bis dato ambitioniertestes Projekt sein. "Sie haben etwas ganz einzigartiges geschaffen. Ein solches Kompendium gibt es bislang nicht", betonte Tom Jacob vom Silberburg-Verlag in seiner Ansprache anlässlich der Vorstellung. Hansmartin Stübler, der Vizepräsident des Schwarzwaldvereins, der an der Fertigstellung des Buchs beteiligt war, konnte dem nur zustimmen und verwies auf die vielen Ehrenamtlichen des Vereins, die für die Pflege der Höhenwege verantwortlich sind. "Sie haben den Wegwarten ein Denkmal gesetzt."

Dem Schwarzwald wird Gürth, der derzeit an einem Buch über Auswanderer aus der Region nach Nordamerika arbeitet, weiterhin verbunden bleiben. Zusammen mit seiner Frau hat der 77-Jährige noch einiges vor. Langweilig wird es ihm im Schwarzwald nie. "Ich wundere mich selbst immer wieder, aber es gibt tatsächlich so viele Ecken im Schwarzwald, die ich noch nicht gesehen habe."

Autor: Michael Saurer