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01. April 2010

Die Kreatur verstehen

Zeichnungen und Skulpturen von Johannes Beyerle zum Theaterprojekt "Grauses Wagen der Hingabe" in der Alten Schule Vogelbach.

  1. Johannes Beyerle und sein Pferdekopf aus Stein, Lehm und Stroh Foto: Frey

Die rauen Felswände, die zarte Andeutung eines Pferdekopfes, der Umriss von Figuren inmitten einer wilden ursprünglichen Natur: In seinen Zeichnungen hat Johannes Beyerle den Entstehungsprozess des poetischen Theaterprojekts "Grauses Wagen der Hingabe" in der Kanderner Wolfsschlucht künstlerisch zum Ausdruck gebracht. Das gemeinsame Arbeiten mit dem Musiker, dem Schauspieler, den Pferden in der Landschaft inspirierte den Künstler zu Zeichnungen und Skulpturen, die er begleitend im Projekt- und Kulturraum Alte Schule in Vogelbach ausstellt.

Die Kreatur zu verstehen – das ist es, was den 1971 geborenen Johannes Beyerle immer wieder bewegt und antreibt. Zuerst in seinen hybriden Tiermensch-Figuren, die teils animalische, teils menschliche Züge tragen, dann in den Arbeiten, in denen er den Spuren des Wolfes folgte und damit auch dem Mythos des Wilden, des Unheimlichen, des Ungezähmten, dem dunklen Sog des Archaisch-Elementaren. Nun widmet sich der Künstler wieder dem Kreatürlichen: den Pferden, mit denen er intensiv arbeitet und - im Gegensatz zu den Wölfen - auch in direkte Berührung kommt. So entstanden aus dieser Begegnung mit den Pferden, den Menschen, der Landschaft in der Wolfsschlucht sehr berührende, sehr feinnervige Zeichnungen auf Nepalpapier und archaisch anmutende Skulpturen aus Naturmaterialien wie Stein, Lehm und Stroh - sensible Annäherungen an die Kreatur Pferd, die von großem Vertrauen, Nähe und Respekt vor diesen herrlichen Geschöpfen sprechen.

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Der Titel der Ausstellung spielt auf ein Pferd an

Der Titel der Ausstellung "Voll.blut" spielt darauf an, dass eines der Pferde von Johannes Beyerle ein arabisches Vollblut ist. Kraft und Anmut vereinen sich vollkommen in diesen Tieren. "Man kann nicht vollends in die Pferdeseele eindringen, man kann sie nur berühren", sagt der feinfühlige Tierbeobachter Johannes Beyerle über seine Skulpturen, in denen er den Pferdekopf behutsam und sehr abstrahiert andeutet. Draußen in der Natur sucht Beyerle Fundsteine, rohe Brocken aus dem Wald, deren Form ihn inspiriert und die er dann mit einem Lehmstroh-Gemisch überzieht. Die Grundform des Steins gibt vor, wie der Pferdekopf geformt wird. Mit der Hand modelliert Beyerle aus dieser Lehmschicht das Wesentliche des Pferdekopfes, das Auge, das Jochbein, die Wangen, die Adern. So wie der Lehm über den Stein wächst, scheint sich der Pferdekopf an den lehmüberzogenen Stein zu schmiegen, mit dem felsartigen Block fast zu verschmelzen.

Spontane Spuren des Erlebens von Tier, Mensch und Natur

In den Zeichnungen auf Nepalpapier finden sich viele spontane, intuitive Spuren des Erlebens von Tier, Mensch und Natur in der Wolfsschlucht. Bitumen und Ölfarben hinterlassen schwarze und bräunlichrote Farbspuren, dazwischen tauchen fragmentarisch, nur wie eine verwischte Bewegung oder eine zarte Andeutung, Pferdekörper und Figuren auf. In feinen Linien und schnellen Strichen gezeichnet, greifen sie Momente, Augenblicke, Eindrücke von dem Gang durch die Wolfsschlucht auf. Ein Prozess, der sich auch zeichnerisch ausdrückt, denn die Farben, Spuren und Strukturen der Bilder auf dem Nepalpapier haben etwas von den Felswänden in der Schlucht.

Ergänzend zeigt der Markgräfler Kunstpreisträger auch einige figürliche Lehmstroh-Skulpturen auf Eisenträgern, die im Torsohaften und den Gesichtszügen näher am Menschen sind. Wer einen Blick in Beyerles Atelier im Alten Schulhaus wirft, steht dort noch vor drei morschen, ausgehöhlten Baumstämmen, in deren Hohlräume sich archaisch geformte Pferdeköpfe schmiegen. Im eigentlichen Ausstellungsraum fallen noch zwei große düstere Bilder auf, Visionen dunkler Schluchten, zerklüfteter Landschaft, Schatten und schwarzer Ödnis – fast wie in Eliots "Das wüste Land".
– Altes Schulhaus Vogelbach, geöffnet 3. und 5. April, 15-16 Uhr, sowie 4., 10., 11. April 15-17 Uhr.

Autor: Roswitha Frey