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02. Januar 2009

"Die fetten Jahre sind für uns vorbei"

BZ-INTERVIEW: SWR-Intendant Peter Boudgoust setzt auf mehr Kooperation innerhalb der ARD und mit Verlagen im Online-Bereich

Neuer ARD-Vorsitzender für die nächsten beiden Jahre ist seit gestern der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Boudgoust. Bettina Wieselmann sprach mit ihm über nötige Reformen und die neue Gebührenerhöhung.

BZ: Seit gerade anderthalb Jahren sind Sie Intendant des Südwestrundfunks. Lastet Sie diese Aufgabe nicht richtig aus, oder was reizt am ARD-Vorsitz?
Peter Boudgoust: Die ARD ist auch eine Solidargemeinschaft, wenn einen ein solcher Ruf ereilt, muss man schon sehr, sehr gute Gründe haben Nein zu sagen. Das kommt zwar alles ein bisschen früh, aber wir schaffen das.
BZ: Was kann, was muss denn die ARD – für viele die Abkürzung für "alle reden durcheinander" – vom SWR lernen?
Boudgoust: Wir verstehen uns nicht als Lehrmeister und haben auch nicht den Ehrgeiz, jetzt die Blaupause für alle anderen abzuliefern. Aber der SWR ist hochrespektiert in der Gemeinschaft. In den zehn Jahren seines Bestehens hat er seine wirtschaftliche Situation stark verbessert. Wir haben viel rationalisiert und sind auch programmlich stärker geworden. Wir haben immer wieder herausragende Stücke in das Gemeinschaftsprogramm eingebracht, wie zuletzt "Mogadischu", von unabhängigen Kritikern als das Fernsehereignis im Jahr 2008 bezeichnet.

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BZ: Dann sind Sie ja prädestiniert, den schwerfälligen Tanker ARD etwas flotter zu machen. Zu tun gibt es doch genug.
Boudgoust: Ich werde zu tun haben, aber man darf die Rolle auch nicht mit der eines Vorstandsvorsitzenden verwechseln. Die ARD ist eine Arbeitsgemeinschaft gleichberechtigter Rundfunkanstalten.
BZ: Sie wollen aber nicht nur koordinieren?
Boudgoust: Nein. Ich habe mir vorgenommen, die komplizierten Entscheidungsstrukturen zu vereinfachen. Wir müssen unbedingt schneller werden. Und wir müssen in Zukunft noch intensiver zusammenarbeiten.
BZ: Weniger Rundfunkanstalten könnten im Ergebnis mehr sein. Der Saarländische Rundfunk oder Radio Bremen sind teure Kleinsender.
Boudgoust: Fusionen führen, wie auch die Wirtschaft lehrt, nicht zwingend zu wirtschaftlichen Verbesserungen. Kooperationen aber sind nützlich, wie unsere intensive Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk zeigt. ARD-weit sind da noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
BZ: Zum Beispiel?
Boudgoust: Wir müssen fortsetzen, was wir im Radiobereich zum Beispiel erfolgreich mit dem Radio-Tatort oder dem Kultursommer begonnen haben. Ich kann mir vorstellen, dass wir verstärkt zu arbeitsteiligen Kooperationen kommen.
BZ: Die Hörspielproduktion beispielsweise kommt dann nur noch aus einer einzigen Anstalt?
Boudgoust: Oder einigen. Ich werde für solche Kooperationen werben, denn wirtschaftlich wird die Luft dünner für uns. Die fetten Jahre sind vorbei.
BZ: Wer soll das glauben? Am 1. Januar ist der Zwangsobolus auf 17,98 Euro im Monat angestiegen. 7,6 Milliarden Euro haben ARD und ZDF im Jahr allein an Rundfunkgebühren zur Verfügung.
Boudgoust: Davon bekommt die ARD umgerechnet 41 Cent am Tag und dafür bekommen die Gebührenzahler sehr viel gute Angebote im Fernsehen, Radio und Internet. Die Erhöhung liegt unter der medienspezifischen Teuerungsrate und sogar unter der allgemeinen Inflationsrate. Das zwingt uns zu Budgetkürzungen.
BZ: Wäre eine Programmkonzentration nicht ein taugliches Mittel, um zu sparen? Warum muss es die neuen digitalen ARD-Fernsehsender wie zum Beispiel einsplus, einsfestival und einsextra geben?
Boudgoust: Das kostet nicht sehr viel Geld, weil wir schon erstellte Inhalte mehrfach nutzen können. Es geht nicht um Expansion. Wir reagieren damit auf die völlig veränderte, individualisierte Mediennutzung. Immer mehr Menschen wollen zeit- und ortsunabhängig Informationen abrufen können. Wenn wir für sie keine digitalen Angebote vorhalten, verlieren wir sie.
BZ: Die Akzeptanz der Rundfunkgebühren schwindet gleichwohl. Warum überlassen Sie die Werbung nicht den privaten Programmen? Das wäre doch ein Alleinstellungsmerkmal, das Gebühren rechtfertigte.
Boudgoust: Wir unterscheiden uns von den Privaten in erster Linie durch unsere Inhalte. Qualität ist unser Maßstab. Was die Leute wirklich stört, ist die Unterbrecherwerbung, die aber gibt es bei ARD und ZDF nicht.
BZ: Politisch ist der Streit mit den Verlagen um öffentlich-rechtliche Online-Anbote durch den Rundfunkstaatsvertrag beigelegt. Wollen Sie immer noch kooperieren?
Boudgoust: Ich bin zuversichtlich, dass alle Beteiligten wieder aus ihrer Ecke herauskommen. Wir sollten prüfen, was bringt Vorteile für beide Seiten. Wir wollen mit unseren Inhalten möglichst viele Menschen erreichen. Wenn über Online-Seiten der Verlage bewegte Bilder von uns genutzt werden können, hilft das den Verlagen Kosten zu sparen und stärkt insgesamt den Qualitätsjournalismus.
BZ: Darf der Gebührenzahler endlich wieder mit festen Anfangszeiten für die Tagesthemen rechnen?
Boudgoust: Ich sehe das Problem und setze auf eine Lösung noch im ersten Halbjahr.