Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. November 2016

Aufregend unaufgeregt

Das Trio Phronesis bot im Burghof in Lörrach einen Abend voll feinstem Jazz.

  1. Bass, Piano und Drums verschmelzen zu einem Klang. Foto: Manuel Fritsch

Als die drei Musiker zur Bühne laufen, bemerkt es erst einmal niemand. Es braucht ein so schüchternes wie belustigtes "Hallo" von Seiten des dänischen Bassisten Jasper Høibys, um doch noch mit Applaus die Bühne betreten zu können. Unaufgeregt ist der Auftritt von Phronesis von der ersten Minute an.

Dann legt das Trio los und entführt die nur rund 30 Zuschauer, die diesen Abend im Burghof sind, in eine Klangwelt aus Barjazz, heftigen Rhythmen, schweißtreibenden Soli und experimentellen Geräuschkulissen. In der klassischsten aller Jazz-Besetzungen – Piano, Bass, Drums – steht das Trio seit inzwischen zehn Jahren auf internationalen Bühnen. Und diese Jahre der gemeinsamen Erfahrung hört man. Fein aufeinander abgestimmt hebt sich mal der eine, mal der andere in den Vordergrund, spielt aufsehenerregende Soloparts, um dann mit seinen Kollegen zusammenzufinden, dort, wo sie am stärksten sind. Wenn alle drei gleichberechtigt miteinander einen Klang erzeugen, der dicht und akkurat, melodisch und experimentell zugleich ist.

Selbst die oft etwas drögen Schlagzeugsoli sind an diesem Abend aufregend. Anton Eger spielt mit vollem Körpereinsatz, schneidet Grimassen, fuchtelt mit den Beinen in der Luft, wechselt allein in den ersten vier Stücken viermal sein Schlagwerkzeug und liefert eine Klangvielfalt, die man am Schlagzeug oft vermisst. Mal rührig zurückhaltend, dann industriell krachend. Nie übertönt er dabei die anderen Instrumente, ist aber auch nicht bloßer Taktgeber, sondern kommt zur eigenständigen instrumentellen Entfaltung, ohne den Zusammenhang mit seinen Kollegen auch bloß zeitweise zu verlieren.

Werbung


Auf der anderen Seite der Bühne bietet Ivo Neame am Piano den Kontrapunkt zu seinem quirligen Kollegen. Fast entrückt ist er in die Tasten vertieft, arbeitet konzentriert an Melodielinien, schnellen Läufen und kraftvollen Rhythmen. Gegen Ende dreht auch er noch einmal auf und bearbeitet sein Instrument so kräftig und virtuos, dass es ihn kaum mehr auf dem Stuhl hält.

Zwischen beiden vermittelt Jasper Høiby am Kontrabass, sucht stetig Augenkontakt zu den Kollegen und hält das Trio über eineinhalb Stunden zusammen. Auch sein Bass dient nie nur zur Untermalung, sucht immer eigene Wege, mal groovend, mal traurig schnurrend, mit dem Bogen gestrichen. Seine Soloparts zeigen rhythmisches Feingefühl und Fingerfertigkeit, sehr schön auch sein Dialog mit dem Piano, in dem man spürt, wie gut die Musiker aufeinander abgestimmt sind. "Seit zehn Jahren spielen wir zusammen", sagt Høiby. "Seit zehn Jahren glauben wir an den Jazz."

Davon, dass das Foyer nur zur Hälfte gefüllt ist, lässt er sich nicht weiter beeindrucken. "Ein kleines Publikum, aber ein großartiges Publikum", so Høiby. Dieses revanchiert sich trotz der familiären Atmosphäre mit lauten Zustimmungsbekundungen. Nach gut eineinhalb Stunden verlassen die drei Musiker die Bühne endgültig, um sich am Plattenstand noch mit einigen Zuhörern auszutauschen. Ein gelungener Abend mit feinstem Jazz auf der Höhe der Zeit.

Autor: Manuel Fritsch