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19. Mai 2015

Wollen Gemeinden für Familien attraktiv sein, spielt Bürgerbeteiligung eine Rolle

Wollen Gemeinden für Familien attraktiv sein, spielt Bürgerbeteiligung eine Rolle / Müllheim und Friedenweiler Modellkommunen

  1. Kleine Experten: Eine Form der Bürgerbeteiligung kann sein, dass Kinder an der Erfassung von Gefahrenpunkten in ihrer Gemeinde, etwa auf dem Schulweg, aktiv mitmachen. Foto: dpa

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Kinder, die als Experten in eigener Sache an der Erfassung attraktiver Plätze und Gefahrenpunkte in ihrer Stadt mitwirken, Bürgerbeteiligungsverfahren für die Lebensqualität einer Kommune und Schüler, die ihren Schulradwegeplan mitgestalten: Diese Art der Bürgerbeteiligung ist unerlässlich für Kommunen, die angesichts des demografischen Wandels als Wohnort für Familien attraktiv bleiben wollen. Das wurde bei einer Veranstaltung in Müllheim deutlich, zu der der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Bayer eingeladen hatte.

Fünf Referenten, die sich beruflich mit Bürgerbeteiligung und Familienfreundlichkeit befassen, sprachen zum Thema "Platz für Familien – Aktionsräume für Kinder und Jugendliche" fünf Referenten nach Müllheim ein, zudem wurden praktische Beispiele aus dem Kreis aufgezeigt. Zu Beginn stellte Bayer die Studie "Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg 2013" vor. Deren Ergebnis: Bürgerbeteiligung habe nachweisbar in aller Regel positive Auswirkungen, stehe jedoch in Land noch ganz am Anfang. Langfristig komme es darauf an, dass sich die Rollenverhältnisse in Politik, Verwaltung und Bevölkerung verändern. Für Kommunen, die an diesem Prozess teilnehmen wollen, gibt es Unterstützung vom Land. Projektleiter Andreas Reuter stellte das integrierte Managementverfahren "Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune" vor, an dem sich aus dem Landkreis Müllheim und Friedenweiler und weitere 20 Modellkommunen im Land beteiligen.

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Hier entwickeln Projektgruppen aus Gemeinderat, Verwaltung, Bürgern und Wirtschaft Handlungskonzepte für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Gemeinde. Das Land stellt hierfür professionelle externe Prozessbegleiter bereit, finanziert Exkursionen und informiert über Fördermöglichkeiten. Bei erfolgreichem Verlauf erhält die Modellkommune ein Gütesiegel. Im Juli, so Reuter, würden weitere 20 Kommunen für die Teilnahme am Managementverfahren ausgewählt, er rechne mit 200 Bewerbern.

Werkstätten zu verschiedenen Themen

Marion Kampmann, Müllheims Fachbereichsleiterin für Ehrenamt, Senioren, Integration, erzählte von diesem Prozess mit Bilanz-, Zukunfts- und Strategiewerkstatt. Im April 2015 wurden die Projektvorschläge, darunter der Aufbau einer Ehrenamtsbörse und die Erstellung eines Mobilitätskonzepts, dem Gemeinderat präsentiert, jetzt geht es um Überprüfung, Umsetzung und Einbindung ins Leitbild "Müllheim 2030". Auch Friedenweiler mit seinen 1900 Einwohnern gehört zu den Modellkommunen. Bürgermeister Josef Matt stellte fest, dass dort zu viele Werkstätten und zu abstrakte Themen weder bei Bürgern noch Verwaltungskräften ankämen, dafür gebe es drei Werkstätten zu konkreten Themen wie etwa einer Ganztagsgrundschule.

Frank Awender vom Kobra-Beratungszentrum Kandern und Bad Krozingens Bauamtsleiter Paul Kopp informierten über Kinderstadtpläne und digital abrufbare Schulradwegpläne. Hier werden Kinder und Eltern mit einbezogen. Laut Awender hätten durch bessere Kommunikation der Beteiligten bereits einige Gefahrenpunkte für Kinder im Straßenverkehr schnell und einfach entschärft werden können.

Professor Peter Höfflin von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg erläuterte die Studie des Deutschen Kinderhilfswerks "Raum für Kinder". Hier geht es um Bedeutung und Zugänglichkeit öffentlicher Spielräume. Wie sich zeigte, spielen Kinder 108 Minuten am Tag unbeaufsichtigt auf Straßen, die als Spielräume nutzbar sind. Diese gibt es vorwiegend in wohlhabenden Wohngebieten. Da in weniger privilegierten Quartieren bereits ein Limit auf Tempo 30 die Spieldauer um mehr als das Zweifache verlängern kann, sei das Engagement von Politik und Bürgern gefragt. Wie Höfflin sagte, ist das Recht auf Erhalt oder Schaffung einer kinder- und familienfreundliche Umwelt im Sozialgesetzbuch verankert.

Autor: Silke Hartenstein