So manche Frau geht auf die Pirsch

Timea Lax

Von Timea Lax

Do, 13. Januar 2011

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Der Anteil der Jägerinnen am jagenden Volk nimmt ständig zu – in der Stadt allerdings stärker als im Hochschwarzwald.

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Wenn man von Jagd redet, dann redet man auch von Jägern, nicht von Jägerinnen. Noch sind es nämlich Männer, die diese Domäne besetzt haben. Doch das ändert sich: Der Anteil der Frauen, die auf die Pirsch gehen, wächst kontinuierlich an, landesweit und auch in der Region Freiburg. Mehr als 13 Prozent derer, die im Jahr 2010 in Baden- Württemberg den Jagdschein erworben haben, sind Frauen.

Von insgesamt 714 gemeldeten Mitgliedern der Jägervereinigung Freiburg, zu der auch die Gemeinden des Freiburger Umlandes gehören, sind 62 weiblich. Das klingt wenig. Doch wenn man bedenkt, dass bis vor einigen Jahren ausschließlich Männer auf die Jagd gingen, dann ist ein neunprozentiger Frauenanteil bemerkenswert.

Ulrich Baade, Pressereferent des Landesjagdverbandes Baden Württemberg, geht zudem davon aus, dass der Frauenanteil in Wirklichkeit weitaus höher liegt. "Viele Ehefrauen von Jägern besitzen ebenfalls einen Jagdschein, sind aber oftmals nicht als eigenständiges Mitglied gemeldet", sagt der.

Die Jägervereinigung Hochschwarzwald weist dagegen nur einen dreiprozentigen Frauenanteil auf. Von den insgesamt 271 Mitgliedern sind nur neun Frauen. In der Stadt greife frau schon eher mal zur Flinte, weil da die jagdliche Emanzipation weiter fortgeschritten sei als in ländlichen Regionen, glaubt Ekkehard Ophoven, der Presseobmann der Jägervereinigung Freiburg.

Christiane Jehle, promovierte Veterinärin und Vorsitzende des Landesjägerverbandes, ist natürlich selbst passionierte Jägerin. Jehles Vater war Jäger und hat die heute 33-Jährige oft zur Jagd mitgenommen. "Dort begann meine Liebe zur Natur", sagt Jehle. Nach dem Tod des Vaters setzte sie die Tradition fort. In der Rolle einer jagenden Frau in einer hauptsächlich von Männern beherrschten Domäne sieht sie kein wirkliches Problem.

"Als Frau unter Jägern hatte man es manchmal richtig schwer"

"Natürlich überwiegt unter Jägern ein robuster Umgangston. Außerdem hat man als Jägerin unter Jägern manchmal das Gefühl, sich mehr beweisen zu müssen als gleichgestellte Männer", sagt die selbstbewusste Jägerin, "aber letztendlich kommt es auf die eigene Einstellung an". "Außerdem sollte man, egal ob männlich oder weiblich, nach bestem Wissen und Gewissen jagen." Damit hebt Jehle die Einstellung vieler Jägerinnen hervor, die lautet: "Lieber kein Schuss als ein Fehlschuss!"

Einen weiteren Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Jägern sieht Christina Jehle in der Jagdmotivation. Während bei vielen männlichen Jägern "Trophäen" im Vordergrund stünden, dächten Frauen beim Erlegen eines Wildes eher an einen kulinarischen Gesichtspunkt. Eine Verallgemeinerung der Einstellungen und Denkweisen sei jedoch nicht möglich. "Es gibt überall Ausnahmen, so auch hier", sagt die passionierte Jägersfrau.

Die Studentin Dorothee Wesselkamp aus Schallstadt-Mengen ist 24 Jahre alt und hat ihre Jägerprüfung am12. Mai vergangenen Jahres mit Erfolg bestanden. Im Sommer hat sie ihr erstes Rehkitz erlegt. "Das, was man beim Erlegen empfindet, ist sehr subjektiv", sagt sie. "Ich bin in dem Moment relativ aufgeregt, denn man möchte einen möglichst perfekten Schuss vorlegen, damit das Tier nicht leidet."

Auf die Frage, wie man auf die Idee kommt, als Frau einen Jagdschein zu erwerben, verweist sie auf ihr Studienfach der Forstwissenschaft. Für einen Arbeitsplatz in der Forstwirtschaft sei der Erwerb eines Jagdscheines quasi Pflicht, sagt Wesselkamp.

Wie auch andere Jägerinnen geht es ihr beim Jagen nicht nur um das Erlegen des Wildes. "Ich mag Natur erleben, heimische Wildtiere beobachten, innerlich zur Ruhe kommen", sagt die selbstbewusste 24-Jährige. Die Legitimation von Jagd sieht Dorothee Wesselkamp darin, dass der Mensch das Ökosystem schon so stark beeinflusst habe, dass er nun wieder korrigierend eingreifen müsse. "Außerdem", fügt Wesselkamp hinzu, "ist es für mich moralisch vertretbarer, geschossenes Wild zu essen, welches in Freiheit aufgewachsen ist. Wild zu verspeisen, das aus Massentierhaltung stammt, käme für mich nicht in Frage."

Dass Jagen ist nicht mehr nur Männersache ist, bestätigt auch die 67-jährige Hotelfachfrau Elisabeth Keil aus Ebringen. Ihr Mann hatte sie vor vielen Jahren zu einer Treibjagd mitgenommen. Dies war der Beginn einer bis heute andauernden Leidenschaft. "1975 habe ich meine Jägerinnenprüfung abgelegt", sagt Elisabeth Keil mit Stolz. "Damals war alles noch anders als heute. Als Frau unter Jägern hatte man es manchmal richtig schwer." Doch Elisabeth Keil konnte das nichts anhaben. Heute erteilt die naturliebende Frau männlichem und weiblichem Jägernachwuchs Schießunterricht. Außerdem engagiert sie sich als Jagdhornbläserin und hat das Amt der Schatzmeisterin der Jägervereinigung Freiburg inne.

Dass Jagen für den Nachwuchs nicht unbedingt traditionell-familiär bedingt sein muss, zeigt das Beispiel der 24-jährigen Wesselkamp. Sie hat, unabhängig von einer familiären Tradition, den Jagdschein erworben. "Die Zeiten haben sich geändert", sagt Elisabeth Keil und Dorothee Wesselkamp ergänzt: "Meinen Freund habe ich gleich mit zum Jagdkurs genommen. Wir jagen jetzt gemeinsam."



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