Einstimmung auf vorösterliche Zeit

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Mi, 07. März 2018

Lahr

Beim Benefizkonzert des Orgel- und Baufördervereins St. Stephanus am Sonntag glänzte die Schweizerin Irene Roth-Halter .

LAHR-REICHENBACH. Mit einem Benefizkonzert zur Einstimmung auf die vorösterliche Zeit hat der Orgel- und Bauförderverein St. Stephan in Reichenbach am Sonntagabend seine Konzertreihe an der restaurierten Albiezorgel in der Pfarrkirche fortgesetzt. Mit fünf Werken von Bach bis Mendelssohn-Bartholdy, von Lübeck bis Rheinberger hat Irene Roth-Halter aus der Schweiz für einen klangvollen Konzertabend an der historischen Orgel gesorgt.

Die Atmosphäre im Kirchenraum hätte nicht stimmungsvoller sein können: Kerzenlicht diente als Lichtquelle, an der Decke sorgte eine spartanische Beleuchtung dafür, sich ungestört den Gedanken der Fastenzeit zu widmen. Ein Frühlingsgebinde am Altar gab ein erstes Zeichen auf die bevorstehende österliche Zeit. Der Orgel- und Bauförderverein mit dem Vorsitzenden Ulrich Billian freute sich über die Zusage der Organistin und Musikdozentin Irene Roth-Halter aus der Schweiz, die in einem einstündigen Konzert im wahrsten Sinne des Wortes alle Register der historischen Albiez-Orgel in der Kirche zog, auch wenn diese nur zu einem Drittel mit Zuhörern besetzt war.

Schon der Auftakt mit Präludium und Fuge in d-Moll von Vincent Lübeck (1656 – 1740) verriet, dass die Organistin ihr Handwerk versteht und sich mit großem Temperament auf die Reise durch die Klangwelten der Musik aufmachte, zu Meditation und religiöser Vertiefung, die an die Herrlichkeit Gottes erinnerten. "Ich liebe historische Orgeln", hat sie über die Albiez-Orgel gesagt. Aufmerksam wurde sie über eine Fachzeitschrift, die nicht nur über die feierliche Einweihung der Orgel im Oktober 2016 berichtete, sondern auch über den Klangkörper der Orgel aus dem Jahr 1849 mit seinen 25 Registern und fast 1500 Pfeifen. "Sie hat gespielt, als säße sie jeden Tag am Spieltisch", hat am Ende ein Konzertbesucher über die Künstlerin geurteilt, die über Lehr- und Konzertdiplome, aber auch über nationale und internationale Auszeichnungen als Organistin verfügt. Roth-Halter spielte schon in der Basilika St. Ulrich in Kreuzlingen, in der Stefanskirche in Konstanz und gewann verschiedene Orgelwettbewerbe. Am Sonntag gewann sie die Herzen der etwa 80 Reichenbacher, die bis zum letzten Ton die Orgelwerke verfolgten. Mit zartem Register und voluminösem Klang brachte sie die religiösen Passagen "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ" zu Gehör, die Johann Sebastian Bach zwischen 1685 und 1750 komponiert hatte. Den Orgelklängen stellte Stefanie Kremling-Deinert das Wortspiel "Klangfarben" von Agnes Huber entgegen. "Das sind die Klangfarben meines Lebens" interpretierte sie den Text, in dem zum Ausdruck gebracht wurde, dass die hellen und klaren Klangfarben zu den Favoriten zählten, auch wenn die dumpfen und tiefen Töne den Zuhörer ebenfalls erfreuen sollen.

Botschaft lautet "Schön in allen Facetten"

"Schön in allen Facetten" hieß die Botschaft, die Roth-Halter aufgriff und zum Lob Gottes ausbaute. Die akustische Wahrnehmung, dass die Orgel zu Recht als Königin der Instrumente bezeichnet wird, ließ sich in der rein mechanischen Spieltraktur erkennen. Wunderschön gespielt in der Sonata in a-Moll, die aus der Feder von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788) stammt, in drei Spielarten präsentiert wurde und in einem stürmischen, aber umso feierlicheren Schlussakkord endete. Mit zarten und sanften Orgel-Stimmen glänzte die Künstlerin, auch mit zwei Andantino in F-Dur, die Joseph Rheinberger (1839 – 1901) beisteuerte.

Nach dem Gedankenspiel "Da Capo" von Johannes Kruijsenbergen, das Kremling-Deinert vortrug, gipfelte das Konzert in der Sonate in F-Moll von Felix Mendelsohn-Bartholdy (1809 – 1847), der es an Göttlichem und Übermächtigem nichts mehr hinzuzufügen gab. Es wirkte von der Empore herab wie ein Spiel für die Ewigkeit, mit vollem Klang und dem ganzen Reichtum des Albiez-Orgelwerks in allen Klangfarben, die in der Vielfalt zu hören waren. Lautstarker Beifall vom Publikum, das n stehend der Organistin dankte. Ein Benefiz-Konzert, das dringend zur Nachahmung empfohlen ist.