Ein Museum für den Finstergrund

Heiner Fabry

Von Heiner Fabry

Do, 07. Dezember 2017

Kreis Lörrach

Die Rolle des Bergbaus am Oberrhein soll auch durch das Besucherbergwerk in Wieden stärker gewürdigt werden.

WIEDEN. Der Bergmannsverein Finstergrund setzt sich dafür ein, dass im Oberen Wiesental und in der Oberrheinebene Bergbau-Kulturerbestätten erhalten und der Bevölkerung in ihrer Bedeutung näher gebracht werden. "Es liegt uns am Herzen, die historisch und industriegeschichtlich bedeutsamen Zeugnisse mehr ins Bewusstsein unserer Mitbürger zu heben und das Interesse für einen wichtigen Aspekt unserer Geschichte auch grenzüberschreitend zu erhöhen", erklären Martin Wietzel und Peter Wegstroth.

Seit dem 13. Jahrhundert ist der Bergbau in der Region zwischen Todtnau, dem Münstertal und dem Oberen Wiesental nachweisbar. Zuerst wurde vornehmlich Erz – Silber und Blei – abgebaut, später entwickelte sich die Grube Finstergrund zu einem der bedeutendsten Fluss- und Schwerspatwerke im Schwarzwald. Seit mehr als 40 Jahren kümmert sich der Bergmannsverein um den Erhalt der historischen Grube Finstergrund, in der seit 1982 ein Besucherbergwerk eingerichtet ist.

Der Bergmannsverein betreibt und unterhält das Besucherbergwerk mit mehreren tausend ehrenamtlichen Stunden und trägt so wesentlich zur Information über die bedeutsame montanhistorische Erinnerung der Region bei. Mit der Förderung von Erhalt und Ausbau der Grube Finstergrund ist der Bergmannsverein auch auf der trinationalen und europäischen Ebene aktiv. "Die Phase des Bergbaus im Schwarzwald und in der Oberrheinebene hat eine bedeutsame – auch internationale Dimension, die in der Bevölkerung noch nicht entsprechend gewürdigt wird. An der Verbesserung dieser Situation wollen wir mit befreundeten Einrichtungen arbeiten", erläutert Peter Wegstroth die Zielsetzung des Bergmannsvereins.

Der Bergmannsverein hat derzeit eine ganze Reihe von Projekten am Laufen. So wird im Bergwerk Finstergrund seit 2016 der Stollen 4 ertüchtigt. 2015 wurde festgestellt, dass der Wetterstrom, also die natürliche Frischluftversorgung des Stollens, durch verschüttete Rolllöcher (schachtartige Verbindungen) gestört ist. Mit dem Projekt Stollen 4 soll dieses Problem behoben werden. Nach dem ersten Spatenstich im August 2016 wurde das "Mundloch" zum Stollen 4 aufgebaggert. Heruntergebrochenes loses Material wurde entfernt. Der Stollenausbau wurde bislang auf 45 Meter Länge mit Türstöcken aus Stahl gesichert.

Neben den Silberbergwerken Grube Caroline in Sexau und Grube Erich in Waldkirch-Suggental nimmt Finstergrund am Interreg-V-Programm teil. Baden-Württemberg verfolgt bei diesem RegioMineralia-Projekt das Ziel, die Vernetzung der Besucherbergwerke voranzutreiben. Aus dieser Projektarbeit sollen auch ein historischer Atlas der metallgewinnenden Industrie und eine große Ausstellung entstehen. Zusammen mit der Geschäftsstelle Biosphärengebiet arbeitet der Bergmannsverein in Kooperation mit den Gemeinden Utzenfeld und Wieden an der Planung eines neu zu schaffenden Bergbaumuseums am Finstergrund.

Bei einem Bergbau-Workshop in Utzenfeld Ende November sprach Harald Lais von einer "Hochburg des Bergbaus im Oberen Wiesental", das es unbedingt zu erhalten und besser der Öffentlichkeit zu vermitteln ist. Wolfgang Werner vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg, verwies in seinem Vortrag an dem gleichen Workshop darauf hin, dass es im Gebiet zwischen Freiburg und dem Hochrhein – auch im Oberen Wiesental – weitere Mineral-Lagerstätten gibt, die in der Zukunft durchaus für eine industrielle Verwertung in Frage kommen können.

Sonderführungen: Von November bis April hat das Bergwerk Finstergrund nicht regulär geöffnet, jedoch sind Sonderführungen auf Anfrage (E-Mail: info@finstergrund.de) möglich. http://www.finstergrund.de