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23. September 2017

Wenn Tafeln zu Tablets werden

Schulen und Lehrer in der Region sollen fit gemacht werden für den digitalen Wandel – das ist gar nicht so einfach /.

  1. Foto: Patrick Seeger

Das Handwerkszeug für Lehrer ändert sich. Schulunterricht soll nicht an der Digitalisierung vorbei stattfinden, die Kreidezeit soll zu Ende gehen. Denn Smartphones, mobiles Internet und Soziale Medien sind längst Teil der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. Neue Technik und Medien sollen auch in den Klassenzimmern zum Einsatz kommen. Damit das geschehen kann, braucht es Schulen mit passender Infrastruktur und Ausstattung – und Lehrer, die wissen, wie man Tablets, Computer und Medien richtig einsetzt.

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und die Stadt Freiburg haben mit dem Kreismedienzentrum (KMZ) eine Einrichtung, die Schulen in Fragen der Digitalisierung berät und fortbildet. Zum einen können sich Schulen an das KMZ wenden, wenn es darum geht, welche Ausrüstung angeschafft werden soll. Wenn viel Geld für neue Geräte ausgegeben wird, soll sichergestellt werden, dass es auch die sind, die auf dem neuesten Stand sind und sich für den Einsatz im Schulbetrieb am besten eignen. Doch der beste Rechner und die schnellste Internetleitung bringen nichts, wenn Lehrer nicht wissen, wie sie vernünftig im Unterricht eingesetzt werden. Deshalb bietet das KMZ keine reine Kaufberatung an, sondern auch Workshops und Fortbildungen. Das können Einführungen sein zum Einsatz von Tablets in Schulklassen, Schulungen für Videoschnittprogramme oder auch Beratungen wie Computer bei der Unterrichtsvorbereitung besser genutzt werden können. "Eine Beratungskompetenz, wie wir sie haben, gibt es in anderen Kreismedienzentren nicht", sagt Sebastian Lorenz, der Leiter des Medienzentrums. In Freiburg und dem Landkreis ist das KMZ Ansprechpartner für 255 Schulen, dazu noch für etwa 400 weitere Einrichtungen der Jugend und Erwachsenenbildung.

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Die Schulen seien sehr unterschiedlich ausgestattet, sagt Lorenz. Einige, etwa die in der Trägerschaft des Landkreises, hätten eine digitale Infrastruktur, die sich sehen lassen könne. In Schulen in Titisee-Neustadt oder in Breisach etwa laufen Pilotprojekte, bei denen Tablets in den Unterricht eingebaut werden. Bei anderen Schulen, besonders Grundschulen, sieht Lorenz Nachholbedarf.

Was es auch braucht, ist die Bereitschaft der Lehrer, sich mit den neuen Medien und deren Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Hier machen Lorenz und seine Kollegen sehr unterschiedliche Erfahrungen. "Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun. Das ist wirklich eine Haltungs- und Einstellungsfrage", sagt Lorenz.

Medienbildung ist

seit 2016 Pflicht

Das stellt auch Darius Pasdar immer wieder fest. Er ist Lehrer, stellvertretender Leiter des KMZ und arbeitet zudem am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (WHRS). Hier werden Referendare für Werkrealschulen, Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Hauptschulen ausgebildet. Seit 2016 ist Medienbildung verpflichtend in den Bildungsplänen der Schulen verankert. Das heißt, Lehrer müssen Schülern in diesem Bereich auch etwas beibringen können. Im Referendariat ist Medienbildung inzwischen fester Bestandteil.

"Wir bilden auch junge Leute aus, die nicht sehr affin sind zum Digitalen", sagt Pasdar. Die kämen im Referendariat teilweise zum ersten Mal in einem professionellen Kontext mit dem Thema Digitalisierung in Schule und Bildung in Berührung. Denn im Studium spiele das nicht unbedingt eine Rolle. "Das müsste aber dringend so sein", sagt Lorenz. Das sieht auch Bernhard Burger so. Er leitet den Fachbereich Informatik am Seminar für Lehrerbildung. Bei der Ausbildung der Referendare werde nicht nur der Einsatz digitaler Medien im Unterricht vermittelt. "Es geht auch um das Lernen über Medien", sagt Burger. Also etwa Themen wie Cybermobbing und Datenschutz in Sozialen Medien. Es gehe auch darum, Referendaren Berührungsängste mit Medien zu nehmen, die mancher Schüler wohl besser bedienen kann. "Man darf Daumenkompetenz nicht mit Medienkompetenz verwechseln", sagt Burger. Benutzen sei das eine, die Bewertung der Inhalte das andere. "90 Prozent der Schüler haben ein Smartphone. Wir sollten es schaffen, dass sie es so nutzen können, dass es für sie einen Mehrwert hat", sagt Pasdar. Jeder Lehrer muss sich damit auseinandersetzen. "Es wird auf uns zukommen – ob wir wollen oder nicht."

Bei der Digitalisierung in den Schulen laufe bereits einiges gut, meinen Burger, Lorenz und Pasdar. Vor allem die Vernetzung der verschiedenen Akteure in der Region diesem Bereich sei hier hervorzuheben. Die Ausstattung vieler Schulen habe sich in den vergangenen zehn Jahren verbessert.

Sie sagen aber auch: Es muss weiter Geld in die Hand genommen werden, um Schulen auszustatten und Lehrer fortzubilden. Dieser politische Wille sei nicht immer gegeben. Zudem brauche es Planungssicherheit, wie mit dem Thema in Zukunft umgegangen werden soll. "Denn dieses Thema wird nie aufhören aktuell zu sein", sagt Lorenz.

Autor: Sebastian Wolfrum