Es ist nur eine Frage der Zeit

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Sa, 12. Juli 2014

Kreis Lörrach

Dass Wölfe in die Region kommen, ist für Sabine Häring klar; Grund für Ängste sei das aber nicht.

LÖRRACH. Baden-Württemberg gilt als "Wolfserwartungsland". Nach Nordostdeutschland sind in den vergangenen Jahre Wölfe eingewandert, auch in den Vogesen und in der Schweiz wurde welche festgestellt. Da Wölfe große Strecken zurücklegen können, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis einzelne Tiere oder Rudel auch in der Region auftauchen. Der Naturschutzbund Nabu betreibt deswegen Aufklärung und hat zu einem Vortrag ins Dreiländermuseum eingeladen, zu dem rund 70 Besucher kamen.

Referentin Sabine Häring ist Wolfsbotschafterin beim Nabu. "Es kann sein, dass wir schon ein paar Monaten Wölfe hier haben", sagte sie. In der Steinzeit waren Mensch und Wolf Jagdgefährten, berichtete sie. Erst als der Mensch sesshaft wurde, entwickelte sich Konkurrenz. Das Bild des Menschen vom Wolf verschlechterte sich zunehmend, bis er in einem Universallexikon von 1758 als "das schädlichste Geschöpf Gottes" bezeichnet wurde. Märchen vom bösen Wolf schlugen in dieselbe Kerbe. 1907 wurde der letzte Wolf in Deutschland erlegt.

Nach der Öffnung des Ostblocks sind Wölfe aus Polen nach Ostsachsen und Südbrandenburg eingewandert. Von 28 Rudeln und drei Einzelwölfen in Deutschland geht man derzeit aus. Wölfe, die in der Schweiz und den Vogesen festgestellt wurden, gehören zur französisch-italienischen Population. Um den Genpool aufzufrischen, wäre eine Vereinigung der Populationen wünschenswert.

Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen, EU-Recht und deutschem Artenschutz stehen Wölfe unter Schutz und dürfen nicht gejagt werden. Dennoch gab es bereits 17 illegale Abschüsse in Deutschland, 53 Wölfe wurden im Straßenverkehr getötet. Wölfe haben keine natürlichen Feinde. Dennoch muss der Mensch nicht regulierend eingreifen, da sich die Population durch hohe Welpensterblichkeit, Krankheiten oder Verkehrstod selbst regeln. Zudem müssen erwachsen gewordene Wölfe abwandern und sich ein eigenes Revier suchen. Das ist in 200 bis 250 Quadratkilometern groß.

Der Wolf ernährt sich vor allem von Rehen, Hirschen oder Wildschweinen. Für den Menschen bedeutet der Wolf keine Gefahr, stellte Sabine Häring fest. Wölfe sind vorsichtig und gehen Menschen aus dem Weg. Seit 14 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland; ein Mensch wurde in dieser Zeit nicht angegriffen. Überhaupt gab es in den vergangenen 50 Jahren in ganz Europa lediglich neun Angriffe von Wölfen auf Menschen. In fünf Fällen war dafür die Tollwut Ursache, die seit 2008 in Deutschland nicht mehr vorgekommen ist; zu den vier anderen Angriffen kam es durch Anfüttern der Wölfe. Deshalb darf man einen Wolf niemals füttern, bei einer Begegnung ruhig bleiben, aber Respekt vor dem Tier haben. Freilaufende Hunde laufen jedoch Gefahr, dass der Wolf sie als Eindringlinge in sein Revier sieht und angreift. Nutztiere stehen eher nicht auf dem Speiseplan des Wolfes, können aber unter Umständen eine leichte Beute sein. Deshalb müssen insbesondere Schafe oder Ziegen durch Zäune, auch Elektrozäune, sowie durch Herdenschutzhunde geschützt werden. Auch für die Jagd sieht Sabine Häring kein Problem, zumal der Wolf vor allem junge, kranke und verletzte Tiere frisst.