Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

31. Juli 2009

Neue Schilder für alten Pilgerweg

BZ-INTERVIEW mit Erhard Trotter über seine Pilgererfahrungen und den neuen Himmelreich-Jakobusweg .

KIRCHZARTEN. Auf den Spuren des heiligen Jakobus zu pilgern, liegt derzeit im Trend. An die 700 000 Treffer werfen Internetsuchmaschinen beim Stichwort Jakobusweg aus. Es erscheinen Reiseberichte, Buchtitel, Routenbeschreibungen und Übersichtskarten. Nun soll die rund 140 Kilometer lange Strecke Himmelreich-Jakobusweg dazu kommen. In Kirchzarten gründete sich jetzt ein Förderverein. BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller sprach mit dem Initiator und Gründungsvorsitzenden Erhard Trotter, 66, Unternehmensberater aus Teningen.

BZ: Herr Trotter, sind Sie selbst schon einmal zum Grab des Apostels Jakobus gepilgert?

Trotter: Ja, ich bin Jakobspilger. Ich bin schon den spanischen Weg über die Pyrenäen hinab nach Santiago de Compostela gegangen und ich war schon auf zahlreichen Abschnitten in Frankreich unterwegs.

BZ: Auch in Deutschland?

Trotter : Ja, ich bin schon den Schwarzwälder Weg von Lossburg bei Freudenstadt durch das Kinzigtal bis nach Schutterwald gegangen. Von dort geht es weiter über den Ortenauer Weg bis nach Breisach, wo sich der elsässische Jakobsweg anschließt.

Werbung


BZ: Das hört sich so an, als ob man von überall her auf den Jakobsweg stößt.

Trotter: Das ist tatsächlich so. Ganz Europa ist überzogen von einem Wegenetz. Denn im Hochmittelalter hatte sich mit der Verehrung des heiligen Jakobus eine der größten Pilgertraditionen des christlichen Westens entwickelt. Neben Jerusalem und Rom war Santiago de Compostela eines der wichtigsten Ziele von Wallfahrern. Der Hauptweg durch Spanien und die vier großen historischen Hauptwege durch Frankreich zählen nicht umsonst zum Unesco-Weltkulturerbe. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden viele Routen in anderen europäischen Ländern, auch in Deutschland, neu identifiziert und mit der gelben Muschel auf blauem Grund ausgeschildert.

BZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nun auch noch den Weg über Himmelreich auszuweisen?

Trotter: Uns liegt eine alte französische Karte vor, die den Weg von Ost nach West, und zwar von Krakau über Prag, Stuttgart und Villingen über den Schwarzwald durch das Höllental hinab an Himmelreich vorbei nach Freiburg als Pilgerweg darstellt. Hier in Himmelreich gibt es zudem eine Kapelle, die dem heiligen Jakobusweg geweiht ist und als frühere Pilgerstation bekannt ist.

BZ: Geht es nicht auch um eine touristische Förderung?

Trotter: Natürlich wird der eine oder andere Gast in die Gaststätten und Herbergen entlang des Weges und auch in das Hofgut Himmelreich einkehren. Ein touristischer Effekt ist für die ganze Region wahrscheinlich. Es geht aber in erster Linie darum, Pilgern, die nicht den ganz großen Weg gehen wollen, hier in der Region etwas anzubieten und auch darum, einen früheren Pilgerweg wiederzubeleben, der Teil unserer Kulturgeschichte ist. Der Weg, den wir ausschildern wollen, zweigt vom Jakobusweg von Rottweil nach Schaffhausen ab, führt weiter über Bräunlingen, Löffingen, Neustadt, Hinterzarten und Kirchzarten nach Freiburg und von dort über Freiburg-St. Georgen, das auch als Station auf dem Weg von Rottenburg ins elsässische Thann ausgewiesen ist, nach Ebringen und weiter durch die Vorbergzone des Schwarzwaldes bis nach Weil am Rhein, wo die letzte der insgesamt neun Tagesetappen beginnt und im schweizerischen Aesch endet. Von St. Georgen bis Weil am Rhein verläuft die Strecke weitgehend entsprechend dem Markgräfler Wiiwegli. Von dort wird es einen Anschluss über Basel nach Aesch geben, wo der Baseler Weg in Richtung Lausanne anschließt, der zu den großen europäischen Fernwegen zählt.

BZ: Die Beschilderung kostet Geld, wo kommt das her?

Trotter: Wir benötigen zwischen 7000 und 8000 Euro, wovon der größte Teil tatsächlich für die Schilder und das Befestigungsmaterial, aber auch für den Pilgerführer gebraucht wird. Der neu gegründete Verein sammelt nun Spenden dafür und wird auch die Beschilderung verantworten. Wir werden dabei mit dem Schwarzwaldverein kooperieren, denn wir nutzen von ihm bereits ausgeschilderte Wege.

Der gemeinnützige Förderverein Himmelreich-Jakobusweg sucht Mitglieder. Der jährliche Beitrag kostet 20 Euro für Familien, 15 Euro für Erwachsene und acht Euro für Jugendliche. Informationen gibt es bei Erhard Trotter, et@trotter-hc.de, Tel 07641-914710

Autor: sf