Kunst, in der die Melodie des Lebens schwingt

Alexandra Wehrle

Von Alexandra Wehrle

Di, 13. Oktober 2015

Titisee-Neustadt

Claudia Passow und Karin Münch stellen in Neustadt im Kunstforum Neustadt aus / Farben symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

TITISEE-NEUSTADT. Am Anfang stand eine künstlerische Aufgabe: Die Künstlerinnen Claudia Passow und Karin Münch sollten im Rahmen ihrer Ausbildung zur Kunsttherapeutin Bilder zum Thema "Lebensmelodie" malen. Entstanden ist daraus eine innige Zusammenarbeit mit immer wieder neuen Bildern zu diesem Thema. Am Freitag eröffneten sie im Kunstforum ihre gemeinsame Ausstellung. Sie läuft bis 1. November.

Die Aufgabe damals, vor elf Jahren, lautete, jeweils eine Farbe für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu finden und sie zueinander in Beziehung und in Bewegung zu bringen, wie Passow erklärte. Aus der Aufgabe heraus sind zwei der Bilder entstanden, die im Kunstforum zu sehen sind. Passow hat ein Feuerpferd gemalt. Die Gegenwart ist in gelb gehalten, Vergangenheit und Zukunft in blau. Münchs Bild zeigt zwei Menschen, die in Beziehung zueinander stehen. Die Farben sind rot, gelb und blau, wobei sie nicht strikt voneinander abgesetzt sind, sondern teils ineinander springen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hängen zusammen, bedingen einander.

Im Lauf der Jahre sind bei beiden weitere Bilder zum Thema "Lebensmelodie" hinzugekommen, die etwa Musiker, Instrumente, Tänzer und Tänzerinnen, Zuhörer, Pferdewesen oder Baumstimmungen zeigen. Welcher Ton schwingt in welchem Motiv? Wer oder was bringt unsere eigene Melodie zum Schwingen? Wie gelingt ein Dialog zwischen dem Seelenton der Malerin, seiner Darstellung in Farbe auf der Leinwand und dem Betrachter? Kann es gelingen, dass im Inneren des Betrachters etwas mitschwingt? Solche Fragen beschäftigen die beiden Künstlerinnen bei ihrer Arbeit.

Münchs Malerei liegt der Mensch in Beziehung zu seiner emotionalen Welt, seiner alltäglichen und spirituell-geistigen Welt zugrunde, erklärte Passow. "Sie geht in ihren Bildern der Frage nach: Was macht uns aus, wohin streben wir und wie werden wir, wie wir gedacht sind zu sein?" Ihre Malweise sei kraftvoll und expressiv, hier male eine erdverbundene, warmherzige Frau aus ihrem persönlichen Erleben heraus. Hauptdarsteller in ihren Bildern sind Hände und Gesichter. In den Bildern wechseln sich Bewegung und Stille, Kalt- und Warmkontraste, grob- und feinstoffliche Mittel ab. "Wir bewegen uns dort am Rande der Transzendenz, da, wo das Erzählen vielschichtig und wirklich wichtig wird."

In Passows Bildern könne man spüren, "wie vielschichtig ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck kommen", sagte Karin Münch über ihre Kollegin. Passow habe gesagt, sie wünsche sich, ihre Bilder immer transparenter werden zu lassen, um die Vielschichtigkeit des Seins, das Durchscheinen des Seelischen auszudrücken. Dies sei jetzt schon der Fall.

"Ihre Bilder erzählen Geschichten, wenn man zuhört." Diese öffneten sich nicht sofort, sondern mit der Zeit, während der Betrachtung. "Es scheint fast so, als würde sie all die Geschichten, die sie gehört hat, in ihren Bildern wieder erzählen." Auch die Geschichten von Tieren. "Hier ist man aufgefordert, ihrem Weg zu folgen. Wenn man das tut, kann man erleben, wie sich eine Tür nach der anderen öffnet." Beim Betrachten ihrer Bilder spüre man Zeit und Raum, aber auch Geborgenheit, Leichtigkeit und Wärme. Passows Pferdebilder strahlten fast etwas Mystisches aus, eine Begegnung der Seele mit der Natur. In ihren Bildern finde sich Licht und Dunkel, Schmerz, aber auch Vertrauen, dass alles gut wird, sagt Karin Münch.

Die vordergründigen Motive der gezeigten Bilder sind vielfältig, unter anderem sind Musiker und Instrumente, aber auch Porträts von Hundertjährigen zu sehen. Nach der Eröffnung spielte Uli Eith mit seinem Saxofon Jazz-Melodien, während sich die zahlreichen Besucher die Werke ansahen.

Die Ausstellung ist samstags von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet und bis 1. November zu sehen.