"Orientierungsphase ist jetzt rum"

Marius Alexander

Von Marius Alexander

Sa, 05. Januar 2019

Kreis Emmendingen

Für die Integration von Geflüchteten ist das Zusammenspiel von ehrenamtliche Helfern und Hauptamtlichen ein Fixpunkt geblieben.

EMMENDINGEN. Die Integration von Geflüchteten ist nach wie vor eine große Aufgabe, hat sich jedoch auf neue Ebenen verlagert. Die Art der Arbeit hat sich gewandelt. Das stellen auch Utta Link und Uwe Honecker von der Servicestelle des Diakonischen Werks und des Caritasverbands fest. Die im Jahr 2015 zum Höhepunkt des Zustroms von Flüchtlingen eingerichtete Stelle hatte vornehmlich die Aufgabe, zwischen ehrenamtlichen Helfern der Freundeskreise und amtlichen Stellen als Vermittler zu fungieren. Das bleibt, ist aber erweitert worden.

Beide Verbände, die die Servicestelle "Ehrenamtliche unterstützen Geflüchtete" zu hundert Prozent finanzieren, werden auch künftig an diesem Knotenpunkt der Integrationsarbeit aktiv sein. Der Caritasverband hat seine "Werkstatt Integration" vom 1. Januar an auf die nächsten fünf Jahre angelegt. Das Diakonische Werk hat sich erstmals auf drei Jahre festgelegt, wobei Utta Link einen Teil der Aufgaben von Detlev Theobald, der bisher für den evangelischen Kirchenbezirk als Beauftragter für Flucht und Migration zuständig war, übernommen hat und seit dem 1. November des vergangenen Jahres auch die Kontakte zu den Kirchengemeinden pflegt.

Die Arbeit wird heute, wie Uwe Honnecker berichtet, viel weniger als noch vor einigen Jahren von Asylanträgen bestimmt. Fragen nach bezahlbarem Wohnraum und Probleme der Familienzusammenführung seien beispielsweise in den Vordergrund gerückt. Noch immer sei der Nachzug von Familienmitgliedern von extrem langen Wartezeiten geprägt oder − gerade bei erwachsenen Kindern, die das Herkunftsland bislang nicht verlassen konnten − mit riesigen Unwägbarkeiten verknüpft.

Geändert hat sich auch die Art der Unterstützung in den Helferkreisen. Manche von ihnen haben sich ebenso aufgelöst wie die großen Unterkünfte, stellt Utta Link fest. Vieles, was beispielsweise im regelrecht institutionalisierten Rahmen eines Begegnungscafés abgelaufen sei, stelle heute eher eine Ausnahme dar, ergänzt Uwe Honnecker. Nach Beobachtung von Utta Link hat sich Einiges in den privaten Bereich in "Eins-zu-Eins-Kontakte" verschoben. Dabei gehe es um ganz konkrete Dinge wie den Erwerb eines Gabelstapler-Führerscheins. Oder − wie in Wyhl, wo Utta Link "ganz tolle Berichte" registriert hat − um Sprachkompetenzen, die in kleinen Gruppen vermittelt werden. Uwe Honnecker räumt jedoch ein, dass es auch herbe Enttäuschungen gegeben habe.

Parallel zu Veränderungen auf der Seite der Freundeskreise seien inzwischen in zahlreichen Kommunen Stellen für Integrations-Manager oder Integrations-Beauftragte eingerichtet worden − die wohl tendenziell angesichts des Rückgangs der Zuwanderung wieder abgebaut werden könnten. Dennoch sagt Utta Link: "Das Hauptamt ist gewachsen." Inzwischen sei ein "Riesennetzwerk" entstanden, zu dem als Akteur natürlich auch das Job-Center zähle. Generell gelte: "Der Austausch von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ist ganz wichtig." Dafür sei zweifelsfrei die Bereitschaft auf beiden Seiten groß. Einzig an Zeit mangele es immer wieder. Und an Punkten, an denen es schwierig wird, will die Service-Stelle auch künftig die Rolle eines Vermittlers übernehmen, sagt Uwe Honnecker. Mit Blick auf den Wandel der Integrationsarbeit fügt er an: "Viele Geflüchtete sind auch Ehrenamtliche, die sich gegenseitig helfen." Als Basis dafür habe er "wahnsinnig viel Solidarität in den Unterkünften" erlebt. Deshalb sollte seiner Meinung nach die Frage: "Wie ist der Blick der Geflüchteten auf eine bestimmte Sache?" noch viel stärker in den Vordergrund gerückt werden. Das, ist Utta Link überzeugt, entspräche der Emanzipationsbewegung der Geflüchteten. Denn: "Die Orientierungsphase ist jetzt rum." Dennoch bleibe die Grundsatzfrage: "Wer ist für was zuständig?" Die Ehrenamtlichen jedenfalls, ist Uwe Honnecker überzeugt, wüssten ganz genau, was sie tun (wollen). Gleichwohl zähle auch Ausgrenzung und Rassismus zum erlebten Alltag.

Info: In den Helfer- und Freundeskreisen werden immer wieder Mitstreiter gesucht. Kontakte stellen Utta Link (E-Mail: link@diakonie-emmendingen.de) und Uwe Honnecker (E-Mail: uwe.honnecker@caritas-emmendingen.de) her.