Interview

Waltraud Kannen: "Gauck war wertschätzend und glaubwürdig"

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mo, 13. Oktober 2014 um 19:29 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Waltraud Kannen war eine von 37 Bundesbürgern, die vor wenigen Tagen von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Verdienstorden der Republik ausgezeichnet wurde. Über ihren Besuch in Schloss Bellevue hat sich BZ-Redakteurin Tanja Bury mit ihr unterhalten.

BZ: Wie sieht’s denn beim Bundespräsidenten aus?
Kannen: Das Schloss mit seinem wunderschönen Park ist repräsentativ, weitläufig und geschmackvoll eingerichtet mit Stilmöbeln, klassischer und moderner Kunst. Ich vermute, dass er sich eher in der Dienstvilla in Dahlem entspannen kann, wo es vielleicht auch kuscheligere Räume gibt, in denen man auch mal ein Foto an die Wand pinnen kann.

BZ: Wie haben Sie sich auf diesen großen Tag vorbereitet? Neues Kleid, Frisör?
Kannen: Ja klar! Mein zweiter Gedanke war: Was ziehe ich an? Was ist angemessen, ohne dass ich das Gefühl habe, mich zu verkleiden. Übrigens hat sich herausgestellt, dass es vielen der geehrten Frauen so ging, was die Männer so dachten, konnte ich nicht herausfinden.

BZ: Waren Sie nervös, als Joachim Gauck Ihnen die Auszeichnung übergeben hat?
Kannen: Es war sehr angenehm, dass wir bereits am Tag zuvor ins Schloss eingeladen waren. Wir konnten uns umschauen, die anderen Preisträger kennenlernen und den Ablauf erfahren. Das hat mir viel von der Nervosität genommen und ich konnte mich dann einfach nur freuen.

BZ: Welchen Eindruck hatten Sie von Gauck? Wie kam er rüber?
Kannen: Authentisch. Er betrat den Saal mit seiner Partnerin Daniela Schadt. Wir alle standen ehrerbietig da, und er sagte einfach locker "Guten Tag". Seine an uns gerichteten Worte waren glaubwürdig und wertschätzend, ohne großes Pathos. Das prägte die ganze Ehrung. Da ich direkt vor ihm saß, fiel mir aber auch auf, dass er angestrengt war. Er absolviert täglich ein großes Programm, und es ist sicher auch anstrengend, zumal er die 70 Jahre ja auch schon überschritten hat.

BZ: Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?
Kannen: Für mich ist es eine Bestätigung und Ermutigung, mich weiter bürgerschaftlich und politisch zu engagieren. Mein Herzensanliegen ist es, dass wir gemeinsam in geteilter Verantwortung, als Kommune, Bürgerschaft und professioneller Dienste, Menschen mit Demenz und ihre Familien nicht alleine lassen. Das ist ein oft anstrengender Weg, der auf vielen Ebenen ein Umdenken erforderlich macht. Die Auszeichnung gibt mir Kraft, mit Elan weiterzumachen.

Waltraud Kannen lebt in Ehrenkirchen und ist Geschäftsführerin der Sozialstation Südlicher Breisgau mit Sitz in Bad Krozingen. Seit vielen Jahren setzt sich Kannen für Menschen mit Demenz ein. Sie ist Vorsitzende des Netzwerkes "Freiburger Modell" für Wohnformen für Menschen mit Demenz. Auch ist sie in der Kommunalpolitik aktiv, saß unter anderem für die Grünen im Gemeinderat Ehrenkirchen und im Kreistag.

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