Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. September 2015

Klarinettisten auf Rekordjagd

370 Bläserinnen und Bläser spielten auf dem Basler Theaterplatz gemeinsam als Orchester.

  1. Klarinettisten, soweit das Auge reicht: der Basler Theaterplatz bei dem Kurzkonzert. Foto: Steffen Dapperheld

BASEL. Ob es tatsächlich zu einem Eintrag im Guinness Buch der Rekorde reicht, erfahren die Organisatoren wohl erst in einigen Wochen; rekordverdächtig war das Orchester, das am Wochenende auf dem Basler Theaterplatz aufgetreten ist, allemal: 370 Klarinettistinnen und Klarinettisten musizierten dort gemeinsam. Allein aus Deutschland hatten sich rund 90 Bläser angemeldet.

Hintergrund der Rekordjagd ist der Umstand, dass der Schweizer Blasmusikverband 2015 zum Jahr der Klarinette erklärt hat. Er möchte möglichst viele Menschen dazu bewegen, dieses Instrument zu erlernen oder wiederzuentdecken. Im Blasorchester wird die Klarinette für einen ausgewogenen Gesamtklang chorisch eingesetzt; entsprechend viele Spielerinnen und Spieler benötigen die Musikvereine in Stadt und Land. Die Stadtmusik Basel griff das auf und rief als Basler Beitrag zum Klarinettenjahr unter dem Titel "The Largest Clarinet Orchestra" Bläserinnen und Bläser im Dreiländereck dazu auf, für ein kurzes Konzert auf dem Theaterplatz das weltgrößte Klarinettenorchester zu formieren. Mehr als 321 waren erforderlich, um den bestehenden Rekord aus den USA zu brechen. Und die Angesprochenen kamen – nicht nur aus der Nordwestschweiz, dem Elsass und Südbaden, sondern sogar aus Liechtenstein, Düsseldorf und Marseilles. 280 hatten sich aus der Schweiz angemeldet, etwa 80 aus Frankreich und 90 aus Deutschland. Exakt 370 fanden sich dann auf dem Platz ein, darunter Sabina Dapperheld. "Das war ein einmaliges Erlebnis", sagt die 58-Jährige, die erst vor vier Jahren zu dem Instrument gefunden hat, begeistert. Solch eine Stimmung treffe man selten an.

Werbung


Blasmusik kennt keine Grenzen

Gemeinsam mit drei Registerkolleginnen und zwei -kollegen aus dem Musikverein im Weiler Stadtteil Haltingen spielte sie in dem Riesenklarinettenorchester mit. "Wir haben das richtig genossen", erzählt Sabina Dapperheld.Der Stadtmusik Basel bescheinigt sie eine hervorragende Organisation. Diese war auch erforderlich. Denn die Vorgaben des Guinness Buchs der Rekorde sind streng. 29 Seiten umfasste das Regelwerk, berichtet Philipp Wagner. Der Dirigent der Stadtmusik Basel dirigierte das riesige Klarinettenorchester unter anderem beim Wettstein-Marsch, beim "Läggerli" und bei "Salsa Suspension" von Peter Kleine Schaars. Gegenüber musikalischen Massenauftritten hat der Kommandant der Schweizer Militärmusik seine Vorbehalte. "Meist versucht da jeder so laut wie möglich zu spielen", weiß er von zahlreichen Musikfesten. Um so mehr staunte Wagner, wie präzise und dynamisch das 370-köpfige Orchester mit der ganzen Familie des Instruments von der kleinen Es- bis zur gewichtigen Kontrabassklarinette musizierte und zuvor nur einmal in einer Turnhalle in der Nachbarschaft geprobt hatte. "Das wäre mit Trompetern kaum möglich gewesen", lobte der musikalische Leiter sein Orchester nach einem knapp halbstündigen Auftritt. Wagner muss es wissen: Er ist selbst studierter Trompeter.

Einen nationalen Sieg hat das Basler Orchester auf jeden Fall errungen: Mit 370 hat es eine vergleichbare Aktion in Luzern im Mai mit 330 bis 340 Musikern klar übertrumpft. Das erstaunt insofern ein wenig, als die Innerschweiz als Blasmusikhochburg gilt. Die Basler machten das mit blasmusikalisch begeisterten Nachbarn im angrenzenden Ausland mehr als wett.

Autor: Daniel Gramespacher