Chrysanthema in Lahr

Rainer und Heide Krebs hören nach 25 Jahren mit ihrer Crêperie auf

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Fr, 02. November 2018 um 17:06 Uhr

Gastronomie

Sie waren ein Vierteljahrhundert mit Leidenschaft mit ihrem Zirkuswagen in Lahr unterwegs. Doch jetzt ist Schluss, sagen Rainer und Heide Krebs.

Mit vielen Fragen werden im Augenblick das Schausteller-Ehepaar Heide und Rainer Krebs konfrontiert. Wie geht es weiter mit der "Crêperie Krebs", den französischen Pfannkuchen und dem Ausschank des Zirkussektes von Sarrasani? "Für uns ist definitiv Schluss", sagen Rainer und Heide Krebs.

Ihr Markenzeichen war der Zirkuswagen, in dem sie bei Blütensonntagen, bei der Chrysanthema und in der Weihnachtszeit auf dem Schlossplatz eine gemütliche Crêperie eingerichtet und in einem Zelt Sarrasani-Sekt ausgeschenkt hatten. Gesundheitliche Gründe und das Alter sind der Grund, dass mit dem Ende der Chrysanthema der Zirkuswagen aufs Abstellgleis gestellt wird, sagt Rainer Krebs.

Ob Tochter Ida, die seit 16 Jahren im Crêperiewagen während der Chrysanthema aushilft, das Schaustellergeschäft weiterführt, ist bisher noch offen. Demnächst sollen Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt werden. Die 55-Jährige wohnt in Giesen, ist dort verheiratet und hat vier Kinder und Enkelkinder. "Ich würde gerne weitermachen", sagte sie auf BZ-Anfrage, als in der vergangenen Woche beim Zirkuswagen auf dem Rathausplatz das 25. Jubiläum gefeiert wurde – nicht ganz so temperamentvoll, wie es sich Rainer und Heide Krebs vorgestellt hatten: Aus gesundheitlichen Gründen musste der frühere Profimusiker am Samstag am Rathausplatz seinen musikalischen Auftritt mit dem Kontrabass absagen. Sein Freund Helmut Tröster kam mit der Drehorgel, das Spiel im Duett musste ausfallen. Und auch der Auftritt am Sonntag, bei dem Rainer Krebs den von ihm 2010 komponierten Chrysanthemen-Walzer spielen sollte, fiel ins Wasser. "Das ist alles dem Alter geschuldet", sagte Rainer Krebs wehmütig. Er wird im nächsten Monat 80, seine Frau Heide wird im Dezember 79 Jahre alt.

Musik und Zirkus waren unsere Welt. Rainer Krebs

Es sei Zeit für den Abschied, sagt das Paar. "Wenn das nicht mit meinem Rücken wäre", sagt Krebs, der eingesteht, von einem Schausteller-Virus befallen zu sein. "Musik und Zirkus waren unsere Welt", sagen beide rückblickend. Der gebürtige Dinglinger und das Nordlicht Heide liebten das Vagabundenleben. Unter der Zirkuskuppel von Sarrasani hatten sie geheiratet, da war Rainer Krebs längst Berufsmusiker. Drei Jahrzehnte spielte er mit seinem Kontrabass bei den Westfälischen Philharmonikern. "Das Siegerland-Orchester war meine zweite Heimat."

Nach einer Lehre als Feinmechaniker in Lahr begann die Karriere, die über das Musikstudium in Karlsruhe führte und als Berufsmusiker in Siegen gipfelte. "Ich habe in vielen Kapellen Musik gemacht und Zirkusluft geschnuppert", sagt Krebs, der als Organist beim Zirkus Krone spielte und als Bassist bei Sarrasani aushalf. Sesshaft wurde der Dinglinger 1973, als er seinen Dienst als Musiker bei den Südwestfälischen Philharmonikern in Siegen antrat und dort auch lebte. Mit 32 Jahren war er examinierter Orchestermusiker und spielte als Musical-Artist bei verschiedenen Bands in ganz Deutschland. 2003 ging Krebs in Rente.

80 Jahre alter Zirkuswagen gehörte einst einem Zirkus

Mit einem Traktor kam der damals 65-Jährige von Siegen nach Lahr, wo er heute noch mit seiner Frau Heide wohnt. Heide Krebs heiratete Rainer Krebs 1981 standesamtlich. Dann wurde sie von ihm in die Zirkuswelt von Sarrasani eingeführt. Ein Zirkus-Tiger namens Tura soll damals Trauzeuge gespielt haben, erzählen sie. Von der Schaustellerei kamen die beiden nie mehr los. "Das ist unser Leben" bekräftigten sie. Und so sorgten sie in Lahr mit ihrem umgebauten Zirkuswagen für Aufsehen: Das war über Jahre an den Blütensonntagen in der Lahrer Innenstadt so, bei der Chrysanthema auf dem Urteils- und Rathausplatz und bei den "Lichtblicke"-Aktionen der Lahrer Werbegemeinschaft zur Weihnachtszeit bis vor drei Jahren. Bei den Frauen der Lahrer Werbegemeinschaft war Heide Krebs zudem engagiert.

Mehr als 80 Jahre hat der Zirkuswagen auf dem Buckel, den Rainer Krebs vor einem Vierteljahrhundert der Zirkusfamilie Bügler abgekauft und anschließend restauriert hatte. Im Inneren befindet sich die nostalgische Crêperie. Dort wird bis zum Ende der jetzt 21. Chrysanthema der Sarrasani-Sekt ausgeschenkt, den Rainer Krebs einst dem Zirkusunternehmen Sarrasani abgekauft hatte, als dieses in Finanznöte kam.