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17. Januar 2012

Proteste in Fessenheim gehen weiter

Menschen aus Südbaden und dem Elsass fordern auch 2012 die Schließung des Atomkraftwerks.

  1. Atomkraft – nein Danke! Foto: Dorothee Philipp

FESSENHEIM/KREIS BREISGAU HOCHSCHWARZWALD (dop). Zuerst sprachen die Veranstalter von 300, später waren es rund 500 Menschen aus der Region, die am Sonntag bei Fessenheim für eine sofortige Abschaltung des dortigen Atomkraftwerks demonstrierten. Aufgerufen hatte das binationale Aktionsbündnis "Fessenheim abschalten. Jetzt!".

Die Kundgebung fand bei einem Freiluftkonzert statt. Dass die Veranstaltung nicht wie vorgesehen auf der Rheininsel gegenüber dem AKW stattfinden konnte, lag an einer kurzfristigen Verfügung der zuständigen Präfektur, die die Zufahrt für diesen Tag sperren ließ. So musste man auf das Gelände vor der "Maison des Energies" beim Wasserkraftwerk ausweichen. "Eine kleine Schikane", kommentierte Ulrich Rodewald, der deutsche Sprecher des Bündnisses gegenüber der BZ. So bleibe der direkte Blick zum "Projekt unserer Sorge" verwehrt, was aber der Protestaktion keinen Abbruch tue.

Für Musik sorgten die "Funky Marching Band" aus Freiburg mit Dixie-Rhythmen und die Musiker und Liedermacher Theo Ziegler, Felix Hempel und Wolfgang Gerbig mit markigen Texten zum "Ärgernis AKW Fessenheim". Zwischen den Musikbeiträgen skandierte das Publikum immer wieder lautstark den Schlachtruf des Aktionsbündnisses "Abschalten! Jetzt!" – und auf französisch "Fermons Fessenheim".

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"Wir werden unsere Aktionen auch 2012 fortsetzen", betonte Rodewald. Neben der wöchentlichen Montagsmahnwache auf dem Müllheimer Sparkassen-Platz plane man für den 11. März, den Jahrestag der Katastrophe von Fukushima, eine eigene Aktion. An diesem Tag soll im Rhônetal auch eine große Menschenkette gebildet werden. Auch in Colmar gibt es weiterhin regelmäßige Mahnwachen.

Unter den Demonstranten waren nicht nur alle Altersgruppen vertreten, auch die Nationalitäten hielten sich in etwa die Waage. "Es ist schon lange nicht mehr so, dass man sagen kann, der Protest gehe nur von der badischen Seite aus", erklärte Rodewald. Die Bewegung sei inzwischen im Elsass genauso stark. Gilles Barthe vom französischen Bündnis CSFR wies in einer aufrüttelnden Rede auf die Gefährlichkeit des Atomkraftwerks hin.

Ob der Meiler in absehbarer Zeit abgeschaltet wird, ist noch offen. Zwar hat die französische Atomaufsichtsbehörde ASN für Block 1 eine Laufzeitverlängerung von weiteren zehn Jahren genehmigt, doch steht nach dem von der EU verlangten Stresstest eine endgültige Betriebsgenehmigung noch aus. Die Zehnjahresrevision für Block 2 ist noch nicht abgeschlossen. Um die Bedingungen, die an einen Weiterbetrieb geknüpft sind, zu erfüllen, muss die Betreibergesellschaft EdF laut der französischen Zeitung "Le Figaro" mindestens 100 Millionen Euro in Nachbesserungsmaßnahmen investieren. Diese Investitionen würden auch den deutschen Steuerzahler etwas kosten: Gemäß vertraglicher Bestimmungen zwischen der EdF und der EnBW als Nachfolgerin der Badenwerk AG muss sich die EnBW mit 17,5 Prozent an den Betriebs- und Investitionskosten beteiligen, also auch an den jetzt verlangten Nachbesserungen.

Autor: dop