KRITIK IN KÜRZE

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mo, 10. Dezember 2018

Theater

Kabarett: Tino Bomelino im Freiburger Vorderhaus

Der Mann braucht eine Leinwand, eine Loopstation, ein Keyboard und eine Gitarre auf der Bühne des Freiburger Vorderhauses. Auf der Leinwand tauchen seine eigenen Sätze auf, seine witzigen Zeichnungen, aber auch Tiervideos oder kleine Filmchen, etwa wie er in einem aufgeblasenen grünen Ganzkörperkostüm als Irritiermann durch Innenstädte läuft. Wer in Tino Bomelinos erstem Soloprogramm "Man muss die Dinge nur zu Ende" einen roten Faden sucht, wird ihn nicht finden. Lustig ist’s trotzdem – meist jedenfalls. "Ich kann machen, was ich will", ist Bomelinos Credo. Klar, die Zuschauer haben gezahlt, um ihn zu sehen. Das haben sie nun davon. Mit einem Programm von zweimal 45 Minuten hat sich der Informatiker, Jahrgang 1985, viel vorgenommen. Sein feiner Wortwitz ist durch den Poetry-Slam geschliffen, und wenn’s gut läuft, erinnern sein anarchischer Humor und auch seine Musikalität an Helge Schneider. Das mit der Loopstation aufgepeppte Lied über die Temperatur etwa oder die Nummer, in der er Lautsprecheransager bei der Bahn ist, sind auf sehr unspektakuläre Weise überzeugend. Manchmal allerdings sind die Geschichten, die er erzählt, oder die Filme, die er zeigt, zu banal und spätpubertär. Den Draht zu seinen Zuschauern stellt Bomelino auf sympathische Art her – zwei Frauen aus dem Publikum hat er sich herausgesucht und kommt mehrfach auf sie zurück, ohne sie bloßzustellen. Vor der Pause bittet er die Zuschauer, einen Zettel auszufüllen, aus den Antworten macht er in der zweiten Hälfte ein Lied. Das überwiegend junge Publikum wird nichts dagegen haben, wenn Bomelino weiter die Kabarettbühnen und das Netz mit seinem schlagfertigen Witz bespielt.