Petition für Mundart im Radio

Muettersproch-Gsellschaft ist enttäuscht von Gesprächen mit dem SWR

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Do, 29. Dezember 2016 um 18:31 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Mehr als 12.000 Unterschriften für mehr Alemannisch im Radio hat die Gsellschaft dem SWR überreicht. Nach einem Treffen mit Verantwortlichen des Senders macht sich jedoch Ernüchterung breit.

12147 Stimmen für mehr Alemannisch im Radio: die Muettersproch-Gsellschaft hat das Ergebnis ihrer Unterschriftenaktion an den SWR übergeben. Im Sommer hatten die Heimatsprachler eine Petition mit dem Ziel gestartet, wieder mehr Mundart im Radio zu hören. Damals wurden 50 000 Unterschriften als Ziel ausgegeben. Die Gesellschaft wurden in Stuttgart von der Direktorin des Senders empfangen. Zufrieden sind die Aktivisten für das Alemannische mit dem Gespräch nicht.

Der SWR war nicht auf die zentrale Forderung eingegangen

Das Treffen war Chefsache, die Stimmung gut, das Ergebnis jedoch dürftig – zumindest aus Sicht der Muettersproch-Gsellschaft. Mit 12 147 Unterschriften im Gepäck ist der Vorstand des Vereins für alemannische Sprache nach Stuttgart zum SWR gereist. Übergeben wurde der Ordner mit den Namen aller Unterstützer direkt an Stefanie Schneider, eine der Direktorinnen des Landessenders und Programmchefin des SWR4. Bei den anschließenden Gesprächen war außerdem Rainer Suchan dabei, Leiter des Landesstudios Freiburg und Rüdiger Mertz, mitverantwortlich für das SWR-Fernsehen.

Mehr als eine Stunde sprachen Muettersprochler und SWR-Vertreter miteinander. Mit mäßigem Erfolg für die Freunde des Alemannischen. So zumindest liest sich die Pressemitteilung des Vereins, die nach dem Gespräch veröffentlicht wurde. "Die Abordnung der Muettersproch-Gsellschaft war mit dem Ergebnis nicht zufrieden", heißt es da. Wohl vor allem deswegen, da der SWR nicht auf die zentrale Forderung eingegangen war. Die Petition fordert, für Mundart einen verlässlichen Sendeplatz zu reservieren.

Der Verein hat sich zum Ziel gemacht, die alemannische Mundart zu pflegen. Hier sieht er den SWR in der Pflicht. "Der SWR beschneidet in zunehmendem Maße Programmbestandteile mit südbadischem Bezug", hieß es im Sommer, als die Petition bekanntgemacht wurde. Bereits damals konnte der SWR die Kritik nicht nachvollziehen. Regionalität und Aktualität seien Kern des Selbstverständnisses des Senders, hieß es damals. Das Alemannische würde sich in großen und kleinen Mundarthörspielen regelmäßig wiederfinden.

Der Verein wünscht sich eine Sendung, in der in Mundart moderiert wird

Bei der Übergabe der Petition wurde bemängelt, dass es seit einer Programmumstellung eine regelmäßige Sendung, in der Mundart und insbesondere das Alemannische seinen Platz hat, gestrichen wurde. Franz-Josef Winterhalter, der Präsident der Muettersproch-Gsellschaft aus Oberried verwies auf andere Sender, wie beispielsweise den NDR, bei denen die dem Sendegebiet zugeordnete Mundart wesentlich mehr Berücksichtigung fände.

Auch für den Einzugsbereich des SWR wünscht sich der Verein sich eine regelmäßige Sendung, in der in Mundart moderiert oder wenigstens ko-moderiert wird, und in der regionale Themen Platz finden. Winterhalter sagte, dass von vielen Unterzeichnern Rückmeldungen gekommen sein, wonach man bei ihnen mit dem Anliegen offene Türen einrenne.

Laut der Mitteilung der Gsellschaft habe der SWR mit dem hohen Kostendruck argumentiert. Dieser habe dazu geführt, dass die Frühsendungen, die aus den einzelnen Landesstudios kamen, abgeschafft wurden. Weiter soll Schneider betont haben, dass der Sender keineswegs die Mundart aus den Programmen verdrängen möchte.

An dieser Frage scheiden sich die Geister

Sie gab aber zu bedenken, dass sich an dieser Frage die Geister scheiden würden. Denn während einem Teil der Hörerschaft nicht genug Mundart gesendet werden könnte, wäre einem anderen Teil jeder Beitrag in Mundart zu viel. Und selbst unter den Mundart-Liebhabern gäbe es oft nur Zustimmung, wenn es sich um den eigenen Dialekt handeln würde, wird Schneider in der Pressemitteilung der Muettersproch-Gsellschaft zitiert. Der SWR selbst hat auf Anfrage der BZ bis zum Redaktionsschluss keine weitere Stellung zu dem Treffen abgegeben.

Laut den Förderern des Alemannischen habe der SWR zudem die Dialektproduktionen des Landesstudios Freiburg aufgezählt. Dabei sollen die sechs Mundart-Hörspiele besonders hervorgehoben worden sein, da diese kostenintensiven Beiträge von anderen Sendern längst abgeschafft worden wären. Außerdem wurde zu bedenken gegeben, dass die heutige Gesellschaft in Interessensgruppen zerfalle.

Etwas Entgegenkommen zeigte der SWR doch

Für einen Sender sei es eine große Aufgabe, die verschiedenen Aspekte wieder zuspiegeln. Am besten sei es ohnehin, wenn Mundart von den Menschen gesprochen werde, die von den Reportern interviewt würden.

Etwas Entgegenkommen zeigte der SWR doch. Schneider soll zugesagt haben, prüfen zu lassen, ob es möglich sei, die Mundartbeiträge auf der SWR-Webseite an zentraler Stelle gesammelt werden. Die Muettersprochler sagen, sie wollen ihr Thema weiter im Blick behalten. Und sie nahmen, trotz der Enttäuschung, den Eindruck mit, dass "die Verantwortlichen im SWR zumindest nicht mundartfeindlich eingestellt sind".

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