KRITIK IN KÜRZE

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 17. Januar 2019

Klassik

Vier Violinen im Augustinermuseum

Vier? Oder gar nur zwei – wie in Charles-Auguste de Bériots Duo Concertante op. 107? Es klingt jedenfalls nach deutlich mehr Instrumenten beim Kammermusikabend mit vier Violinisten des SWR-Symphonieorchesters im voll besetzten Freiburger Augustinermuseum. Denn der Schauplatz, das ehemalige Kirchenschiff der Klosterkirche, wartet mit einer geradezu majestätischen Akustik auf – knapp drei Sekunden Nachhall. Für die Interpreten Geschenk und Last gleichermaßen. Letzteres, weil sie gerade im polyphonen Bereich um Durchsichtigkeit bemüht sein müssen. Umgekehrt, wie eben in Bériots geradezu orchestral gesetztem Duo, verstärkt die Akustik die Wirkung. Beides funktioniert hervorragend. Jermolaj Albiker und Michael Dinnebier realisieren den an Paganini orientierten Virtuosengestus in Bériots Duo in höchster klanglicher Brillanz. Das von Doppelgriffen dominierte Seitenthema im ersten Satz, flankiert von vertrackten Begleit-Os tinati, suggeriert höchste orchestrale Klanglichkeit: Das ist große Oper mit zwei Violinen. Aber auch in der "reinen Lehre", der barocken Polyphonie eines Georg Philipp Telemann, schaffen die Interpreten eine optimale Raum-Klang-Symbiose. Alexander Knaak und Jing Siefert-Wen spinnen zusammen mit den beiden Genannten das Allegro-Thema des ersten Satzes nach allen Regeln der Kunst fort, die jeweils dominierende Stimme kann sich klar behaupten. Das für das Finale des von Michael Dinnebier charmant moderierten Abends reservierte Quartett für Violinen der Polin Grazyna Bacewicz (1909–1969) markiert einen abermaligen Höhepunkt: Das dreisätzige Werk der Geigerin ist gespickt mit reizvollen thematischen Einfällen und Kontrapunkten – da werden sogar die Pizzicati zum Ereignis!