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13. Januar 2012

"Wir leben in einer begnadet schönen Gegend"

BZ-INTERVIEW mit Werner Kästle, der seit fast 40 Jahren Wanderführer für die Region schreibt.

  1. Der Autor Werner Kästle und sein Werk. Foto: Michael Saurer

Wie viele Kilometer er per pedes zurückgelegt hat, weiß Werner Kästle nicht. Seit Jahrzehnten ist der passionierte Wanderer im Breisgau unterwegs. Damit auch andere etwas davon haben, verfasst er seit fast 40 Jahren Wanderführer, die im Freiburger Schillinger Verlag herausgegeben werden. BZ-Mitarbeiter Michael Saurer sprach mit ihm über seine Leidenschaft.

BZ: Sie haben unzählige Wanderführer über die Region geschrieben. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

Werner Kästle: Ich bin von Haus aus Botaniker und habe mit Anderen zusammen seit 1948 ein Naturschutzgebiet am Schönberg betreut und musste dabei sehr viel wandern. Dabei habe ich dann Herrn Schillinger vom Schillinger Verlag kennengelernt und er hat mir gesagt, dass ich doch mal aufschreiben soll, was ich da am Wegrand so sehe. Daraus entstand dann das erste Buch, das heute in der achten Auflage existiert. Bis heute habe ich acht Bücher geschrieben, von denen einige aber schon vergriffen sind. Ich komme ja gar nicht nach mit dem neu bearbeiten.

BZ: Ändert sich denn so viel zwischen den einzelnen Auflagen?

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Kästle: Ja, das ist enorm. Schon nach anderthalb oder zwei Jahren kann man in der Regel keinen Nachdruck mehr machen weil sich so viel verändert hat. Nehmen wir zum Beispiel den Sturm Lothar. Der hat damals unheimlich viele Wege zugeworfen, der Forst musste neue Wege anlegen. Ich muss deshalb für eine Neuauflage alles komplett umschreiben. Auch der neue Wanderführer, der jetzt erschienen ist, wurde von mir komplett neu bearbeitet.

BZ: Wie läuft bei Ihnen die Recherche ab?

Kästle: Zunächst wandere ich mit meiner Frau zusammen die Wege in allen Jahreszeiten immer wieder ab und mache mir dabei Notizen. Ich schaue, ob sich etwas verändert hat, ob zum Beispiel ein neuer Parkplatz dazugekommen ist, eine neue Hütte gebaut wurde oder sich die Beschilderung verändert hat. Ich schaue auch, ob sich der Weg selbst noch im gleichen Zustand befindet wie er ursprünglich war und ob er noch den gleichen Verlauf hat. Im Glottertal sind zum Beispiel sehr viele Wege wegen der Flurbereinigung umgelegt worden.

BZ: In Ihren Büchern beschreiben Sie nicht nur den Verlauf der Wege, sondern geben auch viele Hintergrundinfos.

Kästle: Das ist für mich sehr wichtig. Natürlich wird der Verlauf des jeweiligen Wegs beschrieben. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Frage, was findet der Wanderer geologisch, botanisch und historisch am Weg, seien es jetzt seltene Pflanzen, alte Kapellen oder Kreuze. Der Wanderer soll sich bei der Lektüre fragen: Warum soll ich diesen Weg gehen?

BZ: Wie kommen Sie an Informationen?

Kästle: Ich habe Unmengen an Literatur, vor allem auch an alten Texten. Ich vertraue da nicht auf die Informationen aus dem Internet, sondern schaue lieber in den historischen Quellen und alten Beschreibungen nach. Ich verbringe auch viel Zeit in Archiven, und zuletzt bieten auch viele Dorfchroniken wertvolle Hinweise für meine Arbeit.

BZ: Wissen Sie, wie viele Kilometer Sie in Ihrem Leben gewandert sind?

Kästle: Oh je, viele Tausend waren das auf jeden Fall. Ich bin bei jedem Wetter unterwegs, auch im Winter. Auch zurzeit bin ich wieder am Wandern und recherchiere für ein ganz neues Buch.

BZ: Wollen Sie mehr verraten?

Kästle: Ich arbeite gerade an einem Buch über die Dreisam, von ihren Quellflüssen bis nach Riegel. Alle Wanderwege entlang der Dreisam und sämtliche Seitentäler sollen vorgestellt werden. Das wird so im September 2012 herauskommen.

BZ: Sie schreiben nur über die Region rund um Freiburg. Was fasziniert Sie daran so?

Kästle: Wir leben hier einfach in einer begnadet schönen Gegend. So lange ich noch wandern kann, werde ich in der Region unterwegs sein. Das eine oder andere Buch wartet ja noch darauf, geschrieben zu werden.

Aktuell in sechster Auflage erschienen: Werner Kästle: Wandern, Schauen, Erleben: Freiburger Bucht – Mooswald – Schönberg/Hexental – Schauinsland. Schillinger Verlag, 312 S., 7,50 Euro.

Autor: msr