Integration mit Pinsel und Farbrolle

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Mi, 31. Mai 2017

Kreis Lörrach

Bbv Akademie und Diakonisches Werk qualifizieren junge Flüchtlinge als Malergehilfen.

LÖRRACH. Weiße Kittel, weiße Hosen: Auf den ersten Blick wirken sie wie gestandene Maler. Die zehn jungen Männer, die in Räumen der Lörracher bbv Akademie am Dienstagnachmittag mit Pinsel und Farbrolle hantieren, stehen freilich noch ganz an Anfang: Vor zwei Wochen haben die Flüchtlinge einen Kurs begonnen, in dem sie erste Erfahrungen im Metier des Malers sammeln, um anschließend als Gehilfen arbeiten zu können.

Die sechswöchige Basisqualifikation, der sich ein zweiwöchiges Betriebspraktikum anschließt, ist ein Angebot des Projektverbundes Baden "Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge", finanziert über den Europäischen Sozialfonds und betreut von Marita Bonaventura vom Diakonischen Werk im Landkreis Lörrach. Vormittags lernen die jungen Männer aus Gambia, Syrien, Afghanistan und Libyen Deutsch. Dazu gehören auch berufsbezogene Begriffe, erläutert Andreas Schleeh. Nachmittags wird’s praktisch: Mehrere Räume sind beim Pressebesuch bereits fachmännisch abgeklebt. Mit Pinsel und Rolle dürfen zunächst diejenigen ran, die Erfahrungen haben. Vier Teilnehmer haben nämlich schon in ihrer Heimat gepinselt. "An der deutschen Genauigkeit hapert es noch", räumt Ausbildungsleiter Rudolf Siebold schmunzelnd ein.

An der Motivation hingegen mangle es den Teilnehmern nicht im Geringsten, pflichtet er Schleeh bei. "Sie wollen lernen und vorankommen." Die größte Hürde ist dabei die Sprache. Für Vorbereitungsklassen an der Gewerbeschule sind die jungen Männer teilweise zu alt; auf Integrationskurse haben sie mit einer Ausnahme keinen Anspruch, weil sie aus Ländern mit ungewisser Bleibeperspektive kommen. Um die Chancen zu verbessern, setzt der Kurs auf die Kombination aus Arbeit und Sprache. "Das funktioniert erfahrungsgemäß am besten", weiß Christina Hopfner, Leiterin des Fachbereichs Migration bei der Diakonie.

Thematisch orientieren sich die Kurse am Bedarf: Vergangenes Jahr betreute Marita Bonaventura eine Qualifizierung zur Küchenhilfe. Gerne würde sie auch im Pflegebereich etwas anbieten. Für die Malergehilfen sucht sie noch geeignete Praktikumsplätze. Bestenfalls bewähren sich die Flüchtlinge dort so gut, dass sie in Arbeit übernommen werden. Nach einem Jahr im Betrieb und entsprechenden Deutschkenntnissen wäre eine Ausbildung das große Ziel. Und wenn sie abgeschoben werden? "Dann nehmen aus Deutschland wenigstens diese Grundkenntnisse mit in ihre Heimat."

Kontakt: Marita Bonaventura, E-Mail:

Marita.Bonaventura@diakonie.ekiba.de