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04. Oktober 2017 18:36 Uhr

Sechs Millionen Übernachtungen

Rekordjahr 2016: So viele Touristen wie noch nie im Hochschwarzwald

Das ist Rekord: Mehr als sechs Millionen Gäste haben im Jahr 2016 im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald übernachtet. Das stärkste Wachstum an Touristen verzeichnete der Hochschwarzwald.

  1. Der Schluchsee ist ein Hingucker – und für viele Menschen ein Grund, in die Region zu reisen. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der Tourismus im Landkreis vermeldet Rekordzahlen: Im Jahr 2016 gab es mehr als sechs Millionen Übernachtungen von Gästen – mehr als je zuvor. Die Hälfte aller Touristen entschied sich dabei für den Hochschwarzwald. Allerdings scheinen die Grenzen des Wachstums erreicht, die Zahlen von 2017 sehen nicht nach einer weiteren Steigerung aus.

Die Entwicklung

Die Natur im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist schön und vielseitig, der Schwarzwald eine bekannte Dachmarke, eine touristische Infrastruktur ist vorhanden. Beste Voraussetzungen für ein Tourismusgebiet. Entsprechend entwickeln sich die Übernachtungszahlen. In den vergangenen zehn Jahren sind sie fast kontinuierlich gewachsen, lagen dabei immer deutlich über 5,5 Millionen. Laut den Zahlen des Statistischen Landesamtes wurde jetzt ein Rekord geknackt – mehr als sechs Millionen Übernachtungen. 2017 wird diese Zahl laut vorläufigen Daten des Statistischen Landesamtes wohl nicht übertroffen werden.

Der neue Manager

Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG), als oberste Tourismus-Vermarkterin der Region, hat einen neuen Chef. Auf den langjährigen Geschäftsführer Christopher Krull folgt Hansjörg Mair (die BZ berichtete). Der neue STG-Geschäftsführer hat unter anderem angekündigt, verstärkt auf die Vermarktung im Internet zu setzen. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist größter Gesellschafter der STG. In der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt wurde mehrfach der Wunsch geäußert, Mair möge sich und seine Konzepte vorstellen. Landrätin Dorothea Störr-Ritter meinte, ein Besuch Mairs mache dann Sinn, "wenn er sich eingearbeitet hat". Komme er, gebe es viel zu besprechen, meinte Franz-Josef Winterhalter (Freie Wähler). Er frage sich etwa, wie das Verhältnis der STG zu kleineren Tourismus-Marketinggesellschaften im Kreis verbessert werden könnte.

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Der Mahner vom Feldberg

Der Hochschwarzwald ist die Region mit den am Abstand meisten Übernachtungen. Auf Platz eins der Statistik liegt die Gemeinde Feldberg. Und von hier war auch die erste Kritik zu hören. Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser sprach vom besten Jahr in der Tourismus-Geschichte des Landkreises. "Aber wir müssen am Ball bleiben. Trägheit ist eine ernste Gefahr". Wirbser ist auch Vorsitzender des Liftverbunds Feldberg und Präsident des Skiverbands Schwarzwald. Er kämpft fortlaufend für Investitionen in das Skigebiet am Feldberg. Vor der Sitzung verteilte er Artikel über neue Skilifte im Sauerland. Dort werden Millionen an öffentlichen Fördermitteln investiert. "Wir haben Nachholbedarf. Andere sind auf der Überholspur", so Wirbser.

Zu wenig Kritik

Der vorgelegte Geschäftsbericht der STG habe Lücken, meinte FDP-Kreisrat Rudolph Gwinner. Denn neben Zahlen und Marketingkonzepten fehlen ihm Kritik und Selbstkritik. Es würde nicht darüber gesprochen, dass andere Bewerber mehr Geld hätten. Auch der "existenzbedrohende" Fachkräftemangel und die "unzureichende Verkehrsinfrastruktur" würden nicht angesprochen. "Wenn man das so liest, denkt man, es sei alles in Ordnung", so Gwinner. In der Sitzung wurde auch darüber gesprochen, wie Probleme des Ländlichen Raumes den Tourismus beeinflussen könnten. Denn wenn es am Ort keinen Bäcker und Metzger gibt, kommt auch der Tourist nur schwer an eine Schnitzelweckle.

Grenzen des Wachstums

Die Gemeinden im Landkreis würden von ihrer Gegensätzlichkeit profitieren, so Wolfgang Mössner (Grüne). Der Kreis bietet Weinberge und Wintersport, "die Raumschaft kann sich gut präsentieren", so Mössner. Er glaube nicht, dass sich die Menschen im Kreis beim Thema Tourismus ausruhen würden, dafür habe die Gastwirtschaft eine zu große wirtschaftliche Bedeutung, etwa für Winzer und Landwirte, die sich mit Ferienangeboten ein zweites Standbein aufbauen. Unbegrenztes Weiterwachsen sieht Mössner aber kritisch. "Wenn es zu viel wird, kriege ich ein Problem", sagte Mössner. Auf dem Feldberg gebe es bereits Events, die für ihn zu groß seien, sagte er. Norbert Brugger (SPD) sitzt für den Kreis im Aufsichtsrat der STG und hat Geschäftsführer Mair kennengelernt. "Für ihn geht Qualität vor Quantität", sagte Brugger. Der Sitz des Landkreises im Aufsichtsrat ist für Brugger auch ein politischer Hebel. Gerade bei Infrastrukturthemen. Wenn Probleme, etwa die überlastete B 31, hier angesprochen werden, könnten sie nach Stuttgart weitergetragen werden.

Sorge vor der Windkraft

Eine Sorge, die viele Touristiker im Hochschwarzwald äußern, teilte Volker Kempf (AfD). Von der Badischen Weinstraße bis zu den Zügen des Hochschwarzwaldes – "das Schöne ist die Landschaft. Wir müssen sie erhalten", so Kempf. Widerspruch folgte auf dem Fuß. Der Kreis könne sich der gesellschaftlichen Debatte um die Windkraft und gegebenenfalls seinem Anteil zur Energiewende nicht entziehen, hieß es in der Diskussion.

Zahlen und Fakten

Die sechs Millionen Übernachtungen bedeuten einen Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber 2015. Den größten Zuwachs gab es beim ohnehin schon beliebten Hochschwarzwald, die Übernachtungszahlen stiegen um 3,9 Prozent. Und der Landkreis wird immer attraktiver für Gäste aus dem Ausland. Die meisten Touristen im Kreis kommen aus Deutschland, doch die Zahl der ausländischen Gäste steigt. Fast jeder vierte Tourist kommt nicht aus Deutschland (24 Prozent). Die mit Abstand größte Gruppe machen hier die Schweizer aus (9,4 Prozent), gefolgt von Menschen aus den Benelux-Ländern (5,4 Prozent), Franzosen (2,3 Prozent) und Israelis (2,1 Prozent). Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist mit 26,2 Prozent größter Gesellschafter der STG. Er bezahlt jährlich 455 000 Euro an die Tourismusvermarkter.

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Autor: Sebastian Wolfrum